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Schloss Oranienbaum © Historische Häuser

Schloss Oranienbaum in Sachsen-Anhalt

Schloss Oranienbaum, eine barocke Schlossanlage mit niederländischer Prägung liegt in der Stadt Oranienbaum-Wörlitz in Sachsen-Anhalt. Die barocke Dreiflügelanlage entstand ab 1681 als Sommersitz für Henriette Catharina von Oranien-Nassau, die das Schloss nach dem Tod ihres Mannes, Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau, zu ihrer Witwenresidenz ausbauen ließ. Der niederländische Baumeister Cornelis Ryckwaert prägte die Gestaltung des Schlosses ebenso wie die planmäßige Anlage der Stadt und des rund 28 Hektar großen Schlossparks. Gemeinsam bilden sie ein Ensemble, das die niederländische Herkunft der Fürstin mit der barocken Residenzkultur Anhalt-Dessaus verbindet.

Lage und Entstehung der Schlossanlage

Die Geschichte des Ortes reicht bis ins Mittelalter zurück. Unter dem Namen Nischwitz wurde die Siedlung 1179 erstmals urkundlich im Besitz des Klosters Nienburg erwähnt. Um 1500 wurde der Ort infolge eines Bevölkerungsrückgangs aufgegeben. Erst im 17. Jahrhundert begann eine neue Entwicklung. 1645 ließ Fürstin Agnes von Anhalt-Dessau an dieser Stelle ein Festes Haus errichten.

Eine entscheidende Veränderung trat 1660 ein, als Nischwitz in den persönlichen Besitz von Prinzessin Henriette Catharina von Oranien-Nassau (1637-1708) überging. Sie war die Tochter des niederländischen Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien und seiner Frau Amalie zu Solms-Braunfels. Am 9. Juli 1659 hatte sie in Groningen Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau (1627-1693) geheiratet. Die Verbindung stärkte die Beziehungen zwischen dem Fürstentum Anhalt-Dessau und dem brandenburgisch-preußischen Herrschaftsgebiet, den ihre Schwester Louise Henriette war die Ehefrau des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg.

Henriette Catharina stammte aus dem Haus Oranien-Nassau und brachte damit eine niederländische Perspektive in die Entwicklung ihrer neuen Heimat ein. Sie setzte sich für den wirtschaftlichen Ausbau des Fürstentums ein und ließ in Nischwitz Gewerbebetriebe ansiedeln. Eine 1669 gegründete Glashütte gehörte zu diesen frühen Einrichtungen. 1673 erhielt der Ort den Namen Oranienbaum, der auf die Herkunft seiner Besitzerin verweist. Die barocke Anlage bildet zusammen mit dem Schlosspark und der planmäßig angelegten Stadt ein zusammenhängendes Ensemble, dessen Gestaltung wesentlich von niederländischen Vorbildern geprägt ist. Schloss und Park gehören zum Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Die Stadt liegt etwa sechs Kilometer südlich der Elbe und rund zwölf Kilometer östlich von Dessau-Roßlau.

Cornelis Ryckwaert und die Planung eines barocken Ensembles

Ab 1681 begann die erste Bauphase des Schlosses, das zunächst als Sommersitz für Henriette Catharina vorgesehen war. Mit der Planung und Ausführung wurde der niederländische Baumeister Cornelis Ryckwaert († 1693) betraut, der in brandenburgischen Diensten stand. Ab 1683 entwickelte er das Vorhaben zu einer umfassenden barocken Anlage, die Schloss, Garten und Stadt in einen gemeinsamen gestalterischen Zusammenhang brachte. Das Konzept folgte einem regelmäßigen geometrischen Grundriss. Die Stadt erhielt ein rechtwinkliges Straßennetz mit einem quadratischen Marktplatz im Zentrum. Am westlichen Rand der Stadt entstand das Schloss, an das sich der etwa 28 Hektar große Garten anschloss. Die Planung verband damit eine fürstliche Residenz mit einer nach einheitlichen Grundsätzen angelegten Stadtstruktur.

In der ersten Bauphase von etwa 1681 bis 1685 wurden zunächst das Palais und die zugehörigen Kavalierspavillons errichtet. Gleichzeitig entstand der Barockgarten nach niederländischem Vorbild. Seine geometrische Gliederung wurde durch Wasserflächen ergänzt. Ein Wassergraben trennte das innere, halbrund angelegte Gartenparterre von den äußeren Gartenbereichen, deren regelmäßige Grundstruktur erhalten blieb.

Vom Sommersitz zum Witwensitz

Mit dem Tod Johann Georgs II. im Jahr 1693 änderte sich die Funktion der Anlage. Henriette Catharina ließ das Schloss zu ihrer Witwenresidenz erweitern. Zwischen 1698 und etwa 1702 wurde das zunächst kleinere Palais zu einer dreiflügeligen Schlossanlage ausgebaut. Die seitlichen Flügel wurden gestaffelt angeordnet und erhielten dadurch eine für niederländische Barockbauten charakteristische Wirkung. Der Ausbau ging mit einer repräsentativen Ausstattung der Innenräume einher. Kostbare Ledertapeten, Fayencen und Gemälde prägten die Räume. Hinzu kamen Kunstsammlungen, die das Schloss als fürstlichen Wohn- und Repräsentationsort auszeichneten. Dazu gehörten eine Porträtgalerie der Askanier, Gemälde aus der sogenannten Oranischen Erbschaft sowie Bestände aus der Sammlung des aufgelösten Amalienstifts. Teile der Oranischen Erbschaft sind bis heute im Schloss Mosigkau erhalten. Die historischen Sammlungen in Oranienbaum wurden bis 1945 bewahrt.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes blieb eng mit der Fürstin verbunden. Neben der bereits bestehenden Glashütte ließ sie 1693 ein Brauhaus errichten. Im selben Jahr begann der Tabakanbau mit anschließender Verarbeitung. 1695 erhielt Oranienbaum das Marktrecht. 1709 bestanden zwölf berechtigte Brauhäuser, und in den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Handwerksbetriebe und Innungen.

Henriette Catharina bewohnte das Schloss bis zu ihrem Tod am 4. November 1708. Aus ihrer Ehe mit Johann Georg II. gingen zehn Kinder hervor, darunter Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676-1747), der als der Alte Dessauer bekannt wurde.

Architektur des Schlosses

Schloss Oranienbaum ist eine barocke Dreiflügelanlage. Der zweigeschossige Hauptbau und die ebenfalls auf einem hohen Sockelgeschoss stehenden Seitenflügel bilden einen zur Gartenseite geöffneten Baukörper. Die seitlichen Flügel wurden gegenüber dem Haupttrakt gestaffelt angeordnet. Die Kavaliershäuser ergänzen die Anlage als eigenständige Bauteile. Die Fassaden des Schlosses sind verputzt. Im unteren Bereich hebt sich eine rustizierte Sockelzone ab, deren Gestaltung die Basis des Gebäudes betont. An der Stadtseite tritt der Mittelrisalit nur flach aus der Fassade hervor. Zur Gartenseite ist der Mittelrisalit stärker ausgeprägt und wird von einem Dreiecksgiebel abgeschlossen. Eine Freitreppe stellt dort die Verbindung zwischen dem erhöhten Hauptbau und der Parkanlage her.

Das Hauptgebäude trägt ein Walmdach, während die Kavaliershäuser mit Zeltdächern gedeckt sind. Die eingeschossigen Seitenflügel stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zum höheren Mittelbau. Gemeinsam mit den abgestuften Gebäudeteilen entsteht eine klar gegliederte Anlage. Die Kavaliershäuser unterscheiden sich durch ihre Fachwerkkonstruktion von den verputzten Schlossfassaden. Ihre Gestaltung ergänzt das Hauptgebäude, ohne dessen hervorgehobene Stellung innerhalb des Ensembles aufzuheben.

Innenräume und historische Ausstattung

Die Innenräume spiegeln unterschiedliche Phasen der Schlossgeschichte wider. Während Teile der barocken Ausstattung erhalten beziehungsweise restauriert sind, dokumentieren andere Räume spätere Umbauten und die Nutzung als Archiv. Zu den besonders aussagekräftigen Räumen gehören der Ledertapetensaal, der Fliesenkeller, der Festsaal und das Treppenhaus.

Ledertapetensaal

Der Ledertapetensaal veranschaulicht die repräsentative Ausstattung des Schlosses während der Zeit Henriette Catharinas. Die kostbaren Ledertapeten und Fayencen gehörten zu einer Raumgestaltung, die den gesellschaftlichen Rang der Fürstin unterstrich. Wann genau diese Ausstattungsstücke nach Oranienbaum gelangten, ist nicht abschließend geklärt. Der Saal wurde im Zuge der Restaurierungsarbeiten wiederhergestellt und zählt zu den Räumen, in denen sich die historische Gestaltung besonders gut nachvollziehen lässt.

Fliesenkeller

Ein weiterer historisch bedeutender Raum befindet sich im Keller. Der sogenannte Fliesenkeller diente als Sommerspeisesaal und ist mit Delfter Keramikfliesen ausgestattet. Die blau-weißen und weißen, zinnglasierten Fliesen sind in einem gleichmäßigen Muster angeordnet. Ihre Bildmotive umfassen Szenen und Gegenstände aus unterschiedlichen Themenbereichen. Neben Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament finden sich Tulpen, Landschaften, Windmühlen und spielende Kinder. Auch antike Gottheiten wie Apollo, Mercurius, Mars, Luna und Venus sind abgebildet.

Festsaal

Der Festsaal liegt im Obergeschoss und bildet dort einen zentralen Raum. Über einen Altan öffnet er sich zum Garten. Seine Wandmalereien stammen von niederländischen Künstlern. Im Raum befindet sich außerdem der originale Orangenbaum, der auf die Herkunft Henriette Catharinas verweist. Eine Nachbildung dieses Baumes steht auf dem Marktplatz der Stadt.

Treppenhaus und weitere Wohnräume

Das Treppenhaus zeigt sich bis heute mit einer historischen Holztreppen und bemalte Deckenbretter. Im Zuge der Restaurierung wurde dort eine zuvor verdeckte Malerei wiederentdeckt. Sie zeigt einen blauen Himmel mit Wolken und Vögeln, die Zweige von Orangen- und Kirschbäumen im Schnabel tragen. Die Darstellung war unter einer textilen Bespannung und Schilfmatten verborgen. Auch die übrigen Wohnräume wurden im Laufe der Zeit verändert. Anlässlich seiner Vermählung ließ Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) 1766 zwei Säle im Obergeschoss durch den Dessauer Maler Johann Wolfgang Buch neu ausmalen. In den 1780er Jahren wurden zudem mehrere Räume im Erdgeschoss im chinoisen Stil umgestaltet. Die Veränderungen orientierten sich an Entwürfen des englischen Architekten und Gartentheoretikers Sir William Chambers.

Schloss und Park im Wandel des 18. Jahrhunderts

Nach dem Tod Henriette Catharinas wurde Schloss Oranienbaum von den nachfolgenden Fürsten von Anhalt-Dessau nur noch gelegentlich genutzt, insbesondere während Jagdaufenthalten. Ihr Sohn Leopold I. und dessen Sohn Dietrich hielten sich nicht mehr dauerhaft dort auf. Erst Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817), der als Gestalter des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs hervortrat, wandte sich der Anlage wieder verstärkt zu. Nach 1780 ließ er das Schloss und den Park umgestalten. In mehreren Räumen wurden neue Ausstattungen im chinesischen Stil geschaffen. Die Wandmalereien sind teilweise nur fragmentarisch überliefert. Die Veränderungen standen im Zusammenhang mit einer neuen Gartenauffassung, die neben der formalen barocken Gestaltung auch englische und chinesische Einflüsse aufnahm. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel im ehemaligen barocken Inselgarten. Zwischen 1793 und 1797 wurde er nach Vorstellungen des englischen Gartengestalters Sir William Chambers (1723-1796) zu einem englisch-chinesischen Garten umgeformt. Die Gestaltung verband Wasserflächen, geschwungene Wege und architektonische Elemente nach chinesischem Vorbild.

Zu den prägenden Bauten gehören eine fünfgeschossige Pagode und ein chinesisches Teehaus, das vom Wasser aus erreichbar ist. Mehrere Bogenbrücken ergänzen die Anlage. Der Garten zählt zu den wesentlichen Bestandteilen des Oranienbaumer Ensembles und bewahrt die Verbindung zwischen der barocken Grundstruktur und der späteren landschaftsgärtnerischen Gestaltung. Auch die Orangerie gehört zur Entwicklung des Schlossparks. Sie wurde im südlichen Parkbereich errichtet und ist als langgestreckter Bau am Parkrand angelegt. Ihre Entstehungszeit wird in den Quellen unterschiedlich angegeben: Während die städtische Chronik den Bau auf die Jahre 1812 bis 1818 datiert, nennen andere Angaben das Jahr 1811. Die Orangerie diente der Unterbringung von Zitruspflanzen und weiteren seltenen Gehölzen. Diese Nutzung setzte sich über lange Zeit fort.

Wirtschaftliche Entwicklung und Stadtgeschichte im 19. Jahrhundert

Oranienbaum entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einem Ort mit unterschiedlichen Handwerks- und Gewerbezweigen. Der Tabakanbau, der bereits im späten 17. Jahrhundert begonnen hatte, gewann zunehmend an Bedeutung. 1824 wurde der erste tabakverarbeitende Betrieb gegründet. Für 1927 sind 70 beim Zollamt gemeldete Tabakproduktionen überliefert. Erst mit der Schließung der letzten Tabakfabrik, Ephraim Schulze, endete die Tabakproduktion 1968. Eine weitere wirtschaftliche Einrichtung war die 1864 gegründete Likörfabrik Friedrich, die Likör aus Orangenblüten herstellte. Sie bestand bis 1950.

Auch die Infrastruktur wurde erweitert. 1894 erhielt Oranienbaum einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Dessau-Wörlitz, die später bis Gohrau-Rehsen verlängert wurde. Im Jahr 1900 wurde der Ort zum Luftkurort erklärt. Im Wald entstand eine Kinderheilstätte. In demselben Gebäude wurde am 5. Mai 1933 ein ländliches Frauenbildungsheim und Kinderkurheim eröffnet, das als erstes Frauenbildungsheim des Deutschen Reichs bezeichnet wurde.

Nutzung des Schlosses nach 1945 und Restaurierung

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Schloss Oranienbaum eine neue Funktion. Ab 1953 wurde dort eine Außenstelle des Staatsarchivs Magdeburg eingerichtet. 1993 wurde die Außenstelle zum selbstständigen Landesarchiv Oranienbaum aufgewertet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts zog das Archiv nach Dessau um. Mit dem Ende der Archivnutzung eröffnete sich die Möglichkeit, das Schloss wieder für Besucher zugänglich zu machen. 2003 wurde es für Besichtigungen geöffnet. Seitdem werden das Gebäude und seine historischen Räume schrittweise restauriert. Dabei treten unterschiedliche Erhaltungszustände zutage. Neben bereits wiederhergestellten Räumen gibt es Bereiche, in denen die Spuren der Archivnutzung weiterhin sichtbar sind. Die Restaurierungsarbeiten betreffen sowohl das Äußere als auch die Innenräume. Ein wichtiges Anliegen ist es, historische Ausstattungen zu sichern und ältere Gestaltungsphasen wieder erkennbar zu machen. Die Freilegung der Deckenmalerei im Treppenhaus ist ein Beispiel dafür, wie während der Arbeiten zuvor verdeckte Befunde ans Licht kamen.

Eine besondere Verbindung besteht zum niederländischen Königshaus. Schloss Oranienbaum gehört zu den vier nach dem Haus Oranien benannten Schlössern in Deutschland. Neben Schloss Oranienbaum zählen Schloss Oranienburg bei Berlin, das für Luise Henriette von Brandenburg errichtet wurde, Schloss Oranienstein bei Diez für Albertine Agnes von Nassau-Dietz sowie das nicht mehr erhaltene Schloss Oranienhof bei Bad Kreuznach für Marie von Pfalz-Simmern zu dieser Gruppe. Die vier Frauen waren Schwestern und Töchter von Friedrich Heinrich von Oranien-Nassau und Amalie zu Solms-Braunfels. Die ehemalige niederländische Königin Beatrix übernahm die Schirmherrschaft über die Restaurierung des Schlosses. Sie besuchte Oranienbaum 2004 und 2012, um sich über den Fortgang der Arbeiten zu informieren.

Heutige Bedeutung von Schloss und Park

Schloss Oranienbaum ist heute Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs und gehört zu den Gartenträumen Sachsen-Anhalt. Das Schloss kann besichtigt werden. Auch der Park ist zugänglich. Die restaurierte Pagode und das chinesische Teehaus können nach Anmeldung besucht werden. In der Orangerie befinden sich unter anderem ein Café und eine Kutschenausstellung. Die Anlage wird weiterhin durch die Sammlung von Zitruspflanzen und anderen Gehölzen geprägt. Die Bedeutung Oranienbaums liegt nicht allein im Schlossgebäude. Die regelmäßige Stadtplanung, der barocke Schlossbau und die Gartenanlage bilden ein zusammenhängendes Ensemble, dessen niederländische Prägung in Deutschland selten ist. Zugleich dokumentieren die späteren Veränderungen den Wandel fürstlicher Wohn- und Repräsentationsformen vom Barock über die chinoise Gestaltung des 18. Jahrhunderts bis zur Nutzung als Archiv im 20. Jahrhundert. Die erhaltenen Innenräume, der englisch-chinesische Park und die Orangerie machen diese unterschiedlichen Phasen nachvollziehbar.

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