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Fasanenschlösschen Moritzburg © Historische Häuser

Fasanenschlösschen Moritzburg in Sachsen

Das Fasanenschlösschen liegt in Moritzburg bei Dresden am Ufer des Niederen Großteiches Bärnsdorf. Der Bau gehört zur östlich des Jagdschlosses Moritzburg angelegten Fasanerie und steht in einer bewusst geführten Sichtbeziehung zu dem rund 1,9 Kilometer entfernten Schloss. Eingebettet in eine Landschaft aus Wasserflächen, Wäldern und gestalteten Gärten, entfaltet es seine Wirkung im Zusammenspiel von Architektur und Umgebung. Der in Rokokoformen ausgeführte Bau zeigt zugleich eine Ausprägung in chinoisen Formen, die ihm seinen charakteristischen Ausdruck verleihen. Von Sandsteinfiguren begleitete Wege führen auf das Gebäude zu, während eine Wasserachse die Anlage gliedert und in die umgebende Landschaft überleitet. In unmittelbarer Nähe befinden sich weitere Teiche sowie der im 18. Jahrhundert errichtete Leuchtturm mit Hafen, Mole und künstlichen Inseln. Das Schlösschen diente Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen und seiner Familie als privater Rückzugsort.

Die Geschichte des Ortes ist eng mit der höfischen Jagd- und Gartenkultur des 18. Jahrhunderts verbunden. Im Jahr 1728 ließ Friedrich August I. von Sachsen, genannt August der Starke (1670–1733), im Zuge des Umbaus von Schloss Moritzburg eine Fasanerie östlich des Jagdschlosses Moritzburg anlegen. Die Anlage diente der Zucht von Jagdfasanen für die höfische Tafel und war zugleich Teil einer umfassenden landschaftlichen Gestaltung, die Jagd, Versorgung und Repräsentation miteinander vereinte, wobei auch die Wahl des Standortes sowohl praktischen Anforderungen als auch der Einbindung in die repräsentative Gartenlandschaft folgte. Bereits vor dieser Anlage befanden sich an gleicher Stelle Fasane, und die Zucht blieb über lange Zeit ein prägender Bestandteil der Nutzung. Während des Siebenjährigen Krieges in den Jahren 1756 bis 1763 wurde die Fasanerie verwüstet und verlor ihre ursprüngliche Funktion.

Mit dem Regierungsantritt von Kurfürst Friedrich August III. (1750–1827) setzte ab 1769 eine Phase des Wiederaufbaus ein. Eine entscheidende Rolle übernahm Camillo Graf Marcolini (1739–1814), Oberkammerherr und enger Vertrauter des Kurfürsten, der die Anlage pachtete und ihre Neugestaltung veranlasste. Über dem bestehenden Fasanenhaus ließ er ein Sommerschlösschen errichten. Mit der Planung wurde der Hofarchitekten Johann Daniel Schade (1730-1798) betraut, der gemeinsam mit dem Hofarchitekten Johann Daniel Schade (1730-1798) an der Ausführung beteiligt war. Der Bau entstand in den Jahren 1769 und 1782 und wurde in chinoisen Formen gestaltet, die dem Gebäude seinen charakteristischen Ausdruck verleihen. Parallel zum Schlösschen entstand ein vielschichtiges Ensemble. Das Garnhaus als Vogelvoliere wurde 1770 ergänzt und diente der Haltung der Tiere. Hinzu kamen eine Brunnenanlage, eine Buchstabenhecke sowie das Wohnhaus Marcolinis. Die wirtschaftliche Nutzung wurde durch Getreidescheunen, Stallungen und Wagenschuppen gesichert. In den Jahren 1775 bis 1776 wurde die Anlage um eine maritime Szenerie erweitert. Es entstanden eine Mole mit Leuchtturm, ein Hafenbecken sowie die sogenannten Dardanellen. Im gleichen Jahr wurden eine Fregatte zum Segeln und zwei künstliche Inseln angelegt. Diese Elemente verbanden die Anlage zu einem inszenierten Landschaftsraum, in dem Wasser, Architektur und Nutzung eine enge Einheit bilden.

Das Fasanenschlösschen selbst entwickelte sich aus einem älteren Bau. An gleicher Stelle war bereits in den Jahren 1738 bis 1739 ein eingeschossiger Pavillon errichtet worden, der im Zuge der Neubauten aufgestockt und grundlegend umgestaltet wurde. Der heutige Bau zeigt eine Verbindung aus Rokoko und barocken Elementen. Er ist quadratisch angelegt und umfasst zwei Geschosse. Die Treppenanlagen an der Süd- und Ostseite führen auf das erhöhte Niveau des Hauses, wobei die südliche Treppe mit ihren Putten den Bezug zur Wasserachse und damit zur Gesamtanlage besonders deutlich hervorhebt.

 Im Inneren entfaltet sich eine vollständige Abfolge höfischer Wohnräume auf vergleichsweise geringer Fläche. Das Erdgeschoss umfasst ein Arbeitskabinett, ein Wohnkabinett, ein Schlafzimmer, ein Toilettenzimmer sowie ein Vorzimmer. Ergänzt wird diese Raumfolge durch eine Tee- und Kaffeeküche, während die eigentliche Hofküche in einem benachbarten Gebäude untergebracht war. Im Obergeschoss befindet sich der Speisesaal als größter Raum des Hauses sowie ein Appartement. Im Dachgeschoss lagen die Kammern für das Personal. Die räumliche Organisation ist dicht gefügt und zugleich auf die Anforderungen eines fürstlichen Aufenthalts abgestimmt. Innerhalb dieser kompakten Struktur finden sich zahlreiche Einbauten, die den Aufenthalt erleichterten und den Komfort steigerten. Eine besondere Eigenart des Hauses liegt in seiner Innenausstattung. Die Wandbespannungen aus Federn, Stroh, Perlen und chinoisen Stickereien prägen die Räume in außergewöhnlicher Weise. Diese dekorativen Ausstattungen wurden in den Jahren 2010 bis 2013 im Zuge einer umfassenden Restaurierung vollständig wiederhergestellt. Dadurch ist die ursprüngliche Wirkung der Räume erneut erfahrbar geworden.

Die Anlage diente Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen als privater Rückzugsort und wurde von ihm und seiner Familie genutzt. Nach dem Jahr 1815 wurde die intensive Fasanenzucht eingestellt, während Edelfasane und andere exotische Vögel weiterhin gehalten wurden. Die Anlage blieb bis 1945 im Besitz des Hauses Wettin und bewahrte ihre Verbindung zur höfischen Nutzung über einen langen Zeitraum. Nach 1945 ging das Fasanenschlösschen in staatliches Eigentum über. In der Zeit bis 1996 wurde es als ornithologische Außenstelle des Dresdner Tierkundemuseums genutzt, wodurch die Verbindung zur Vogelhaltung in veränderter Form fortgeführt wurde. Heute gehört der Großteil des Fasanengartens dem Freistaat Sachsen. Die Anlage wird schrittweise in ihren historischen Strukturen wiederhergestellt. Das Fasanenschlösschen ist heute im Rahmen von Führungen zugänglich. In den Räumen werden Möbel, Tapeten und zeitgenössische Ausstattungsstücke aus verschiedenen Epochen gezeigt, die die Nutzung als höfischer Landsitz nachvollziehbar machen.

Die Aufnahmen enstanden im September 2023.

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