Zwischen den Niederungen der Trebel und den alten Dörfern des westlichen Vorpommern steht das Gutshaus Hugoldsdorf, ein Ort, dessen Geschichte über viele Jahrhunderte eng mit der Familie von Behr und später mit der Familie von Gadow verbunden war. Die heutige Gutsanlage bewahrt dabei noch verschiedene historische Häuser dieser langen Besitzgeschichte. Neben dem spätklassizistischen Herrenhaus von 1861 steht das ungewöhnliche barocke Kavalierhaus von 1769, während ältere Wirtschaftsgebäude, der Park und die Wegeführung noch die Struktur des einstigen Gutshofes erkennen lassen. Eine Lindenallee führte vom nördlichen Hoftor in Richtung Neuhof, das heute wüst liegt. Ebenso befinden sich Überreste eines Turmhügels in Hugoldsdorf.
Die Geschichte des Ortes reicht wesentlich weiter zurück als die heute erhaltenen Gebäude. Hugoldsdorf wurde zusammen mit Rönkendorf 1294 erstmals urkundlich erwähnt. In einer Nachricht über kirchliche Verhältnisse wird berichtet, dass Bischof Gottfried 1294 die von Abt Arnold eingerichtete Kirche in Drechow weihte und ihr unter anderem die Dörfer Rönkendorf und Hugoldsdorf zuwies. Das Patronatsrecht lag damals beim Zisterzienserkloster Neuenkamp.
Nach der Zugehörigkeit zum Herzogtum Pommern kam Hugoldsdorf nach dem Dreißigjährigen Krieg zu Schwedisch-Pommern und blieb dort bis 1815. Anschließend gehörte der Ort zur preußischen Provinz Pommern.
Hugoldsdorf im Besitz der Familie von Behr
Der Ortsname wird mit dem Ritter Hugoldus verbunden, der in der älteren Überlieferung zugleich als Stammvater der Familie von Behr erscheint. Die Verbindung zwischen dem Ort und der Familie reicht bis in das frühe 14. Jahrhundert zurück. Johann II. von Behr (1309-1329) lebte als Ritter auf Hugoldsdorf und stand als Rat und Vogt in Diensten des Fürsten Wizlaw I. von Rügen. Sein Sitz wurde damit zum Ausgangspunkt der später als Hugoldsdorfer Linie bezeichneten Nachkommenschaft. Johann II. hatte fünf Söhne. Für Hugoldsdorf wurde vor allem Hugold II. von Behr mit seiner Ehefrau Wendel von der Lühe bedeutend, die dort von 1339 und 1399 saßen. Sein Sohn, der Knappe Vicke XII. von Behr blieb ebenfalls mit Hugoldsdorf verbunden und führte den Besitz von 1368 bis 1415. Auf ihn folgten von 1412 bis 1425 Vicke XIV. von Behr und war der Knappe Hugold VI. von Behr, der zwischen 1423 und 1440 als Herr von Hugoldsdorf erscheint und mit Ilse von Schwerin verheiratet war. Über den Sohn Vieth I. von Behr gelangte Hugoldsdorf an Viet II. von Behr und seine Ehefrau Eva von Breide. Aus dieser Ehe stammte Hans von Behr (1443-1509), der Catharina von Schwerin ehelichte.
Hans von Behr verstarb 1509 in Hugoldsdorf und überließ das Gut wiederum seinem Sohn Viet von Behr (1480-1539), der mit Margarethe von Blanckenburg (um 1510-1568) verheiratet war. Nach seinem frühen Tod übernahm Margarethe die Vormundschaft für die minderjährigen Söhne Hugold von Behr und Hans von Behr. Damit begann eine Generation, in der Hugoldsdorf zunehmend zum Mittelpunkt eines umfangreichen Familienbesitzes wurde. Die Besitzverhältnisse waren zunächst noch nicht eindeutig auf einen einzelnen Zweig der Familie konzentriert. 1533 schloss Margarethe von Blanckenburg als Vormund ihrer Söhne mit ihrem Verwandten Johann von Behr auf Werder eine Vereinbarung über die Aufteilung des gemeinsamen Besitzes. Auch die Bebauung des Gutes spielte dabei bereits eine Rolle. Die Vereinbarung sah deshalb eine finanzielle Ausgleichszahlung vor, falls das Haus dem anderen Familienzweig zufallen sollte. Die Brüder Hugold (1527-1576) und Hans von Behr (1529-1598) bewirtschafteten Hugoldsdorf zunächst gemeinsam. Eine weitere wichtige Besitzregelung erfolgte am 11. April 1549 in Tribsees. Dort wurde die Teilung der Hugoldsdorfer Güter zwischen den Brüdern und ihrem Vetter Jacob von Behr auf Werder festgelegt. Besonders aufschlussreich ist die Beschreibung des Hauses in Hugoldsdorf. Die „Buwete vnd wanunge tho Hugelstorp“, also Bebauung und Wohnhaus, wurde als nicht besonders gut bezeichnet. Sollte das Gebäude Jacob zufallen, sollten Hugold und Hans ihm dafür 1.080 Gulden zahlen, in drei Raten und verzinst. 1555 tauschten sie zwei ihnen in der Teilung mit Jacob von Behr zugefallene Bauernhöfe mit Zubehör in Tribohm gegen zwei Höfe in Plennin an Hans von Rethem auf Bauersdorf. Der herzogliche Konsens dazu erfolgte 1559. Auch in Landsdorf besaßen die Behr einen Hofanteil. Dort kam es zu einem Rechtsstreit mit Joachim Vogelsang über den vierten Teil eines Hofes. Die Hugoldsdorfer und Werderschen von Behr klagten zunächst beim Hofgericht in Wolgast. Nachdem dieses ihren Beweis nicht anerkannt hatte, appellierten sie 1563 an das Reichskammergericht, das sie in ihrem Besitz bestätigte.
Entscheidend war schließlich die Teilung der Brüder um 1563. Während Hugold von Behr Kavelsdorf erhielt, fiel Hugoldsdorf an Hans von Behr den Älteren. Damit wurde das Gut zum Mittelpunkt seines eigenen Besitzes. Die Teilung markiert einen wichtigen Einschnitt, denn eine Urkunde vom 29. August 1564 ausdrücklich die bereits vollzogene Erbteilung bestätigt.
Hans von Behr der Ältere (1529-1598) war nicht nur Rittergutsbesitzer, sondern auch Landrat der Wolgastischen Regierung sowie Erb-, Lehn- und Gerichtsherr der Hugoldsdorfer Güter. Seine Stellung reichte damit weit über die unmittelbare Verwaltung seines Besitzes hinaus. Er war in politische und rechtliche Angelegenheiten des pommerschen Landes eingebunden und gehörte zu den einflussreichen Vertretern des Landadels seiner Zeit. Hans von Behr war dreimal verheiratet (Adelheid von Welzin, Hippolyta von Blankenburg und Anna von Levetzkow). Für die weitere Geschichte des Gutes ist vor allem seine dritte Ehe mit Anna von Levetzkow (um 1546-um 1637) von Bedeutung. Aus dieser Verbindung gingen die drei Brüder Daniel von Behr (1566-1613), Hugold von Behr (1573-1620) und Samuel von Behr (1575-1621) hervor. Sie sollten nach dem Tod ihres Vaters die Geschichte des Gutes und des Familienbesitzes in ganz unterschiedlicher Weise prägen. Unter der Verwaltung von Hans von Behr wurde der Besitz nicht nur erhalten, sondern durch weitere wirtschaftliche Beziehungen abgesichert. 1586 wurde zwischen den Hugoldsdorfer, Werderschen und Kakenower von Behr ein Vergleich geschlossen. Dabei ging es unter anderem um die Heuabfuhr nach Hugoldsdorf, Mühlenbenutzung, gemeinsame Holznutzung, einen Kathen in Tribohm sowie Schafhütung auf der Drechower, Pantemoler, Hugoldsdorfer und Neuhöfer Feldmark. Gleichzeitig beschlossen die Familienzweige die Einrichtung einer gemeinsamen Kasse und eines Familienarchivs. Beide Einrichtungen wurden Hans von Behr anvertraut.
Hans von Behr starb 17. Oktober 1598 in Hugoldsdorf. Seine Söhne hielten den Besitz zunächst gemeinsam. Der älteste, Daniel von Behr, übernahm die Verwaltung des Guts. Er hatte zunächst als Hofrat bei den pommerschen Herzögen Johann Friedrich und Barnim IX. gedient und wechselte anschließend zu Bogislaw XIII. 1606 wurde er zum Landrat ernannt. Danach zog er sich weitgehend auf Hugoldsdorf zurück und widmete sich der Verwaltung des Familienbesitzes. Er lebte dort gemeinsam mit seiner Mutter und seinen unverheirateten Schwestern. Die Brüder Hugold und Samuel hielten sich aufgrund ihrer Tätigkeiten häufig auswärts auf, blieben aber Teil der gemeinsamen Besitzgemeinschaft. Die Brüder waren zugleich bemüht, den Familienbesitz zu sichern und weiter auszubauen. Am 7. September 1605 erwirkte Daniel bei Herzog Philipp Julius von Pommern ein Vorkaufsrecht auf verschiedene Güter der Familie von Dechow. Am 17. Januar 1607 verpfändete Herzog Philipp Julius den drei Brüdern für ein von ihnen zu Trinitatis 1605 gewährtes Darlehen von 1.000 Gulden je einen Hof in Stormsdorf und Landsdorf.
Besonders deutlich wird die wirtschaftliche Bedeutung der Familie in den Erwerbungen zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Im Januar 1610 überließen der pommersche Herzog Philipp Julius den Brüdern Daniel, Hugold und Samuel gegen eine Zahlung von 1.600 Gulden zwei Höfe und einen Katen in Plennin. Für ein weiteres Darlehen von 400 Gulden wurde ihnen der Teich zu Eixen verpfändet. 1615 erhielt Hugold zusammen mit Samuel von Herzog Philipp Julius drei Höfe in Stormsdorf, Dolgen und Landsdorf erblich und eigentümlich. Außerdem hatte Hugold Geld zur Einlösung eines Hofes im Freien Lande vorgestreckt und erhielt dafür vier Bauernhöfe und einen Kathen in Camiz als Pfand.
Die drei Brüder gingen gleichzeitig sehr unterschiedliche Wege. Daniel war in den politischen Angelegenheiten Pommerns und am Hof Herzog Adolf Friedrichs von Mecklenburg tätig. Hugold trat ebenfalls in den Dienst verschiedener Fürsten und wurde Fürstlich Pommerscher Hofrat und Kammerrat, später Geheimer Rat in pommerschen und pfalz-neuburgischen Diensten sowie Hauptmann auf Ivenack und Dompropst des Kapitels Kolberg. Samuel gelangte in den Dienst des mecklenburgischen Herzogs Adolf Friedrich I. und stieg dort zum Geheimen Rat, Kanzler und Hofmarschall auf. Die Besitzgeschichte von Hugoldsdorf war damit eng mit einer Generation verbunden, deren Mitglieder nicht nur Gutsbesitzer, sondern auch politisch und gesellschaftlich bedeutende Persönlichkeiten waren. Mit dem Tod Daniels 1613 und Hugolds 1620 blieb Samuel als letzter der drei Brüder zurück. Auch er starb bereits 1621. Das Grabmahl von Samuel von Behr befindet sich im Doberaner Münster. Sein Tod führte zu einer umfangreichen Auseinandersetzung um das Erbe. Die Mutter der drei Brüder, Anna von Levetzow und die ledigen Schwestern standen Hermann von Behr gegenüber, einem weiteren Vertreter der Familie, der bereits selbst auf Hugoldsdorf ansässig war. Hermann von Behr, der aus dem älteren Zweig der Familie stammte, war ein Sohn des 1576 verstorbenen Hugold von Behr und damit ein Neffe Hans von Behrs des Älteren. 1605 verkaufte er verschiedene Besitzungen für 10.000 Gulden, um einen Anteil an Hugoldsdorf zu erwerben.
Am 8. August 1621 wurde in Wolgast ein Vergleich geschlossen, der die Besitzverhältnisse des Gutes neu ordnete. Hermann von Behr übernahm die von Samuel hinterlassenen Lehngüter sowie die von ihm und seinen Brüdern erworbenen Besitzungen. Gleichzeitig wurden umfangreiche finanzielle Verpflichtungen geregelt. Die Erbschaft war mit Schulden und Pfandrechten belastet, sodass die Neuordnung des Besitzes zugleich eine Neuordnung der finanziellen Verhältnisse bedeutete. Hermann von Behr verpflichtete sich, insgesamt 31.800 Gulden zu übernehmen, davon 30.000 Gulden Hauptsumme und 1.800 Gulden einjährigen Zins. Zu den übernommenen Besitzungen gehörten unter anderem Höfe in Dolgen, Stormsdorf und Landsdorf sowie weitere Flächen und Rechte. Der Lehnbrief wurde am 17. November 1621 ausgestellt. Herzog Bogislaw XIV. bestätigte die Belehnung am 4. Juni 1625. Die Geschichte des Gutes war längst nicht mehr auf die unmittelbar zum Dorf gehörenden Flächen beschränkt, sondern mit zahlreichen Höfen und Dörfern der Umgebung verbunden. Hermann von Behr erhielt 1624 von Herzog Philipp Julius außerdem die Erlaubnis, die Höfe in Dolgen, Stormsdorf, Landsdorf und Plennin wie seine anderen Lehngüter zu vertauschen und zu veräußern. 1627 verkaufte er den gesamten ehemaligen Behrschen Besitz in Roloffshagen an Erasmus Küssow. 1673 bestätigte die schwedische Regierung die Belehnung für Hermanns Söhne Heinrich Ulrich von Behr und Joachim Hugold von Behr.
Der Übergang an die Familie von Gadow
Nach mehreren Generationen im Besitz der Familie von Behr kam es 1701 zu einem grundlegenden Wechsel. Die Erbin Margarethe Anna von Behr (1685-1752) heiratete am 3. Mai 1701 Hans-Jürgen von Gadow (1674-1751). Mit dieser Ehe gelangte Hugoldsdorf an die Familie von Gadow. Zugleich fiel ein größerer Besitzkomplex an die neue Familie, zu dem neben Hugoldsdorf mit Neuhof auch Rönkendorf, Drechow, Derschendorf und Eixen gehörten.
Die Familie von Gadow stammte aus dem märkischen Uradel. Ihre Besitzgeschichte lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Mit dem Erwerb der Güter in Vorpommern im Jahr 1701 verlagerte sich ein wesentlicher Teil ihres Besitzschwerpunktes in die Region um Franzburg. Später kamen weitere Güter hinzu. 1778 wurde die Familie unter Anerkennung ihrer uradeligen Herkunft in die Mecklenburgische Ritterschaft aufgenommen. 1805 erwarb Friedrich von Gadow Groß Potrems mit dem Vorwerk Wendorf in Mecklenburg. Hugoldsdorf blieb innerhalb dieses weit verzweigten Besitzes ein wichtiger Mittelpunkt. Als Zubehör gehörte Neuhof zum Gut. Auch Rönkendorf war Teil des größeren Gutsverbandes der Familie.
Aus der Ehe von Margarethe Anna von Behr und Hans-Jürgen von Gadow gingen zahlreiche Kinder hervor. Für die Besitzfolge entscheidend war Karl Ludwig von Gadow, über den Hugoldsdorf an die nächste Generation gelangte. Ihm folgte Adolf Karl Ludwig Hans von Gadow (1808-1893). Er war mit Louise Auguste Antoinette Gräfin Krag-Juel-Vind-Frijs (1820-1883) verheiratet und gehörte zu den bedeutenden Vertretern der Familie im 19. Jahrhundert. Er war Rittergutsbesitzer, großherzoglich mecklenburg-schwerinscher Kammerherr, Kurator des Adeligen Stifts Barth und Amtsauditor in Doberan. Die Verbindung zwischen den pommerschen und mecklenburgischen Besitzungen der Familie blieb damit auch im 19. Jahrhundert bestehen.
Die bauliche Entwicklung der Gutsanlage
Mit der Familie von Gadow begann auch eine neue Bauphase in Hugoldsdorf. 1769 entstand das barocke Kavalierhaus, das als Nebengebäude des damaligen Haupthauses den Wirtschaftshof flankierte. Der langgestreckte Backsteinbau diente der Versorgung und Verwaltung des Gutes. Im Gebäude befanden sich eine Großküche für die Bediensteten und eine Wohnung für den Gutsverwalter. Seine ungewöhnliche Gestaltung hebt es bis heute aus der Gutsanlage hervor. Der etwa eineinhalbgeschossige Bau besitzt ein Krüppelwalmdach und unverputzte Backsteinfassaden. Gebäudekanten und die Lisenen an der Mittelachse sind rustiziert. Besonders ungewöhnlich ist der innere Aufbau. Das Gebäude besitzt einen Halbkeller, ein Erdgeschoss, eine niedrige erste Etage sowie darüber Dachgeschoss und Dachboden. Für die Backsteinfassaden wurden sogenannte Klosterformatziegel verwendet. Im Halbkeller befindet sich ein Kreuzrippengewölbe, der wohl als Lager für hochwertige Waren genutzt wurde. Seine Gestaltung wirkt beinahe sakral und erinnert an ältere Bauformen, ohne dass sich aus den vorliegenden Angaben eine ursprüngliche kirchliche Nutzung ableiten lässt. Auch zahlreiche Wandnischen gehören zu den Besonderheiten des Gebäudes.
1796 ließ die Familie von Gadow ein neues Gutshaus errichten. Wie genau das Gutshaus von 1796 ausgesehen hat und ob Teile davon später in den Neubau einbezogen wurden, geht aus den bisher vorliegenden Unterlagen nicht hervor. 1861 entstand das heute erhaltene Herrenhaus, das damit den jüngsten der drei genannten Bauabschnitte bildet. Der spätklassizistisches Putzbau über 13 Achsen steht auf einem hohen Sockel. Darüber folgen Erdgeschoss und Obergeschoss sowie ein Mezzaningeschoss beziehungsweise Drempelgeschoss. Ein Konsoltraugesims vermittelt zum flachen Walmdach. Die beiden Hauptfronten werden durch dreiachsige, übergiebelte Mittelrisalite hervorgehoben. Besonders wirkungsvoll ist die Hoffront gegliedert. Der Mittelrisalit tritt deutlich aus der Fassade hervor, während die drei äußeren Achsen der Längsseiten nur flach vorgelegt sind. Portal und Erdgeschossfenster besitzen Pilasterrahmungen und flache Verdachungen. Auch die übrigen Fenster sind profiliert eingefasst, im Erdgeschoss zusätzlich mit Verdachungen auf Konsolen. Auf der Parkseite wird der Mittelrisalit durch eine Veranda und eine Freitreppe ergänzt.
Im Inneren haben sich wesentliche Teile der historischen Gestaltung erhalten. Treppenhaus und Foyer bewahren ihre ursprüngliche Raumstruktur, teilweise sind Stuckdecken vorhanden. Im Obergeschoss haben sich durchgehend originale Türen erhalten. Auch ein mehr als 70 Quadratmeter großer Saal mit kassettenförmiger Stuckdecke ist erhalten geblieben und wird heute für den Erhalt der Gutsanlage genutzt.
Der Wirtschaftshof wurde von den älteren Backsteinbauten geprägt. Neben dem Kavalierhaus von 1769 entstand 1840 ein weiterer Backsteinbau, der heute nicht mehr vorhanden ist. Vom nördlichen Hoftor führte ein Torpfeiler auf eine unbefestigte Lindenallee, die nach Neuhof führte, aber mittlerweile wüst liegt. Damit blieb die historische Verbindung zwischen Gutshof und dem zugehörigen Besitz auch im Landschaftsraum erhalten.
Hugoldsdorf im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert war Hugoldsdorf Teil eines großen landwirtschaftlichen Besitzes. Die Familie von Gadow verfügte neben Hugoldsdorf über weitere Güter in Pommern und Mecklenburg. Ein weiterer bedeutender Vertreter der Familie war Joachim Ludwig August von Gadow (1802-1860), der in Hugoldsdorf geboren wurde. Er war Rittergutsbesitzer, Kammerherr und Ehrenritter des Johanniterordens und zugleich politisch tätig. Von 1845 bis 1856 gehörte er als Vertreter der Ritterschaft des Kreises Franzburg dem Provinziallandtag der Provinz Pommern an. Von 1852 bis 1854 saß er im Preußischen Abgeordnetenhaus, 1854 wurde er Mitglied des Preußischen Herrenhauses.
Die Gutsanlage war zugleich ein Lebens- und Arbeitsort für zahlreiche Menschen. Neben der Besitzerfamilie lebten hier Verwalter, Bedienstete und landwirtschaftliche Arbeiter. Um 1933 wurde das Gut teilweise aufgesiedelt. Ein besonders anschauliches Zeugnis dieser sozialen Kontinuität bietet die Nachricht über den Altenteiler Friedrich Nehls, der 1914 starb. Er hatte abgesehen von seiner Militärzeit und dem Kriegseinsatz 1870/71 sein gesamtes Leben in Hugoldsdorf verbracht und drei Generationen der Familie von Gadow gedient.
Nach dem Landwirtschaftlichen Güteradressbuch von 1939 umfasste Hugoldsdorf mit Neuhof 612 Hektar. Rönkendorf wurde mit 396 Hektar und Drechow mit 431 Hektar angegeben. Damit gehörten die Güter weiterhin zu einem größeren Besitzverband der Familie von Gadow.
Als letzter Besitzer von Hugoldsdorf und Neuhof wird Oberstleutnant Adolf von Gadow (1888-1945) genannt. Er war mit Irmgard von Saldern (1889-1978) verheiratet. Mit ihm endete die jahrhundertelange adelige Besitzgeschichte des Gutes. Im Herbst 1945 wurde die Familie von Gadow im Zuge der Bodenreform enteignet und aus ihrem Besitz vertrieben.
Das Gut nach 1945
Mit der Bodenreform verlor Hugoldsdorf seine bisherige Funktion als privates Rittergut. Zunächst kamen hier Flüchtlinge unter. Die Gebäude blieben Mittelpunkt des Ortes. Im Herrenhaus wurden dafür die erste Etage und der nördliche Teil des Dachgeschosses in kleinere Wohnungen aufgeteilt. Im nördlichen Erdgeschoss wurde das Amt von Hugoldsdorf eingerichtet. In der DDR-Zeit veränderte sich die Nutzung des Herrenhauses mehrfach. Das Gebäude wurde als Wohnhaus, Konsum, Kneipe, Arztpraxis und Eiersammelstelle genutzt. Gleichzeitig erhielt die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Räume im Gebäude. Der alte Gutsgarten wurde zum Teil in Parzellen aufgeteilt. Der Gutshof selbst wurde als Wirtschaftshof der LPG genutzt. Die neue Nutzung veränderte den Charakter des Hauses. Wohnungen wurden eingerichtet, später befanden sich im Gebäude unter anderem das LPG-Büro und weitere öffentliche beziehungsweise gewerbliche Nutzungen. Die historische Raumstruktur wurde teilweise durch nachträgliche Einbauten verändert. Gleichzeitig blieben wesentliche Teile des äußeren Erscheinungsbildes erhalten. Auch die beiden älteren Backsteinbauten des Hofes blieben zunächst bestehen. Bis 1990 blieb der Gutshof Wirtschaftshof der LPG. Danach begann eine schwierige Phase. Die frühere landwirtschaftliche Funktion war entfallen, und für die große Anlage musste eine neue Nutzung gefunden werden. 1998 befinden sich im Herrenhaus noch Wohnungen, das LPG-Büro und das Kulturhaus. Zu diesem Zeitpunkt diente der Gebäudekomplex außerdem als Zentrale einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Eigentümer ist die Wohnungsbaugesellschaft mbH Richtenberg.
Erst 2006 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Herrenhauses. Das Gebäude wurde verkauft und anschließend schrittweise saniert. An die Stelle der früheren öffentlichen und landwirtschaftlichen Nutzung trat ein gemeinschaftliches Wohn- und Lebensprojekt. Das Haus wird seitdem von einer Gruppe von Menschen bewohnt, die es nicht nur baulich erhalten, sondern zugleich als gemeinschaftlichen Lebensort entwickeln.
Heute stehen in Hugoldsdorf mehrere Bauphasen unmittelbar nebeneinander. Das Kavalierhaus von 1769 erinnert an die ältere Gutsanlage und das Herrenhaus von 1861 an die repräsentative Erneuerung des Gutes im 19. Jahrhundert. Die Wirtschaftsgebäude, die Lindenallee und die Reste des Parks ergänzen dieses Ensemble. Einmal pro Woche kann man auf dem Gutshof frisches Gemüse aus dem Gutsgarten erwerben.

