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Schloss Großmühlingen © Historische Häuser

Schloss Großmühlingen in Sachsen-Anhalt

Eingebettet in die sanfte Hügellandschaft der Magdeburger Börde erhebt sich das Schloss Großmühlingen im Stil der Renaissance und des Barocks. Ein Bauwerk, das auf eine fast tausendjährige Geschichte zurückblicken kann. Ursprünglich wurde es auf den Fundamenten einer Wasserburg errichtet.

Die Anfänge Großmühlingens reichen bis ins Jahr 936 zurück, als der Ort erstmals urkundlich als „Mulinga“ erwähnt wurde. Am 13. September 936 unterzeichnete König Otto I. eine Urkunde, die einen Teil der Einnahmen des Ortes dem Stift Quedlinburg zuwies. Allerdings gab es im 4. Jahrhundert dort schon westgermanische Siedler und im 8. Jahrhundert eine Dingstätte. Das ursprünglich germanische Haufendorf im Nordthüringgau wurde im Jahr 803 von Karl dem Großen als Zentrum der Grafschaft Mühlingen gegründet. Diese stand unter der Verwaltung des Bistums Halberstadt und wurde zunächst als Lehen an Markgraf Gero vergeben. Im Jahr 1034 ging das Lehen in den Besitz der Askanier unter Albrecht I. von Brandenburg (Albrecht dem Bären) (1100–1170) über. Später übernahmen ab etwa 1130 die Grafen von Dornburg und ab 1240 die Grafen von Arnstein die Herrschaft.

Während der Regentschaft von Graf Bedrich II. von Dornburg (1204–1240) erlangte die Region zusätzliche Bedeutung, da Eike von Repgow, der Schöpfer des Sachsenspiegels, als Schöffe am Grafengericht tätig war – dies belegt eine Urkunde vom 15. Oktober 1233. Es wird vermutet, dass Repgow Teile seines bekanntes Rechtswerks auf der Burg Mühlingen verfasste.

Eine Niederungsburg, deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen, wird in Dokumenten aus dieser Zeit angedeutet. Erstmals eindeutig erwähnt wurde eine Wasserburg im Jahr 1318. Die Burg wurde durch einen inneren und äußeren Wassergraben geschützt, die zusätzlich von einem Wall umgeben waren. Noch im selben Jahr wurde sie durch den Magdeburger Erzbischof Burchard III. (†1325) zerstört, da Graf Albrecht von Mühlingen mit rebellischen Bürgern Magdeburgs gemeinsame Sache gemacht hatte. Nach der Beilegung des Konflikts ließ Graf Albrecht von Arnstein mithilfe der Magdeburger Bürger die zerstörte Anlage wiederaufbauen. Im Laufe der Jahrhunderte gelangte das Anwesen in den Besitz der Grafen von Barby-Mühlingen.

1531 begann unter Graf Wolfgang I. von Barby eine neue Ära für Großmühlingen. Auf den Ruinen der Burg errichtete er ein prächtiges Renaissanceschloss, das zur Residenz der Grafschaft wurde. Der Westflügel des Anwesens wurde nach einem verheerenden Brand 1585 von Graf Wolfgang II. von Barby und seiner Ehefrau Elisabeth von Anhalt-Zerbst auf den Grundmauern des 14. Jahrhunderts neu errichtet.

Der Dreißigjährige Krieg brachte Zerstörung und Leid über Großmühlingen. Die Truppen unter General und Feldmarschall Gottfried Heinrich zu Pappenheim plünderten 1632 das Schloss, und die Grafschaft wurde von den Grafen von Barby aufgegeben. 1659 fiel das Gut in den Besitz der Fürsten von Anhalt-Zerbst und das Schloss erlebte im späten 17. Jahrhundert einen Wiederaufbau: 1669 ließ Fürst Anton Günther von Anhalt-Zerbst (1653-1714) die Anlage als Wohnsitz neu aufbauen und lebte dort teilweise mit seiner Ehefrau Auguste Antonie Marschall von Bieberstein.

Mit der Errichtung eines pavillonartigen Mittelbaus zwischen 1705 und 1714 erhielt das Schloss barocke Züge, die bis heute das Gesamtbild prägen. Es wurde zu einer dreiflügeligen Anlage, deren Grundmauern aus dem 14. Jahrhundert stammen, während das Erdgeschoss mit Kreuzrippengewölbe aus dem 16. Jahrhundert erhalten blieb. Der ursprünglich im Stil der Renaissance erbaute Putzbau erhielt im 17. Jahrhundert ein zusätzliches Obergeschoss. Die auf 1602 datierten Stuckarbeiten im Rittersaal, geprägt von einem Netzrippengewölbe, sind ein Meisterwerk aus Girlanden, Engelsköpfen und Jagdszenen. Besonders hervorzuheben ist das Rundbogenportal im Stil der Frührenaissance am Westflügel, das reich mit Ornamenten sowie Medaillons der Wappen von Graf Wolfgang von Barby und seiner Frau Agnes von Mansfeld geschmückt ist. Im Obergeschoss befindet sich eine hölzerne Galerie mit Balusterbrüstung. Der Ost- und der Westflügel liegen parallel zueinander und werden durch einen barocken, pavillonartigen Mittelbau verbunden. Der Südgiebel erhielt einen prunkvollen Volutengiebel. Zur Hof- und zur Parkseite, bzw. zum Domänenhof führt jeweils ein Tor, deren Wege über eine kleine Brücke des ehemaligen Burggrabens verlaufen.

1797 wurde das Schloss von einer Residenz zu einem Amtssitz des Fürstentums Anhalt-Bernburg umgewandelt. Im 19. Jahrhundert war es zunächst eine Exklave des Königreichs Westphalen und später Teil des Königreichs Preußen. 1863 fiel Großmühlingen an das Herzogtum Anhalt, da die Bernburger Herzogslinie ausstarb, das Gut wurde als Domäne weitergeführt. 1875 erfolgte die Trockenlegung der Wassergräben. Der umliegende Park zeugt von der Anpassung des Bauwerks an neue Nutzungsanforderungen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Enteignung durch die Bodenreform im Herbst 1945 wurde das 451 Hektar große Gut in Parzellen aufgeteilt und an Kleinbauern übergeben. 1962 ging das Land zunächst in die LPG Max Reimann über, die sich 1964 mit der Genossenschaft zur kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion zusammenschloss. Das Schloss fiel in kommunalen Besitz und wurde unter anderem als Wohnraum genutzt. Mit der Wiedervereinigung wurde aus Groß Mühlingen dann Großmühlingen. 1994 wechselte das Schloss in den Privatbesitz und wurde für Kunst- und Kulturveranstaltungen geöffnet. Seit 2014 steht das Schloss leer und sucht einen neuen Eigentümer. Der Kaufpreis betrug zuletzt 741.910 Euro. Die letzte Sanierung erfolgte in den 1980er- und 1990er-Jahren. Südlich des Schlosses befinden sich noch der Domänenhof sowie die Reste des drei Hektar großen Parks mit altem Baumbestand. Im Schloss selbst sind noch einige historische Details erhalten, darunter die repräsentativen Säle im Westflügel, die historische Holztreppe und der Rittersaal mit seiner Stuckdecke. Auch der Nordflügel verfügt über zwei Säle; ein dritter wurde zu Wohnungen umgebaut.

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