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Schloss Moritzburg © Historische Häuser | Alte Häuser

Schloss Moritzburg in Sachsen

Kein anderes Schloss in Deutschland passt wohl so gut zu Weihnachten wie das imposante Schloss Moritzburg in Sachsen. Das barocke Jagd- und Lustschloss August des Starken liegt auf einer Halbinsel, umgeben von einer weitläufigen Park- und Teichlandschaft.

Erbaut wurde Schloss Moritzburg als Jagdhaus mit dem Namen Dianenburg von Herzog Moritz von Sachsen (1521 – 1553) von 1542 bis 1546 in der wild- und waldreichen Umgebung Dresdens. Namensgebend war Diana, die Göttin der Jagd. Ab 1549 war der Name Moritzburch erstmalig belegt. Das Jagdhaus entstand im Stil der Renaissance mit vier mächtigen Rundtürmen, die von einer umlaufenden Wehrmauer verbunden sind, auf einer Granitkuppe einer künstlichen Insel. Baumeister des Jagdhauses waren Caspar Vogt von Wierand, Dresdener Festungsbaumeister, und Hans von Dehn-Rothfelser, sächsische Hofbeamter und Bauintendant der Renaissance. Schon früh galt Moritzburg als beliebter Jagdsitz der sächsischen Kurfürsten und Könige. Ab 1550 wurde das Schloss als Verwaltung des Amts Moritzburg genutzt. Kurfürst August ließ 1584 unter der Führung von Paul Buchner und Peter Kummer erste Umbauten des Schlosses vornehmen. Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen (1613 – 1680) war es, der das Gebäude zum Jagdschloss in der Zeit von 1656 bis 1672 erweitern ließ. Die Pläne stammen von Ezechiel Eckhardt, seinem Enkel Albrecht Eckhardt und Wolf Caspar von Klengel. Die Schlosskapelle wurde von 1661 bis 1672 erbaut. Die Pläne zum Bau der protestantischen Kapelle im Stil des Frühbarocks stammen vom Baumeister des Kurfürstentums Sachsen Wolf Caspar von Klengel (1630-1691). Am 1. November 1661 wurde der Grundstein von Johann Georg II. für die Kapelle gelegt. Dieser Tag war gleichzeitig der Geburtstag der Prinzessin von Preußen und der Kürfürstin von Sachsen, Magdalene Sibylle, Ehefrau des Kurfürsten. Von 1656 bis 1672 wurde das Jagdhaus erweitert, auch hier stammen die Pläne von Wolf Caspar von Klengel. Zu dieser Zeit wurde auch der Tiergarten zur Hege des Rotwildes angelegt.

Der Enkel von Kurfürst Johann Georg II., Friedrich August I. (1670-1733), wurde 1694 Kurfürst von Sachsen, nachdem sein älterer Bruder Johann Georg IV. verstarb. Der Kurfürst August der Starke wurde 1697 in Personalunion König von Polen und trat dafür zum katholischen Glauben über. Die Kapelle in Moritzburg wurde daraufhin Weihnachten 1699 im Rahmen eines Gottesdienstes zu einem katholischen Gotteshaus geweiht. 1723 begannen weitere Umbauten an dem Renaissanceschloss, dieses Mal war der Bauherr August der Starke. Der Vierflügelbau mit seinen vier Türmen wurde auf einem podestartigen Sockelgeschoss als barocker Putzbau umgeformt. 1727 begann der Innenausbau der zwölf Wohnquartiere mit insgesamt 200 Räumen. Die bis 1733 andauernden Umbauten des Renaissanceschloss in ein barockes Jagd- und Lustschloss, erfolgten nach Plänen des sächsischen Oberlandbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann, dem Baumeister des Dresdner Zwingers. Die Pläne dazu entstanden bereits im Jahr 1703.

Die Eingangshalle präsentiert sich bis heute mit einem Kreuzgewölbe und erinnert so an die Zeit, als Moritzburg noch ein Renaissanceschloss war. Heute sind hier die Galakutschen untergebracht. Weiter geht es mit der barocken Ausstattung im Inneren des Schlosses. Vier große Prunksäle, jeweils über zwei Geschosse hoch (Monströsen-, Billard-, Speise- und der Steinsaal) finden im ersten Obergeschoß ihren Platz. Die Räume wurden mit prachtvollen Möbeln, Gemälden und Meissner Porzellan ausgestattet. Die Wände sind mit wertvollen Stoffen und kostbaren Goldledertapeten aus über 10.000 Tierhäuten bezogen. Die vier Türme haben nicht nur einen repräsentativen Nutzen, sondern hatten auch alle eine Funktion. So war im nordöstlichen Turm die Küche untergebracht, die den Speisesaal versorgte. Der nordwestliche Turm beherbergte die Bäckerei, der südöstliche Turm war den Amtsgeschäften vorbehalten und der südwestliche Turm war der Jägerturm. Das Wasserschloss ist rundum mit einer Terrassenanlage versehen und präsentiert sich mit zwei Ehrenhöfen. Auf den Balustraden stehen Statuen mit Jäger- und Kinderfiguren, sowie Vasen aus den Händen von Balthasar Permoser, Benjamin Thomae, Johann Christian Kirchen und Wolf Ernst Brohn.

Das Schloss ist auf der Schlossinsel umgeben von acht kleinen Teichhäusern, die zu damaligen Zeit als Wachhäuschen genutzt wurden. Moritzburg war als Ort für Feste und Jagden gedacht und so wurden neue Teiche sowie weitere Tiergehege angelegt. Östlich vom Jagdschloss entstand die Fasanerie. Dort wurde für inszenierte Seeschlachten ein weiterer See angelegt. Architekt war auch hier Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Umbau des Schlosses endete 1733 mit dem Tod von August dem Starken.

Der Enkel von August dem Starken, Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen (1750-1827), wurde 1806 als Friedrich August I. zum ersten König von Sachsen und Polen gekrönt und begann um 1800 mit dem Ausbau der Landschaft rund um Schloss Moritzburg. Er ließ das Fasanenschlösschen, das Marcolinihaus, den Venusbrunnen sowie den Miniaturhafen mit der Mole und dem Leuchtturm erbauen. Hier wurden unter anderem Seeschlachten nachgestellt.

Zum ersten Mal wurde Schloss Moritzburg ab dem Jahr 1924 als fester Wohnsitz von Prinz Ernst Heinrich von Sachsen (1896-1971) genutzt. Er war der jüngste Sohn des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. aus dem Hause Wettin. Einige Räume des Schlosses öffnete Ernst Heinrich für Führungen. 1945 wurde auch der Prinz enteignet. Vor der Enteignung vergrub er mit seinen Söhnen die wertvollen Kunstschätze sowie Schmuck und weitere Dinge in Holzkisten in den Wäldern rund um das Schloss. Die sowjetischen Truppen fanden einen Großteil der Kisten. Die letzten Kisten wurden allerdings erst 1996 entdeckt.

Am Schloss befindet sich der Schlosspark mit seinem französischen Grundrissschema. Die Planungen des Parks stammen von Johann Christoph Knöffel und Matthäus Daniel Pöppelmann und orientierten sich an den Parkanlagen der anderen Fürstenhöfe in Europa. Bevor der Park damals vollständig angelegt wurde, starb August der Starke. Eine seitliche Begrenzung des Parks findet durch die Kavaliershäuschen statt. August der III. wollte den Park weiter ausbauen, aber auch diese Pläne wurden durch den Siebenjährigen Krieg nicht umgesetzt. Im 19. Jahrhundert gelang es dann, den Park durch weitere Anpflanzungen zu einer romantischen Parkanlage zu gestalten. Während das Schloss nach dem Zweiten Weltkrieg als Museum neuen Nutzen fand, verwilderte der Park und Bäume wurden gefällt. Der Park wurde ab dem Jahr 1990 vom Freistaat Sachsen mit dem Amt für Denkmalpflege rekonstruiert. Vom Schloss aus wurden achtstrahlige Schneisen sternförmig angelegt. Die Schneisen legen den Blick z. B. auf das Fasanenschlösschen oder das Hellhaus frei. Die Schlossteiche, die bereits im 16. Jahrhundert angelegt wurden, sind mit den anderen, über 30 Teichen durch ein Kanalsystem verbunden und werden bis heute für die Zucht von Karpfen genutzt.

Von 1946 bis 1949 wurde im Schloss ein Museum über die Zeit des Barock eingerichtet. Neuer Eigentümer des Schlosses ist der Freistaat Sachsen. Bis heute ist im Schloss ein Museum untergebracht. 1985 bis 1898 wurde die Schlosskapelle saniert, die bis heute von der katholischen Kirche genutzt wird. Die Stuck- und Sandsteindekorationen, das Deckengemälde, der Altaraufbau sowie die Fürstenloge sind erhalten geblieben. Die Ledertapeten aus dem 18. Jahrhundert sind in elf Räumen noch erhalten. In den Prunkräumen des Schlosses, die nun als Museumsräume genutzt werden, sind Lack- und Prunkmöbel aus der Zeit August des Starken ausgestellt. Die Jagdwaffen, Gemälde sowie Geweihe zieren die Wände. 71 Rothirschgeweihe befinden sich allein an den Wänden im Speisesaal. Im Steinsaal hängen die Ren- und Elchgeweihe. Unter anderem ist hier ein über 10.000 Jahre altes Geweih einen Riesenhirsches zu sehen, das als Geschenk des russischen Zaren Peter des Großen nach Moritzburg kam. Im Monströsensaal hängen 39 abnorme Geweihe, die infolge von Verletzungen oder Erkrankungen fehlgebildet wurden. Ihr monströses Aussehen hat dem Saal seinen Namen gegeben. Ein Großteil der Geweihe im Schloss Moritzburg stammen aus dem Schloss Augustusburg und wurden schon 1725 nach Moritzburg gebracht.

Im Federzimmer steht das einstige Prachtbett vom August den Starken, dass er allerdings nie genutzt hat. 1723 erwarb er das aus einer Million Federn bestehende Bett mit einem Baldachinhimmel und den Bettvorhängen für seinen Japanischen Palais. Die Federn stammen von Pfauen, Perlhühnern, Enten und Fasanen und wurden mittels eines Webstuhls durch den Franzosen Le Normand miteinander verbunden. August der Starke trennte diese Vorhänge voneinander und ließ die Wände damit bestücken. Das Bett wurde nach einer 19-jährigen Restaurierung wieder zusammengestellt und steht nun im Schloss Moritzburg.

Berühmt wurde das Schloss Moritzburg als Kulisse im Weihnachtsfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sowie in den Märchen „Sechse kommen zur Welt“ und „Eine Prinzessin zum Verlieben“. Auch der Film „Drei Engel für Charlie“ aus dem Jahr 2018 wurde hier teilweise gedreht.

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