Am Rand des kleinen Dorfes Lexow erhebt sich das Gutshaus Lexow, ein schlichter Ziegelbau von 1874, eingebettet in die weite Landschaft der Mecklenburgischen Seenplatte zwischen Müritz, Fleesensee und Kölpinsee. Die Geschichte Lexows ist eng mit der Entwicklung der Klöster Malchow und Dobbertin verbunden.
Die Geschichte des Ortes Lexow reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung stammt vom 29. Mai 1298. In diesem Zusammenhang übertrug Fürst Nikolaus II. von Werle mit Zustimmung seiner Mutter Sophie und seiner Brüder im Zuge der Verlegung eines Nonnenklosters von Röbel nach Alt-Malchow dem neuen Kloster das Patronat über die Kirchen von Alt-Malchow, Neu-Malchow und Lexow. Die Schenkung wurde durch Bischof Gottfried von Schwerin bestätigt. Mit dem Patronat war der zugehörige Grundbesitz verbunden, der spätestens im Jahr 1345 in den Besitz des Benediktinerklosters Dobbertin gelangte. Bis dahin befanden sich die Klosterhufen in Lexow im Besitz der werleschen Vasallen Hennekinus Budde und Gerhard Pape.
Nach der Umwandlung des Klosters Dobbertin in ein adliges Damenstift im Jahr 1572 wurde das neu eingerichtete Klosteramt Dobbertin zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsbetriebe in Mecklenburg. Lexow war Teil der sogenannten Sandpropstei im Raum Röbel, zu der auch die Dörfer Roez, Sietow und Zielow gehörten. Die Verwaltung dieser Besitzungen oblag dem Sandpropst mit Amtssitz in Röbel. Das Gut Lexow wurde innerhalb dieses Verwaltungsgefüges über Jahrhunderte als Pachtgut bewirtschaftet. Zum klösterlichen Besitz in Lexow gehörten neben dem Gutshof auch eine Mühle, eine Ziegelei und ein Dorfkrug. Mit der Enteignung der kirchlichen Güter im Jahr 1918 endete die klösterliche Herrschaft über Lexow.
Auf eine frühere Besiedlung der Gegend verweist ein Großsteingrab östlich von Lexow im Wald zwischen Lexow und Hinrichsberg. Dabei handelt es sich um einen seltenen Polygonaldolmen, der in der Jungsteinzeit zwischen 3500 und 2800 v. Chr. als Grabstätte der Trichterbecherkultur errichtet wurde. Sie besteht aus sechs erhaltenen Tragsteinen und einer Lücke im Bereich des ehemaligen Zugangs. Der Deckstein misst 2,85 mal 2,45 Meter und ist zur Hälfte in die Kammer gesunken, da ein Tragstein nachgegeben hat. Polygonaldolmen dieser Bauart sind vor allem aus Dänemark, Schweden und Schleswig-Holstein bekannt. In Mecklenburg-Vorpommern sind nur wenige Exemplare erhalten.
Aus genealogischen Forschungen, unter anderem durch Carl Lexow aus Norwegen, ergibt sich ein weiterer Hinweis zur frühen Besitzgeschichte. In der Mecklenburgischen Adelschronik von Claus Josias von Behr wird ein Diplom aus dem Jahr 1309 erwähnt, in dem Günther, Herr von Werle und Treuherr zu Magdeburg, einen Streit mit der Familie von Lexow dokumentiert. Dieser Konflikt betraf vermutlich das Gut und die Kirche von Lexow. Es wird angenommen, dass vor der Schenkung an das Kloster Malchow im Jahr 1298 das Gut als Lehen von Hildebrand von Lexow gehalten wurde. Die Familie von Lexow war im frühen 14. Jahrhundert mit mehreren benachbarten Gütern belehnt. Ein Teil davon könnte 1309 als Ersatz für Lexow an sie vergeben worden sein.
Zwischen 1660 und 1750 ließ das Kloster Dobbertin neue Siedlungshöfe im Dorf anlegen. In den Jahren 1747 und 1748 kam es zu einem Widerstand der Bauern, der jedoch niedergeschlagen wurde. Ab 1814 wandelten sich einige der Pachtverträge in Erbpachten. Im Jahr 1840 wurden sieben Kossatenpachthöfe im Dorf gezählt, die 1844 in das Gebiet des heutigen Lexow-Ausbau umgesiedelt wurden.
Das Gutshaus Lexow wurde im Jahr 1874 als schlichtes, zweigeschossiges Pächterhaus errichtet, zur Zeit, als das Gut zum Besitz des Klosters Dobbertin gehörte. Es war nicht als Repräsentationsbau eines Gutsherrn angelegt, sondern erfüllte verwaltungstechnische und funktionale Zwecke innerhalb der klösterlich geführten Gutswirtschaft. Von 1864 bis 1871 war Vollrath Joachim Carl Hamann (1830 – 1895) mit seiner Ehefrau Mathilde Auguste Louise Emilie, geb. von Schultz, Pächter des Klosterguts. Er veranlasste die Errichtung des neuen Gutshaus sowie großer Stallungen. Zum Gut gehörten in dieser Zeit auch eine Windmühle und mehrere Nebengebäude.
Der rechteckige, unterkellerte Baukörper misst etwa 24 mal 14,5 Meter und besteht aus verputztem gelbem Ziegelmauerwerk mit Walmdach. Die Fassaden sind durch Lisenen gegliedert, horizontale Sockel- und Gurtgesimse strukturieren die Geschosse. An der Traufseite verlaufen flache, abgesetzte Gesimse mit Zahn- und Zackenfries. Die Fenster des Obergeschosses sind kleiner als die des Erdgeschosses. Der mittig angeordnete Eingang ist durch eine Platte mit der Jahreszahl 1874 und Initialen hervorgehoben. Rote Ziegel betonen gestalterisch die Gliederung des Eingangsbereichs und der Fensterachsen. Die Rückseite des Gebäudes zeigt eine Rollschicht über einem Feldsteinsockel.
Die Gutsanlage war ursprünglich von mehreren Stall- und Wirtschaftsgebäuden umgeben, von denen einige bis heute erhalten sind. An der rechten Gebäudeseite befindet sich ein älteres Haus, das vermutlich als Vorgängerbau diente.
Um 1895 übernahm Gustav August Julius Sellschopp (1856 – 1929) mit seiner Elisabeth Auguste Amanda Johanna Luise, geborene von Diestel, der Tochter des Rittergutsbesitzer auf Leetzen und Langenbrüz, den Pachthof, ihm folgte 1916 August Beese. In Raabes Vaterlandskunde von 1894 ist das Gut als Pachthof von G. Sellschopp verzeichnet. Die Größe des Gutes wird dort mit 676,4 Hektar angegeben, darunter 566,8 Hektar Acker und Gartenland, 68,2 Hektar Wiesen, 14 Hektar Weiden und 27,4 Hektar unbrauchbares Land.
Nach dem Ende der klösterlichen Besitzverhältnisse im Jahr 1918 wurde das Gut in eine verpachtete Staatsdomäne umgewandelt. Die Bewirtschaftung erfolgte weiterhin durch wechselnde Pächter. 1927 war Anna Beese Pächterin. Später war Hans Ehlers Verwalter des 682 Hektar großen Betriebes. 1938 gab es zwei Pächter: Johannes Hoppe aus Lübeck und Carl Barbendererde aus Güstrow. Daneben bestanden noch sieben Erbhofstellen. 1942 war Struve als Gutsverwalter tätig.
Nach der Enteignung der Pächter im September 1945 wurde das Gebäude für Wohn- und Gemeinbedarf genutzt. Es diente zunächst Heimatvertriebenen als Unterkunft und übernahm später mehrere zentrale Funktionen im Dorf. In der Zeit bis zur politischen Wende 1989 waren im Gutshaus das Bürgermeisterbüro, eine Schule, ein Arzt, ein Friseur sowie ein Konsum untergebracht. Zusätzlich wurden einzelne Räume im Obergeschoss als Wohnungen genutzt.
Nach dem Ende der DDR fiel das Haus in einen Dornröschenschlaf. In den 1990er Jahren wurde es verkauft, jedoch nicht weiter genutzt und verfiel zusehends. Erst 2007 wurde es von den Hamburgern Bettina Buschow und Pino (Patrick) Oldendorf übernommen und anschließend denkmalgerecht saniert. Die Restaurierung erfolgte unter Einbeziehung regionaler Handwerker und historischer Vorlagen. In das Ensemble wurden zudem das frühere Küchenhaus/alte Gutshaus und die Stellmacherei integriert. Heute beherbergt das Gutshaus ein Hotel mit acht Doppelzimmern sowie mehreren Apartments. Das Angebot wird durch ein kleines Café und ein Restaurant ergänzt.

