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Gutshaus Konow © Historische Häuser

Gutshaus Konow in Mecklenburg-Vorpommern

Südöstlich von Bad Doberan steht das Gutshaus Konow in der Nähe der alten Klosterteiche im Hütter Wold. Zwischen Feldern und Wiesen erhebt sich das ehemalige Domanialgut, dessen Gutshaus bis heute den Mittelpunkt der historischen Anlage bildet. Ein kleiner Teich, Gräben, ein Rest des ehemaligen Parks sowie einige erhaltene Wirtschaftsgebäude erinnern an die Zeit, als Konow über Jahrhunderte zu den landesherrlichen Domänen Mecklenburgs gehörte. Obwohl der einstige Wirtschaftshof heute weitgehend beräumt ist, lässt sich die frühere Struktur der Anlage noch erkennen. Das Gutshaus wird heute privat bewohnt

Die Geschichte Konows ist eng mit der Entwicklung der landesherrlichen Besitzungen in Mecklenburg verbunden. Bereits im Mittelalter gehörte der Ort zu einem größeren Verwaltungs- und Wirtschaftsraum, dessen Zugehörigkeiten sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach änderten. Eine frühe Nachricht über Konow findet sich im Zusammenhang mit den umfangreichen Verleihungen landesherrlicher Güter. Im Jahr 1383 gelangten Gorow, Johannstorf, Gnemern, Neuhof und Konow gemeinsam an die Familie von Axekow. Diese Vergabe gehörte zu einer Reihe größerer Belehnungen des 13. und 14. Jahrhunderts, bei denen die Landesherren zusammenhängende Begüterungen aus ihrem Besitz vergaben. Später kehrten diese Güter wieder in den landesherrlichen Besitz zurück und wurden erneut als Domänen verwaltet.

Noch im 16. Jahrhundert gehörte Konow gemeinsam mit Reinshagen, Heiligenhagen, Hastorf und Hanstorf zum Amt Schwaan. Nachdem Einhusen nach 1655 hinzugekommen war, wurden Konow und Hastorf im Jahr 1676 im Zuge einer Neuordnung getauscht. Bereits 1747 gelangten beide Orte zusammen mit Hanstorf und Neuhof wieder an das Amt zurück. Später wurde Konow Bestandteil des Amtes Doberan. Diese mehrfachen Veränderungen zeigen die fortlaufende Neuorganisation der herzoglichen Domänenverwaltung, ohne dass sich an der grundsätzlichen Stellung Konows als landesherrliches Gut etwas änderte.

Die Lage Konows führte dazu, dass der Ort auch von überregionalen Ereignissen berührt wurde. Während der Befreiungskriege zogen sich die mecklenburgischen Truppen unter General Vegesack nach Rostock zurück. Französische Verbände folgten ihnen. In den westlich von Rostock gelegenen Dörfern Klein Schwaß und Wilkenhagen, unweit von Konow, wurden Füsilierkompanien stationiert, um den Vormarsch aufzuhalten. Wenige Tage später stießen zwischen Retschow und Konow die Truppen des französischen Generals Lallemand und die Verbände General Vegesacks aufeinander. Damit lag die Domäne unmittelbar im Umfeld militärischer Bewegungen des Jahres 1813.

Anders als viele mecklenburgische Gutshöfe befand sich Konow daher nicht dauerhaft im Besitz einer adligen Familie. Als landesherrliche Domäne wurde Konow nicht verkauft, sondern überwiegend an Pächter vergeben, die den landwirtschaftlichen Betrieb führten. Die Geschichte des Gutes ist deshalb vor allem eine Geschichte seiner Pächter. Die überlieferte Pächterfolge beginnt mit Amtmann Hagemann, der die Domäne zwischen 1780 und 1794 bewirtschaftete. Ihm folgte Johann Friedrich Berkholz, der das Gut von 1794 bis 1822 innehatte. Nach seinem Ausscheiden führte Sophie Berkholz die Pacht bis 1825 weiter. Anschließend übernahm Carl Günther die Bewirtschaftung und blieb bis 1846 Pächter der Domäne. Mit Heinrich Röper begann 1846 eine mehrere Jahrzehnte andauernde Phase, in der die Familie Röper das Gut bewirtschaftete, die bis 1878 anhielt.  Die Bedeutung der Domäne zeigt sich auch in ihrer Größe. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Konow gemeinsam mit dem nördlich gelegenen Neuhof als Pachthof beziehungsweise Hausgut beschrieben. Der Hof lag in hügeliger Landschaft nahe der Eisenbahn bei Parkentin und befand sich damals unter der Leitung von Johannes Röper, der das Gut bis 1905 pachtete. Als die Domäne zu Johannis 1888 erneut zur Verpachtung ausgeschrieben wurde, umfasste sie rund 387,8 Hektar. Den größten Teil der Fläche bildeten Ackerland unterschiedlicher Bonität sowie umfangreiche Weiden. Hinzu kamen kleinere Umlandflächen. Anschließend übernahm Hans Röper die Bewirtschaftung und blieb bis 1905 Pächter, damit endet die Zeit der Familie Röper auf Konow. Von 1905 an ist Heinz Grupe als Pächter überliefert. Ab 1921 wird Heino Grupe als Pächter des Domanialgutes genannt.

Die jahrhundertelange Nutzung als landesherrliche Domäne prägte auch die bauliche Entwicklung des Gutes. Anders als auf vielen adligen Rittergütern entstand das Gutshaus  nicht als repräsentativer Familiensitz einer Gutsbesitzerfamilie, sondern als Wohn- und Verwaltungssitz der jeweiligen Pächter. Von hier aus wurde der umfangreiche landwirtschaftliche Betrieb geleitet. Das heute erhaltene Gutshaus ist ein eingeschossiger Bau mit elf Fensterachsen, der aus roten Backsteinen errichtet wurde. Gelbe Ziegelbänder gliedern die Fassaden und setzen gestalterische Akzente. Das Gebäude ruht auf einem Feldsteinfundament und besitzt eine teilweise unterkellerte Konstruktion mit Gewölben. Den Bau schließt ein Krüppelwalmdach ab, das heute neu eingedeckt ist und vier Schleppgauben trägt. Die Mittelachse wird durch einen zweigeschossigen, dreiachsigen Mittelrisalit betont. Sein Spitzgiebel wird von einem Konsolenfries gegliedert, während kleine Türmchen aus den seitlichen Pilastern hervortreten und der Front eine markante Silhouette verleihen. Vor dem Haupteingang befindet sich eine breite hölzerne Veranda mit Flachdach und Zahnblockfries. Die sprossengeteilten Fenster unterstreichen den historischen Charakter des Hauses. Zum Gut gehörten außerdem Stallgebäude und weitere Wirtschaftsgebäude, von denen einige bis heute erhalten sind und inzwischen einer anderen Nutzung dienen. Ein kleiner Restpark, Gräben und ein Teich erinnern noch an die einstige Gutsanlage, deren ursprünglicher Wirtschaftshof heute weitgehend beräumt ist.

Erst das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte einen grundlegenden Einschnitt in der Geschichte des Gutes. Im Zuge der Bodenreform des Jahres 1945 wurde die Domäne aufgesiedelt. Aus den rund 250 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche entstanden etwa dreißig Neubauernwirtschaften. Das Gutshaus verlor damit seine ursprüngliche Funktion als Wohn- und Verwaltungssitz des Domänenpächters. Viele der neuen Bewohner waren Flüchtlinge und Vertriebene, die nach Kriegsende in Mecklenburg eine neue Heimat fanden. Das Gutshaus diente zunächst als Unterkunft für mehrere Familien. Bis zu acht Personen teilten sich zwei Zimmer. Küche sowie Toilette wurden gemeinschaftlich genutzt wurden. Erst nach der Zuweisung einer Neubauernstelle konnten zahlreiche Familien in eigene Häuser umziehen.

Zum Gutshof gehörten neben dem Gutshaus zahlreiche Wirtschaftsgebäude. Erhalten geblieben sind unter anderem ehemalige Stallungen, die inzwischen einer neuen Nutzung zugeführt wurden. Ein kleiner Teich, Entwässerungsgräben sowie Reste des einstigen Parks ergänzen die Anlage. Der eigentliche Wirtschaftshof ist heute weitgehend beräumt, sodass sich seine frühere Ausdehnung nur noch erahnen lässt. Dennoch vermittelt das Ensemble weiterhin den Charakter einer ehemaligen mecklenburgischen Domäne.  Neben seiner landwirtschaftlichen Bedeutung war Konow über Jahrhunderte auch verkehrsgeschichtlich von Bedeutung. Bis etwa 1855 führte die Post- und Handelsstraße von Danzig nach Lübeck durch den Ort. Dadurch entstanden Einrichtungen wie eine Schmiede sowie eine An- und Ausspannstation mit Krug, die Reisende und Fuhrwerke versorgten. Heute verläuft stattdessen der Jakobsweg durch Konow und knüpft in anderer Form an die lange Tradition des Ortes als Station an einer wichtigen Verkehrsverbindung an.

Auch in den folgenden Jahrzehnten blieb das ehemalige Gutshaus ein Wohngebäude. Mehrere Generationen von Dorfbewohnern verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Haus. Sie berichten vom Geruch nach Bohnerwachs, vom gewölbten Gutskeller und von den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, die für die Kinder des Dorfes selbstverständliche Spielorte waren. Von einer Domäne wurde so ein Zuhause für viele.

Heute präsentiert sich das Gutshaus Konow in einem sanierten Zustand und wird weiterhin zu Wohnzwecken genutzt. Im Gutshaus wohnen nun einige Mieter. Die erhaltenen Wirtschaftsgebäude wurden umgenutzt. Obwohl der frühere Gutshof seine ursprüngliche Funktion längst verloren hat, bewahren das Gutshaus, der Restpark, der Teich und einzelne Nebengebäude die Erinnerung an die jahrhundertelange Geschichte Konows als landesherrliche Domäne.

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen oder vielleicht sogar alte Fotos zu diesem Gutshaus? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail an kruse@historische-haeuser.com

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