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Barockgarten Großsedlitz @ Historische Häuser

Barockgarten Großsedlitz in Sachsen

Der Barockgarten Großsedlitz, eine barocke Parkanlage von August des Starkens befindet sich südöstlich von Dresden in Sachsen. Der Ort Großsedlitz bei Heidenau liegt oberhalb des Elbtals auf einer Hochfläche zwischen den Tälern von Müglitz und Seidewitz. Auf rund 18 Hektar entfaltet sich hier eine der bedeutendsten Gartenanlagen des Dresdner Barock. Die Strenge der Architektur und die kunstvolle Gestaltung des Gartens lassen die Epoche Augusts des Starken in eindrucksvoller Klarheit sichtbar werden. Terrassen, mächtige Freitreppen, Wasserbassins und lange Sichtachsen bestimmen das Bild. Über sechzig Sandsteinskulpturen begleiten die Wege, während zahlreiche Kübelpflanzen, darunter seltene Pomeranzen, die gärtnerische Tradition der barocken Orangeriekultur fortführen.

Die Geschichte dieses außergewöhnlichen Ensembles begann im Jahr 1715. Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth (1662–1734) erwarb das damals niedergebrannte Rittergut. Wackerbarth stand als Generalfeldmarschall und Oberaufseher über das militärische und zivile Bauwesen in sächsischen Diensten. Er ließ das Anwesen in den Jahren 1719 bis 1723 zu einem repräsentativen Sommersitz ausbauen. Ein Schloss entstand, dazu Orangerien und erste Gartenparterres. Die Obere Orangerie wurde 1721 vollendet. An den Entwürfen wirkten Johann Christoph Knöffel, Matthäus Daniel Pöppelmann und Zacharias Longuelune mit, die zu den wichtigsten Baumeistern des Dresdner Barock zählten.

Bereits 1723 wechselte Großsedlitz den Besitzer. Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (1670–1733), der seit 1697 zugleich König von Polen war und als August der Starke in die Geschichte einging, erwarb den Besitz. Seine angespannte Finanzlage führte dazu, dass der Ankauf zunächst geheim blieb und erst 1726 öffentlich bekannt wurde. Wackerbarth trat weiterhin als Bauherr in Erscheinung, während die Anlage zu einem Ort höfischer Repräsentation weiter ausgestaltet wurde.

Bis 1727 erweiterte man den Garten erheblich. Die Untere Orangerie wurde errichtet und die Achsenführung der Anlage weitgehend ausgebildet. Die ursprüngliche Planung sah ein dreiflügeliges Schloss in kastellartiger Form vor, eingebettet in einen Garten von beeindruckender Größe. Diese Vision blieb jedoch unvollendet. 1727 kam der Ausbau des Schlosses zum Stillstand, 1732 endeten auch die Gartenarbeiten.

Großsedlitz war als Ordensschloss für die Festivitäten des polnischen Weißen Adler Ordens vorgesehen. Am 3. August 1727 wurde hier das erste große Fest veranstaltet, ein prunkvoller Höhepunkt des sächsischen Hoflebens. Unter Friedrich August II. von Sachsen (1696–1763), der seit 1734 als König von Polen den Namen August III. führte, setzten sich diese Feiern fort. Zwischen 1740 und 1756 fanden zwölf Ordensfeste statt. Das Preisschießen im Unteren Orangerieparterre gehörte zu den festen Bestandteilen der Feierlichkeiten. Die Zielscheiben waren an der Rückwand des Bassins der Stillen Musik angebracht und damit in die Gartenarchitektur eingebunden.

Der Siebenjährige Krieg brachte ab 1756 ein abruptes Ende der höfischen Blütezeit. Großsedlitz wurde zeitweise zum Hauptquartier der preußischen Armee und schwer beschädigt. Die Gartenanlagen litten stark. Auch die Koalitionskriege von 1792 bis 1815 hinterließen deutliche Spuren.

Erst die Regierungszeit von König Johann von Sachsen (1801–1873) brachte ab 1846 eine Phase der Sicherung und Instandsetzung. Bis 1878 wurden wesentliche Bauwerke erhalten und modernisiert. Die Untere Orangerie erhielt eine Warmluftheizung, die den Pflanzenbestand besser schützen sollte.

1871 beseitigte man die baufälligen Reste des unvollendet gebliebenen Schlosses. In den Jahren 1872 bis 1874 entstand an seiner Stelle ein neues zweigeschossiges Gebäude nach Plänen des Hofbaumeisters Bernhard Krüger. Es griff mit seinen klaren Fassaden und barocken Formen Elemente des einst geplanten Schlosses auf und gab dem Ensemble wieder einen architektonischen Mittelpunkt. Später erhielt dieses Gebäude den Namen Friedrichschlösschen.

Das 20. Jahrhundert war geprägt von verschiedensten Nutzungen. Nach 1918 diente das Friedrichschlösschen zeitweise als Kinderheim. Die Orangerien nahmen weiterhin Kübelpflanzen auf, darunter noch Exemplare aus der Zeit Augusts des Starken. Doch im strengen Winter 1928 und 1929 erfroren die letzten der ehemals zahlreichen Orangen- und Bitterorangenbäume.

Nach 1945 veränderte sich die Anlage erneut. 1960 setzte man das Haupteingangstor des Dresdner Landhauses in Großsedlitz wieder auf, flankiert von den Delphinbrunnen des Bildhauers Johann Christian Feige. Zwischen 1968 und 1970 erhielt das Friedrichschlösschen eine neue Fassadengestaltung.

Mit dem Jahr 1992 ging die Verantwortung für die Anlage auf den Freistaat Sachsen über. Die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten nahmen eine umfassende Restaurierung von Gebäuden und Gartenstrukturen vor. Seit 1997 wird die Orangeriekultur wiederbelebt. Die ersten 150 Orangenbäumchen kamen aus der Toskana. Heute umfasst der Bestand über 400 Kübelpflanzen, darunter 140 Pomeranzen, die in der Unteren Orangerie bei Temperaturen von fünf bis acht Grad Celsius überwintern.

Die Architektur des Ensembles zeigt noch heute deutlich die Handschrift der großen Baumeister des Dresdner Barock. Besonders auffällig ist die Obere Orangerie mit ihren 23 Fensterachsen und den beiden Eckpavillons mit Mansarddächern. Ihr Mittelgiebel trägt das Wappen Wackerbarths. Die Anlage galt von Beginn an der Überwinterung der wertvollen Orangenbäume und erfüllt diese Aufgabe noch heute, ergänzt durch kulturelle Nutzungen. Die Untere Orangerie mit ihren 31 Fensterachsen bildet den südlichen Abschluss der Terrassenanlage und ist eng mit der Gartengestaltung verbunden.

Der Garten ist nach einer strengen Nordwest Südost Achse geordnet. Terrassen, Freitreppen und Kaskaden gliedern das Gelände und leiten den Blick in die umgebende Landschaft. Im Unteren Orangerieparterre standen einst die großen Festgesellschaften. Die Freitreppe der Stillen Musik mit ihren musizierenden Putten öffnet sich zu einem Bassin mit Fontänen. Darüber erheben sich Juno und Jupiter, umgeben von den Figuren der Jahreszeiten.

Die Waldkaskade im Westen bildet einen Höhepunkt der Anlage. Dort zeigen die Sandsteinfiguren die Personifikationen der vier Erdteile und der vier Elemente. Am oberen Bassin stehen acht Paare aus der antiken Mythologie, darunter Orpheus und Eurydike, Amor und Psyche sowie Apollo und Daphne. Ihre ausdrucksstarken Formen werden der Werkstatt Johann Benjamin Thomaes zugeschrieben.

Von den einst zahlreichen Skulpturen sind heute 64 erhalten. Vierundzwanzig davon gelten als Originale und werden im Kopfbau der Oberen Orangerie aufbewahrt. Gottheiten wie Flora, Kybele und Melpomene sind dort vertreten und verdeutlichen das anspruchsvolle ikonografische Programm der Anlage.

Als harmonisch gefügtes Ensemble gehören neben Orangerien und Friedrichschlösschen auch das Alte Gärtnerhaus, das Wasserparterre, die Waldkaskade und das Naturtheater zur Gesamtanlage.

Seit 2011 steht der Barockgarten Großsedlitz als FFH Gebiet unter dem Schutz von Natura 2000. Dennoch blieb die Zukunft nicht frei von Gefährdungen. Planungen für den Industriepark Oberelbe führten 2022 zu einer Aufnahme in die Rote Liste der gefährdeten Baudenkmäler.

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