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Gutshaus Klein Kubbelkow © Historische Häuser

Gutshaus Klein Kubbelkow in Mecklenburg-Vorpommern

Das Gutshaus Klein Kubbelkow liegt südwestlich von Bergen im Herzen der Insel Rügen. Der ehemalige Gutshof befindet sich in einer seit Jahrhunderten landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft, die bereits im Mittelalter zu den bedeutenden Besitzkomplexen des Klosters St. Jürgen vor Rambin gehörte. Das heute erhaltene Herrenhaus steht in einem rund vier Hektar großen Gutspark, dessen ältere Gestaltung auf einen barocken Park zurückgeht und der im 19. Jahrhundert zu einem Landschaftspark erweitert wurde. Teiche und Wasserläufe gehören ebenso zu der Anlage wie ein bemerkenswerter Baumbestand mit Ledereiche, Kuchenbaum und Blutbuche. Gutshaus und Park stehen heute unter Denkmalschutz.

Die Geschichte Kubbelkows reicht weit über die Entstehungszeit des heutigen Gutshauses zurück. Im Hebungsregister von 1314 erscheint der Ort als „Cublicowe“, vier Jahre später lautet die Schreibweise „Cubelkow“. Er war zu dieser Zeit mit neun Hufen verzeichnet, von denen fünf als wüst galten. Eine Trennung in Groß und Klein Kubbelkow bestand offenbar noch nicht. Die Pommerschen Jahrbücher beschreiben die Entwicklung genauer: Hinter dem Eintrag „Cublicowe“ werden im Hebungsregister zunächst neun Hufen und unmittelbar anschließend vier Hufen eines Vorwerks aufgeführt. Dieses Vorwerk wurde später mit Klein Kubbelkow in Verbindung gebracht. Erst im Verlauf des 14. Jahrhunderts entwickelte sich daraus die bis heute bestehende Trennung in Groß und Klein Kubbelkow. Als frühe Besitzer Kubbelkows werden die Brüder Heyne und Eghardus von Poretz genannt. Bereits 1298 befand sich Sehlen, damals „Zilne“, in ihrem Besitz. Für 1318 ist in Kubbelkow ein Wohnhof als „curia everhardi“ überliefert. Die mittelalterlichen Besitzverhältnisse waren allerdings komplex. Nach einer Darstellung gehörte Kubbelkow den Brüdern Egbert und Heyno von Poretz fast vollständig. 1356 verkauften sie einen Hof an Gottschalk Raleke. Im Zuge der Erwerbungen des Klosterhospitals St. Jürgen vor Rambin kam es anschließend zu weiteren Veränderungen. Raleke bot dem Hospital seine Besitzungen in Kubbelkow im Tausch gegen Besitzungen in Kukelvitz, Lowenitz und Saase an. Nach Bewilligung eines zusätzlichen Geldausgleichs kam dieser Tausch zustande und wurde 1375 von Heyno von Poretz bestätigt, der dabei auf seine Ansprüche verzichtete. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts besaßen die Brüder Marcus und Arend Dornrade noch einen Hof in Kubbelkow, den das Hospital 1407 mit allem Zubehör und den zugehörigen Rechten erwarb. 1411 folgten einige wüste Hofstätten aus dem Besitz der Familie Poretz.

Mit diesen Besitzübertragungen eng verbunden war auch das an Kubbelkow grenzende Hainholz, das sich über Teschenhagen hinaus erstreckte. Der größere Teil befand sich gemeinschaftlich im Besitz Gottschalk Ralekes und Dargeslav Barnekows. Raleke verkaufte seinen Anteil 1372 für 440 Mark an das Klosterhospital St. Jürgen. Heyno Poretz veräußerte dem Hospital 1377 einen weiteren Waldteil. Der verbliebene Besitz Dargeslav Barnekows ging auf dessen Sohn Raven über. Dieser verkaufte 1414 die erste Hälfte seines Anteils samt 34 Morgen Acker und 1416 den Rest mit weiteren 36 Morgen Acker und zwei Wiesen an das Hospital. 1434 wird Martin der Ältere von Barnekow als Besitzer von Teschenhagen und Klein Kubbelkow genannt. 1453 erscheint Erich von Barnekow ausdrücklich auf Lütken Kubbelkow. Wenige Jahrzehnte später verkaufte er der Bruderschaft der Heiligen Dreifaltigkeit in Bergen eine jährliche Pacht aus Lütken Kubbelkow. 1516 wird Marten Barnekow to Kubbelkow als Zeuge einer Urkunde genannt. Ort und Gut blieben anschließend über fünf Jahrhunderte eng mit dem rügischen Zweig der Familie verbunden, die als Erb-, Lehn- und Gerichtsherren auftrat.

Auch die bäuerlichen Verhältnisse des Gutes treten in einer historischen Beschreibung hervor. Danach waren Klein Kubbelkow vier Bauern dienstpflichtig, die an drei Tagen mit Pferden sowie an einem weiteren Tag mit einem Fußgänger Dienste für das adelige Gut zu leisten hatten. Hinzu kam ein Halbbauer. Die Gutsherrschaft beruhte damit über lange Zeit nicht allein auf dem eigentlichen Hof, sondern ebenso auf den mit ihm verbundenen bäuerlichen Diensten und Abgaben.

Trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten, die das Barnekowsche Lehngut im 17. Jahrhundert zeitweise unter die Verwaltung seiner Gläubiger brachten, gelangte der Besitz wieder in die Hand der Familie. Raven von Barnekow erwarb das Gut 1673 zurück, auch wenn sich die vollständige Begleichung des Kaufpreises noch über Jahre hinzog. Mit der Allodifikation des Rittergutes im Jahr 1820 wandelte sich der bisherige Lehnsbesitz in freies Eigentum. Das Gut umfasste damals rund 308 Hektar und wurde überwiegend durch Pächter bewirtschaftet. Zu ihnen gehörten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Bertram von Platen, der Landwirt Holtz sowie Diereng. Anschließend übernahm Hermann Stuth die Pachtung. Anfang des 20. Jahrhunderts folgten Gustav Stuth und Franz Subklew, bevor ab 1919 Herbert von Platen als Pächter genannt wird. Eigentümer blieb während dieser Zeit die Familie von Barnekow.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war südwestlich des damaligen Gutshauses ein barocker Park angelegt worden. Zwischen 1820 und 1830 wurde die Anlage nach Nordosten von Christoph von Barnekow um einen landschaftlich gestalteten Park erweitert, ohne den älteren barocken Teil grundlegend zu verändern. Dieser blieb bis in das späte 19. Jahrhundert erhalten. Sicher ist damit lediglich, dass die ältere barocke Anlage im 19. Jahrhundert zu einem englischen Landschaftspark erweitert beziehungsweise umgestaltet wurde. Der Park war insbesondere für seinen Rhododendrenbestand bekannt.

Seit 1857 befand sich Klein Kubbelkow im Besitz des noch minderjährigen Friedrich Wilhelm Albrecht Christoph Julius Martin von Barnekow (1848-1908). Der Jurist trat nach seinem Studium in den preußischen Staatsdienst ein und erreichte 1902 das Amt des Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Osnabrück. Obwohl er beruflich überwiegend außerhalb Rügens lebte, blieb Klein Kubbelkow der Mittelpunkt seines Familienbesitzes. Mit seiner aus Tilsit stammenden Ehefrau Klara Spiegelthal entschloss er sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im Park des Gutes ein neues Herrenhaus errichten zu lassen. 1907 beauftragte Friedrich von Barnekow den Rostocker Architekten Friedrich Wagner mit dem Bau eines Sommerhauses im Park. Wagner entwarf ein villenartiges Landhaus, das 1908 errichtet wurde. Das neue Gebäude ersetzte das ältere Gutshaus zunächst nicht. Beide Häuser bestanden noch jahrzehntelang nebeneinander, bis der Vorgängerbau, der aus dem späten 17. Jahrhundert stammte1963 abgebrochen wurde.

Das neue Herrenhaus im Heimatstil war für seine Zeit mit umfangreichem technischen und häuslichen Komfort ausgestattet. Im Kellergeschoss lagen unter anderem Dienerstube, Küche, Speisekammer, Roll- und Plättstube, Weinkeller und Heizraum. Eine Warmwasserzentralheizung und elektrische Wasserversorgung gehörten zur Ausstattung, ebenso fließendes kaltes und warmes Wasser. Das Erdgeschoss nahm Vorhalle und Diele, zwei Wohnzimmer, eines davon mit Veranda nach Südosten, ein Speisezimmer mit Anrichte sowie Garderoben auf. Im Obergeschoss befanden sich Mädchen-, Gast- und Logierzimmer, ein großes Schlafzimmer mit Ankleide und Bad, eine Loggia und ein Zimmer für die Hausdame. Die Baukosten betrugen 56.000 Mark. Äußerlich erhielt das große Haus einen vielgestaltigen Baukörper. Das massive Erdgeschoss erhebt sich über einem gelben Klinkersockel. Darüber treten Fachwerkaufbauten hervor, die teilweise bis zu drei Geschosse erreichen. Das hohe Dach wird als Walm- beziehungsweise Krüppelwalmdach beschrieben. Ein zweigeschossiges Zwerchhaus, Erker und kleine Gauben gliedern den Baukörper. Im Fachwerkbereich findet sich eingelegter Muschelschmuck. Zur Parkseite öffnet sich eine Veranda, zu der eine einläufige Treppe führt. Sie wird von einem gerundeten Glasdach überfangen. Am Beginn der Treppe stehen auf Sockeln gesetzte Steinkugeln mit Kreuzbandmotiven. Nach 1939 wurde das Herrenhaus noch einmal umgebaut.

Friedrich von Barnekow erlebte die Vollendung seines neuen Herrenhauses nur noch kurze Zeit. Er starb 1908 in Osnabrück. Seine Witwe Klara von Barnekow blieb auf Klein Kubbelkow und erhielt ein lebenslanges Wohnrecht. Zugleich übernahm sie die Verwaltung des Gutes, während die landwirtschaftliche Bewirtschaftung weiterhin durch verschiedene Pächter erfolgte.

Henning Marten Christoph Freiherr von Barnekow (1859-1944) schlug eine militärische Laufbahn ein und war unter anderem Kommandeur des Husaren-Regiments „Fürst Blücher von Wahlstatt“ Nr. 5 in Stolp. Aus seiner Ehe mit Elisabeth von Auerswald stammte Joachim von Barnekow (1899-1941). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Henning mit seiner Familie 1919 in Klein Kubbelkow einquartiert. 1938 übergab er das Gut an seinen Sohn Joachim. Dieser lebte dort mit seiner Ehefrau Edelgarde, geborene von Pentz, und den beiden Kindern Rutger und Ingrid. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sollte das Gutshaus verändert werden. Edelgarde von Barnekow wünschte sich ein stärker auf den praktischen Gutsbetrieb zugeschnittenes Landhaus. 1939 wurde beim Bauamt in Bergen beantragt, das Dach abzutragen und zusätzlichen Wohn- und Nutzraum zu schaffen. Der umfassende Umbau wurde nicht genehmigt. Erlaubt wurden lediglich das Schließen der Veranden und das Anheben des Daches an zwei Stellen, wodurch drei zusätzliche Zimmer entstanden. Joachim von Barnekow führte die Arbeiten während eines Fronturlaubs im April 1941 selbst durch. Im August desselben Jahres fiel er und erlebte diese Fertigstellung nicht mehr. Damit endete die jahrhundertelange Verbindung der Familie mit Klein Kubbelkow wenige Jahre später. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verließ Edelgarde von Barnekow mit ihren beiden Kindern das Gut in Richtung Westen. 1945 wurde der Besitz im Zuge der Bodenreform enteignet.

Die folgenden Jahrzehnte veränderten Haus und Park grundlegend. Aus der unmittelbaren Nachkriegszeit sind Berichte von Einwohnern über Plünderungen und Zerstörungen überliefert. Auch die Familiengräber im Park wurden auf der Suche nach Wertgegenständen geöffnet. Das ausgeräumte und teilweise durch Feuer beschädigte Gutshaus diente zunächst zeitweise als Getreide- und Materialspeicher. Anschließend wurden hier Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten untergebracht. Dafür teilte man das Gebäude in mehrere Wohnungen auf. Bis 1985 lebten vier Familien im Haus, dessen baulicher Zustand sich während dieser Zeit zunehmend verschlechterte. Auch der Gutspark verlor einen erheblichen Teil seiner früheren Struktur. Der barocke Bereich wurde in zehn Parzellen aufgeteilt und als Neusiedlerland genutzt. Alter Buchsbaumbestand verschwand zugunsten von Nutzflächen. Im landschaftlichen Teil wurden große alte Bäume als Brennholz gefällt. Die Familiengruft diente zeitweise als Kartoffelkeller, die Teiche wurden als Ablage für Abfälle genutzt. Das ältere Gutshaus, das neben dem 1908 errichteten Landhaus fortbestanden hatte, wurde 1963 abgebrochen.

Eine erste umfassende Sicherung des erhaltenen Gutshauses begann 1985. Dieter Eckhardt, Vorsitzender der LPG Pflanzenproduktion Samtens, setzte sich dafür ein, das Gebäude als Betriebsferienheim herzurichten. Haus und Park wurden geräumt und nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert und neu gestaltet. Die Arbeiten waren 1989 abgeschlossen. Nach 1990 ging das Anwesen in das Eigentum der Bundesrepublik Deutschland über. Zunächst wurde das Gutshaus als Pension mit kleinem Restaurant genutzt. In dieser Zeit diente es auch als Drehort für die Fernsehreihe „Ein Bayer auf Rügen“. Die Instandhaltung blieb jedoch begrenzt, der Park verwilderte erneut. Nach der Schließung der Pension wurde das Gebäude einige Jahre von einer Großfamilie bewohnt und 1999 schließlich geräumt. Danach folgten rund zweieinhalb Jahre Leerstand. Der bauliche Zustand verschlechterte sich erneut, Fenster wurden zerstört, Türen aufgebrochen und Teile der Ausstattung demontiert. Zeitweise bestand sogar die Absicht, das Gebäude bis auf das Treppenhaus zu entkernen. Der dafür vorgesehene Unternehmer lehnte den Auftrag jedoch ab.

Im Sommer 2001 schrieb die TLG das Landhaus Klein Kubbelkow zum Verkauf aus. Im November erhielt Familie Diembeck den Zuschlag. Nach den vorliegenden Angaben hatte sie sich mit ihrem Nutzungskonzept und dem höchsten Gebot gegen rund 60 weitere Interessenten durchgesetzt. Unmittelbar nach der Übernahme wurden zunächst gefährdete Decken gesichert und Maßnahmen gegen weitere Plünderungen vorgenommen. Im Winter 2001 wurde der Park freigelegt. Von Februar bis Oktober 2002 folgten umfangreiche Restaurierungsarbeiten am Haus. Dabei orientierte man sich an historischen Plänen und denkmalpflegerischen Befunden, um sich dem Zustand des Hauses um 1910 wieder anzunähern. Erhaltene Wandvertäfelungen, Parkettböden und das Treppenhaus wurden aufgearbeitet. Verlorene Ausstattungsstücke ergänzte man durch Antiquitäten sowie historische Kachelöfen und Kamine. Auch der Park wurde durchforstet, ältere Strukturen und Sichtachsen wurden wieder freigelegt und ein Flanier- und Nutzgarten mit Küchen- und Wildkräutern angelegt. Heute wird das Gutshaus Klein Kubbelkow von der Familie Diembeck als Hotel und Restaurant genutzt.

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen oder vielleicht sogar alte Fotos zu diesem Gutshaus? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail an kruse@historische-haeuser.com

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