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Gutshaus Losentitz © Historische Häuser

Gutshaus Losentitz in Mecklenburg-Vorpommern

Im südlichen Teil der Insel Rügen steht das Gutshaus Losentitz auf der Halbinsel Zudar. Auf einer sanft ansteigenden Kuppe wird die Gutsanlage von zwei Gutshäusern geprägt. Das ältere Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1601, ein weiteres Backsteingutshaus wurde 1892 ergänzt. Unterhalb des Neubaus erstreckt sich eine sechs Hektar große Parkanlage mit zwei Teichen, Wasserläufen, alten Gehölzen und einer Vielzahl dendrologisch bedeutender Arten, die dem Gutshaus seit dem frühen 19. Jahrhundert seinen Rahmen geben.

Losentitz wurde im Jahr 1314 erstmalig im Pommerschen Urkundenbuch erwähnt, 1318 nochmals als Losentitze. Der Ortsname stammt vermutlich aus dem slawischen „Losotici“. Für viele Ortsnamen auf Rügen gilt, insbesondere solche mit der Endung -itz, dass sie auf die Zeit der Slawen zurückgehen. Die Lage an der uralten Verkehrs- und Fährverbindung über Glewitz verlieh dem kleinen Ort früh Bedeutung, obwohl er nie ein großes Kirch- oder Marktdorf wurde.

Ab 1326 gehörte Losentitze zum Besitz der Familie von Putbus. Für das Jahr 1346 wird Losentitz gemeinsam mit 13,5 Hufen und den dazugehörigen Rechten im Besitz des rügischen Adligen Henning von Zernin genannt. In dieser Nennung erscheint auch die Familie von Putbus, die als eines der bedeutendsten und ältesten Adelsgeschlechter Rügens gilt. Die Familie besaß weitreichende Besitzungen auf der Insel sowie auf dem Festland. Borante von Putbus, der zwischen 1314 und 1370 belegt ist, handelte in jenem Jahr gemeinsam mit seinen Brüdern Tetz und Stoislav sowie deren Vettern Henning und Stoislav und veräußerte einige Güter an ihren Onkel Henning von Zernin. Diese Nennung zeigt, dass der Übergang des Besitzes in einem engen personellen Umfeld der späteren Grafen und Fürsten zu Putbus stattfand, deren Linien seit dem frühen Mittelalter auf Rügen verankert und vielfach miteinander verschwägert waren. Trotz der politischen Unsicherheiten und Fehden jener Jahrzehnte blieb Losentitz in diesem Zusammenhang ein beständiger kleiner Gutsbesitz.

Ab 1485 befand sich Losentitz im Lehn der Familie von Berglase, einer alten rügischen Adelsfamilie, die auf der Insel seit dem späten Mittelalter nachweisbar ist und deren Güter überwiegend im südlichen und mittleren Rügen lagen. Einige Vertreter der Familie von Berglase waren Landvoigte und Land-Räte auf Rügen. 1695 wird das Gut Losentitz als Besitz der Familie genannt und bestand aus dem Herrenhof, einem Vollbauernhof und einem Kossatenhof. Diese Aufteilung entspricht der Wirtschaftsstruktur, die auf Rügen in dieser Zeit vielfach vorkam. Die Jahre unter der Familie von Berglase fallen in eine Epoche, in der der Dreißigjährige Krieg und die nachfolgenden Jahrzehnte vielerorts Schäden in der Landwirtschaft und im Gebäudebestand hinterließen. Die Struktur von Losentitz mit den drei genannten Hofstellen blieb weiterhin bestehen. Der Besitz blieb bis in das frühe 18. Jahrhundert in Händen der Familie von Berglase, bevor er im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Veränderungen den Eigentümer wechselte.

Mit dem Westfälischen Frieden 1648 fiel Rügen unter schwedische Verwaltung, die neue Strukturen verursachte und sich auch im lokalen Grundbesitz bemerkbar machte. In dieser Zeit rückten schwedische Offiziere, Beamte und Mitglieder des schwedischen Hochadels zunehmend in die rügischen Besitzverhältnisse ein. Einer dieser bedeutenden Persönlichkeiten war Axel Graf von Löwen (1686–1772). Er wurde als Sohn des Landeshauptmanns Otto Wilhelm von Löwen geboren und schlug schon früh eine militärische Laufbahn ein. Mit siebzehn Jahren begann er ein Volontariat im Festungsbau in Elbing und diente später unter Friedrich von Hessen und General Erik Sparre. 1707 wurde er Generaladjutant des Prinzen von Oranien. Nach Einsätzen in Wismar und weiteren Feldzügen stieg er bis 1737 zum General der Infanterie und Kommandeur auf. 1731 wurde er in den schwedischen Freiherrnstand, 1751 in den Grafenstand erhoben. Seine Ehen mit Sofia Carolina Piper und später Eva Horn auf Ekebyholm verbanden ihn mit einflussreichen schwedischen Familien, die seine politische Laufbahn stützten. 1748 ernannte ihn der König zum Generalgouverneur von Schwedisch-Pommern. Seine Residenz in Stralsund, das spätere Löwensche Palais, war ein bedeutendes kulturelles Zentrum. Es war ausgestattet mit einer der wertvollsten Bibliotheken und Kunstsammlungen der Region. Er förderte zahlreiche wirtschaftliche Neugründungen, darunter die Stralsunder Fayencefabrik, die Spielkartenfabrik und die schwedische Münze. Seine Sammlung wurde später als Fideikommiss der Stadt Stralsund übergeben. Um 1755 erwarb Graf von Löwen das Gut Losentitz sowie die angrenzende Schoritzer Begüterung mit Dumsevitz und Silmenitz. Damit vergrößerte er seinen Besitz auf der Insel erheblich und verband mehrere benachbarte Güter zu einem zusammenhängenden Komplex.

1767 verkaufte Graf von Löwen Losentitz an Johann Diek (1697–1768), der aus einem rügischen Bauerngeschlecht stammte und als Pächter mehrerer, auch zum Haus Putbus gehörender Güter wirtschaftlich erfolgreich war. Da seine Eltern früh verstarben, wurde Johann Diek von Philipp Friedrich von Platen erzogen. Zu den von ihm bewirtschafteten Besitzungen gehörten unter anderem Lancken auf Jasmund sowie die Spyckerschen Güter. Johann Diek hatte Esther Eleonora Helm, die Tochter des Gutspächters von Groß Schoritz, geheiratet und verfügte damit sowohl über familiäre Bindungen als auch über die nötige wirtschaftliche Grundlage, um ein Lehngut wie Losentitz zu erwerben. Er starb bereits ein Jahr nach dem Kauf, im Jahr 1768, sodass die Verantwortung für Losentitz früh an seine Kinder überging. Die Mutter führte das Gut weiter, bis die wirtschaftlichen Grundlagen für eine ordentliche Bewirtschaftung geschaffen waren.

Der älteste Sohn, Moritz von Dycke (1737–1822), hatte bereits 1755, im Alter von siebzehn Jahren, seine militärische Laufbahn begonnen und trat zunächst in das Regiment des Grafen Spens in Stralsund ein. Für die Stelle als Cornett entrichtete er 800 Reichstaler, eine Summe, die den Eintritt in den Offiziersstand markierte und zugleich die erheblichen finanziellen Anforderungen dieser Laufbahn verdeutlicht. Mit dem Wechsel zu den sogenannten blauen Husaren des Grafen Friedrich Ulrich zu Putbus nahm er am Siebenjährigen Krieg teil und diente später auch in Finnland, wobei er mehrfach Verwundung und Gefangenschaft nur knapp entging. Die Beförderung zum Leutnant war mit weiteren 500 Reichstalern verbunden, die ihm Graf von Putbus kreditierte, was die enge Bindung zwischen der Familie Diek und dem Haus Putbus widerspiegelt, dessen Güter sie zuvor gepachtet hatte. 1767 wurde Moritz von Dycke Eskadronchef in Wolgast. Im Jahr 1768 bot man ihm die Stelle eines Rittmeisters und Schwadronchefs an, die mit 3000 Reichstalern veranschlagt war und abermals kreditfinanziert werden musste. Er stieg bis zum Rittmeister auf, wurde in Greifswald stationiert und pachtete zeitweise das Gut Rappenhagen. Nach der späteren Verlegung des Regiments nach Schweden diente er unter anderem als Standortältester in Hälsingborg. 1793 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor; zugleich erhielt er als Kommandeur des Schwertordens seinen Abschied aus dem aktiven Militärdienst. Trotz der hohen Anfangsbelastungen gelang es ihm, sämtliche Verpflichtungen zu tilgen und in schwedischen Diensten ein Vermögen von etwa 30000 Reichstalern zu bilden. Parallel zu seiner militärischen Tätigkeit hörte er an der Universität Greifswald Vorlesungen in Physik und Geschichte und schloss in dieser Zeit Freundschaft mit Ernst Moritz Arndt.

Da sein Vater Johann Diek (1697–1768) das Gut Losentitz 1767 erworben hatte und für den rechtmäßigen Besitz eines Lehngutes der adelige Stand Voraussetzung war, mussten die Söhne ihren Status anpassen. Am 7. August 1769 erhielten sie das kaiserliche Adelsdiplom, das ihnen die Führung des Namens von Dycke gestattete und sie in den rügischen landständischen Adel einordnete. Dieses Diplom bestätigte ihre Lehnsfähigkeit und bildete die rechtliche Grundlage für die Übernahme des Gutes, da Johann Diek als bürgerlicher Eigentümer das Lehen nicht dauerhaft hätte halten können. Zunächst führte die Mutter das Gut weiter, bis die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine geordnete Bewirtschaftung geschaffen waren. Nach seinem Abschied als Generalmajor im Jahr 1793 übernahm Moritz von Dycke die Leitung der Güter Losentitz und Kransevitz und widmete sich deren Verwaltung, Modernisierung und Neuordnung. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit Ernst Moritz Arndt. Nach seiner Rückkehr widmete er sich der Modernisierung und Neuordnung des Gutes. Die Güter gingen in einen Familienfideikommiss.

Er entließ 1802 die Leibeigenen aus dem Naturaldienst, führte Pachtsysteme ein und investierte in Landwirtschaft, Viehzucht und Infrastruktur. 195 Hektar trennte er von seinem Grundbesitz. Auf dieser Fläche entstanden sechs Bauernhöfe, ein Armenhaus und eine Schule. Er erneuerte die Wirtschaftsgebäude, legte über sechzig Steinbrücken an, entwässerte Weiden, pflanzte Obst- und Waldgehölze und baute große Teile des zu Losentitz gehörenden Kransevitz neu auf. 1794 begann er mit der Anlage einer der umfangreichsten Gehölzsammlungen der Insel. Bis 1800 waren 131 Arten dokumentiert, bis 1811 schon 228. Dazu gehörten Trompetenbaum, Rot-Ahorn, Streifenahorn, Tulpenbaum, Zirbelkiefer, Ginkgo, Sumpfzypresse, Persischer Flieder, Ungarische Linde und zahlreiche Obstsorten. Diese Pflanzungen beeindruckten spätere Gartenkundler wie Johann Jacob Grümbke und Ferdinand Jühlke, die Losentitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts als herausragende Anlage erwähnten.

Da Moritz unverheiratet blieb, suchte er außerhalb der Ehe eine „untadelige und charakterfeste“ Frau als Mutter seines Erben. Mit der Gärtnerstochter Maria Christina Holmgreen aus dem südschwedischen Sireköpinge wurde 1791 sein Sohn Otto Friedrich Magnus von Dycke (1791-1858) geboren. Dieser wurde zwei Wochen nach seiner Geburt nach Losentitz gebracht und wuchs dort bei einer Tante und Amme Magdalena Dieck auf. Von Herzog Karl wurde er legitimiert und erbte später durch einen Fideikommiss das Gut. Er erhielt eine umfangreiche Ausbildung durch Hauslehrer und studierte anschließend Rechtswissenschaften an den Universitäten Göttingen, Heidelberg, Lausanne und Greifswald. Nach dem Übergang Schwedisch-Pommerns an Preußen trat er in den Staatsdienst ein. Otto Friedrich Magnus von Dycke war preußischer Beamter, wurde Regierungsrat in Stettin und gehörte ab 1841 als Abgeordneter der Ritterschaft des Kreises Rügen dem Provinziallandtag der Provinz Pommern an. 1847 war er Mitglied des Vereinigten Landtages. Zugleich blieb er Gutsbesitzer auf Rügen und damit in die Verwaltung von Losentitz eingebunden. Mit seiner Frau Mathilde, geborene Picht, hatte er eine Tochter und einen Sohn. Die Tochter Marie Johanne von Dycke (1829-1914) war zunächst mit Friedrich von der Lancken Wakenitz (1824-1866) und in zweiter Ehe mit Ernst von Keffenbrinck Griebenow verheiratet. Der Sohn Albert Wilhelm von Dycke (1831-1874) wurde Nachfolger auf Losentitz. Er wird als Albert von Dycke Losentitz bezeichnet und war mit Elise von Pommer Esche (1840-1926) verheiratet, die nach seinem Tod in zweiter Ehe den Staatsminister Rudolph von Delbrück heiratete.

1858 übernahm Albert Wilhelm von Dycke (1831–1874) das Gut Losentitz und vererbte es 1874 seinem Sohn Otto von Dycke (1862–1935). Otto, ein gebildeter und kunstsinniger preußischer Offizier, lebte überwiegend in Berlin und verpachtete das Gut. Zu den Pächtern jener Zeit gehörten Sternberg (1879–1905), Gustav Max Ferdinand Dähn (1911–1929) sowie später Walter Koos.

1892 ließ Otto von Dycke neben dem älteren Fachwerkhaus ein neues Gutshaus errichten und leitete damit eine deutlich erkennbare Bauphase innerhalb der Gutsanlage ein. Der Entwurf stammte von Carl Teichen aus Stralsund. Der zweieinhalbstöckige, blockhaft wirkende Bau erhebt sich über einem hohen Souterrain, das das nach Osten abfallende Gelände ausgleicht. Ein Drempelgeschoss führt zu einem flach geneigten, einseitig gewalmten Satteldach. Unter der Traufe sitzen paarweise angeordnete kleine quadratische Dachfenster. Die Fassaden bestehen aus rotem Klinkermauerwerk, das durch umlaufende Bänderungen aus dunkel glasierten, schwarz lasierten Steinen gegliedert wird. Diese horizontalen Bänder trennen die Geschosse, rahmen die segmentbogig geschlossenen Fenster und setzen zugleich dekorative Akzente. Sechssachsig aufgebaut, wirkt der Bau in seiner klaren Struktur geschlossen und ruhig, während gemusterte Mauerschichten aus dunklen Klinkern die Flächen dezent beleben. An der südöstlichen Längsseite tritt asymmetrisch ein verputzter Treppenhausrisalit vor die Fassadenflucht. Er überragt die Traufe und erhielt erst nach 1910 einen geschwungenen Schweifgiebel. In seinem Mauerwerk ist ein Wappenstein mit der Inschrift „OvD 1822“ eingelassen. Die östliche Schmalseite wird durch einen ebenfalls verputzten Eingangsrisalit akzentuiert. Der Portalvorbau trägt ein flaches Dach, das als Altan genutzt wird und von einer gemauerten Balustrade eingefasst ist. Eine vorgelagerte Terrasse, ebenfalls mit Balustrade, bindet das Haus an das umgebende Gelände an.

Im Inneren haben sich wesentliche Teile der bauzeitlichen Ausstattung erhalten. Dazu zählen das Treppenhaus mit gusseisernem Geländer, stuckierte Wandflächen, farbige Rautenmusterverglasungen sowie teilweise bemalte Holzvertäfelungen. Besonders bemerkenswert sind die ornamental ausgestalteten preußischen Kappendecken, die sich über alle drei Geschosse spannen und vor allem in den Mittelfluren in Erscheinung treten. Otto von Dycke verfügte zudem über eine bedeutende Bibliothek zur rügischen und pommerschen Geschichte, die dem Haus eine eigene geistige Prägung verlieh.

Nordwestlich des Gutshauses steht ein zweigeschossiger Speicherbau aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der langgestreckte Backsteinbau ruht auf einem Feldsteinsockel und wird von einem flachen Satteldach abgeschlossen. Ein zum Hof gerichteter Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel betont seine Mittelachse.

Nach dem Tod Ottos von Dycke ging das Gut gemäß Fideikommiss an Armgard Arianne Hilda Herta Ilse von Heyden-Linden (1925-2010), die zu diesem Zeitpunkt erst neun Jahre alt war. Das Gut Losentitz umfasste 299 Hektar Land, die vom Pächter Walther Kroos bearbeitet wurden. Im Herbst 1945 wurde Armgard von Heyden-Linde zusammen mit ihrem Pächter durch die sowjetische Bodenreform enteignet. 

Das Gutshaus diente in der Nachkriegszeit zahlreichen Familien als Wohnhaus. Die Räume wurden in Wohneinheiten unterteilt, und das Haus erfüllte über Jahrzehnte eine Funktion als Mehrfamilienhaus. Nach der politischen Wende begann ein erster Versuch der Restaurierung, der jedoch durch den Konkurs des damaligen Eigentümers abgebrochen wurde. In der Folge stand das Gutshaus mehrere Jahre leer. Der Leerstand verstärkte die Anfälligkeit der Bausubstanz, und auch der Park geriet in einen Zustand dichter Verwilderung. 2009 erwarben neue Eigentümer die Anlage, nahmen die Sicherung und Sanierung wieder auf und führten die Arbeiten seither weiter. Das Gutshaus wird heute privat genutzt, die historischen Räume werden Schritt für Schritt wiederhergestellt. Das 1601 erbaute eingeschossige alte Gutshaus genannt, wurde zu einer Ferienwohnungen ausgebauten Katenreihe. Das neugebaute Gutshaus ist in Privatbesitz. Die Parkanlage ist teilweise öffentlich. Eine Besonderheit stellt der aus Feldsteinen errichtete Eistrichter dar, der lange durch Schutt und Asche verfüllt war und erst später wieder freigelegt wurde.

DER PARK VON LOSENTITZ

Der Park von Losentitz zählt zu den dendrologisch und gartenhistorisch bedeutendsten Anlagen Rügens. Seine Entstehung ist eng mit Moritz Carl Ulrich von Dycke verbunden, der ab 1794 eine systematische Pflanzung begann, die sich bewusst von traditionellen Gutsparks unterschied. Zwischen 1794 und 1811 ließ er in symmetrischen Abteilungen 228 Arten und Sorten pflanzen. Er gliederte den Park in Bereiche für schön blühende Gehölze, nützliche Holzarten, Nutzpflanzen und Obstbau. Die Vielfalt der Obstsorten war außergewöhnlich: zweiundzwanzig Apfel-, neunzehn Birnen-, zehn Kirsch- und zehn Pflaumensorten, ergänzt durch Aprikosen, Pfirsiche, Feigen und Wein. Diese Obstkulturen standen in unmittelbarer Verbindung zu den Ziergehölzen, die er aus verschiedenen Regionen zusammentrug, darunter Trompetenbaum, Rot und Streifenahorn, Zirbelkiefer, Balsamtanne, Sumpfzypresse, Persischer Flieder und Zerreiche.

Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb Ferdinand Jühlke die Anlage als einen der bemerkenswertesten Gärten der Insel Rügen. Die Pflanzlisten wurden von ihm veröffentlicht und gelten bis heute als wichtige Quelle zur Rekonstruktion der ursprünglichen Anlage.

Die Sturmflut von 1870/72 vernichtete über zweihundert Bäume. Der Park verlor große Teile seiner alten Struktur. Unter Otto von Dycke wurde ab 1880 nach Plänen des Gartenbaudirektors Hampel eine Neuordnung vorgenommen, die botanische Elemente des älteren Arboretums mit landschaftlichen Gestaltungsmitteln des späten 19. Jahrhunderts verband. Neue Gehölzgruppen, Nadelhölzer und Platanen wurden ergänzt.

Der Park umfasst heute etwa sechs Hektar. Die nordwestliche Grenze bildet eine Reihe alter Amerikanischer Pappeln. Davor liegt die Feuchtwiese von ungefähr einem Hektar, die seit dem Wegfall der Beweidung nach 1945 eine eigenständige Vegetation ausbildete, darunter Schwertlilien und Sumpfdotterblumen. Ein verzweigter Bachlauf durchzieht den Park und speist mehrere Teiche, die über eine weiße Holzbrücke zugänglich sind. Die Teichränder sind heute stark mit Schilf bestanden, doch die historischen Formen sind klar erkennbar. Zu den dendrologischen Besonderheiten gehören mehrere sehr alte Sumpfzypressen mit ausgeprägten Atemwurzeln, eine geschlitztblättrige Hasel, eine Weymouthskiefer, eine seltene Japankopfeibe (Cephalotaxus fortunei) im Eingangsbereich des Hauses, Gruppen von Ungarischen Linden, eine Hängescheibe, mehrere Platanen, verschiedene Ahornformen einschließlich der Mutation Carpinus betulus „Quercifolia“, zahlreiche Taxusbestände, Buchsbaumgruppen und Reste des historischen Obstbaus. Eine seltene Kalifornische Flusszeder, auch Weihrauchzeder genannt, gehört zu den ältesten Gehölzen im Park.

1993 wurde das trichterförmige Eislager freigelegt. Es ist aus Feldsteinmauerwerk errichtet und nicht begehbar, sondern diente der Lagerung des im Winter eingebrachten Eises. Die salzhaltige Umgebung führte zur Ansiedlung einer ungewöhnlich großen Kolonie von Aronstab. In unmittelbarer Nähe wurde ein Grabstein zweier Foxterrier aus dem Jahr 1902 wieder aufgerichtet, der als Teil der historischen Gutslandschaft gilt.

Nach 2009 wurde der Park Stück für Stück rekultiviert. Brombeerbestände, Gestrüpp und überwachsene Wege wurden in mühevoller Handarbeit entfernt. Historische Wegelinien, Pflanzgruppen und alte Bäume wurden freigelegt. Die heutige Erscheinung vereint die Schichten von Arboretum, Landschaftsgarten und Wiederentdeckung im 21. Jahrhundert und macht Losentitz zu einer der vielschichtigsten Parkanlagen der Insel Rügen.

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen oder vielleicht sogar alte Fotos zu diesem Gutshaus? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail an kruse@historische-haeuser.com

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