Hinter einer kurzen Allee öffnet sich der Blick auf das Gutshaus Einhusen, einem Domänenpächterhaus. Die alte Kopfsteinpflasterung führt auf ein Rondell, bevor sich die langgestreckte Front des eingeschossigen Gebäudes zeigt. Das Haus liegt abgeschieden im dörflichen Gefüge mit altem Baumbestand, offenen Grünflächen sowie Bauernhäusern und Scheunen.
Die erste bekannte Erwähnung Einhusens stammt aus dem Jahr 1334. Zu den frühesten Entwicklungsphasen des Gebietes gehörten Rodungen und die damit verbundene nova plantatio, eine Neuanlage und Erschließung zuvor ungenutzter Flächen. Diese Arbeiten wurden von Adelsfamilien getragen, zu denen die von Moltke, die von Bülow, die von Bibow, die von Stralendorf, die von Preen, die von Plessen und die von der Lühe gehörten. Diese Geschlechter prägten die Landschaft bis in das späte fünfzehnte Jahrhundert. In diesem Zusammenhang werden Siemen, Einhusen und Radegast gemeinsam genannt und erscheinen als zusammenhängender Entwicklungsraum, der im Rahmen dieser Rodungsmaßnahmen geformt wurde.
Einhusen gehört zu den Orten, die nach 1655 erworben wurden. Gemeinsam mit Hanstorf, Hastorf, Konow und Neuhof bildete es einen zusammenhängenden Besitzbereich. Im Jahr 1676 erfolgte ein Tausch von Konow und Hastorf, bevor diese Orte im Jahr 1747 erneut zurückerworben wurden. Im selben Jahr wurde Einhusen vom Herzog gekauft und eingegliedert. Der Verwaltungsraum, zu dem Einhusen gehörte, umfasste zahlreiche Orte, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verlagert, abgetreten oder wieder zugelegt wurden. Dazu zählen Satow und Retschow, die im vierzehnten Jahrhundert unter der Voigtei Schwaan standen, sowie Bliesekow, Elmenhorst, Lichtenhagen und Lambrechtshagen, die als frühe Lehen im Jahr 1505 heimfielen und Mitte des sechzehnten Jahrhunderts gemeinsam mit Reinshagen, Heiligenhagen, Hastorf, Hanstorf und Konow geführt wurden. Einhusen lag in einem Verwaltungsraum, dessen Zuständigkeiten im Laufe der Jahrhunderte mehrfach neu geordnet wurden
Die Pächter des Gutes sind gut überliefert: Von 1778 bis 1787 wurde das Gut von Manecke bewirtschaftet, der gleichzeitig Pächte in Retschow war. Genauso seine beiden Nachfolger Inspektor Schröder bis 1808 und Johannes Heinrich Kippe bis 1816. Bis 1830 stand das Domänengut unter Carl Friedrich Engel. Friedrich Ziemssen, der den Hof von 1830 bis 1871 bewirtschaftete, musste in den Jahren von 1850 bis 1870 ist eine Canonzahlung von achthundert Talern erwirtschaften, die in seine Bewirtschaftungszeit fällt. Der Canon war die offizielle Gegenleistung für die Nutzung des Gutes, also vergleichbar mit einer langfristigen Pacht. Ihm folgte zwischen 1871 und 1877 Conrad Lüttmann mit seiner Ehefrau Auguste Kortüm.
Von 1877 bis 1889 folgte Adolph Groth. Ihm schloss sich Adolf Schaepler an, der die Bewirtschaftung bis 1892 führte. Bis 1905 war Wilhelm Halliger Pächter. Im Jahr 1906 übernahm Wilhelm Magerfleisch für ein Jahr, gefolgt von Iwan Hansing zwischen 1907 und 1909. Ab 1909 wird Paul Fischer genannt, der das 171,9 Hektar große Gut bis mindestens 1923 bewirtschaftete. Zwischen 1927 und 1930 erscheint Heinrich Seidler als Pächter. Die letzten bekannten Pachtjahre liegen zwischen 1937 und 1939 unter Eberhard von Eberstein.
Nach 1945 wurde die Domäne im Rahmen der Bodenreform an Neubauern vergeben. Trotz einer geplanten Auflösung des Ortes um 1970 im Zuge der Zentraldörferbildung blieb die historische Struktur des erhalten.
Das Gutshaus Einhusen ist ein breit angelegter, eingeschossiger Putzbau mit ausgebautem Dachgeschoss, dessen symmetrisch ausgerichtete Hauptfassade durch einen mittleren Risalit geprägt wird. Dieser Mitteltrakt hebt sich mit seiner sorgfältig ausgebildeten Giebelgestaltung deutlich aus der schlichten Flucht der Seitenflügel hervor. Der Schaugiebel zeigt eine klare Dreiecksform mit einem runden Giebelfenster, das als zentrales Element die Fassadenachse betont. Unterhalb davon verläuft ein durchgehendes Gesimsband, das Erd- und Obergeschoss voneinander trennt und die horizontale Gliederung verstärkt. Die Öffnungen sind regelmäßig angeordnet, wobei zwei Fensterachsen das Obergeschoss des Risalits bestimmen.
Der Eingangsbereich liegt in einer zurückgesetzten, rundbogig gefassten Nische, die durch eine massive Veranda erschlossen wird. Oberhalb des Einganges befindet sich eine schlichte Brüstung mit Pfeilern und Feldern, die dem Mitteltrakt eine zurückhaltende, jedoch klare Repräsentationswirkung verleiht.
Die seitlichen Gebäudeteile treten hinter den Mittelbau zurück und erscheinen durch ihre niedrigere Traufhöhe und eine einfachere Fassadenausbildung als eigenständige Flügel innerhalb des Gesamtensembles. Sie tragen steile Satteldächer mit mehrfachen Dachgauben, die in ihrer Ausformung an Schleppgauben erinnern und die horizontale Ausdehnung des Gebäudes betonen. Die Fenster der Seitenflügel folgen rechteckigen Formaten
In der unmittelbaren Umgebung stehen ältere Nebengebäude und Stallungen. Ein größeres Stallgebäude wurde im Jahr 2015 abgebrochen. Die ursprüngliche Allee zur Dorfstraße, die Pflasterung und das Rondell haben sich erhalten und prägen den Charakter der Anlage bis heute. Das Gutshaus wird privat bewohnt.
