Zwischen den Orten Bützow, Schwaan und Satow liegen die Gutshäuser von Klein Belitz in einer leicht gewellten Kulturlandschaft des heutigen Landkreises Rostock. Zusammen mit der historischen Dorfanlage, der mittelalterlichen Kirche im benachbarten Neukirchen und den erhaltenen Wirtschaftsgebäuden vermittelt das ehemalige Rittergut bis heute den Eindruck eines über Jahrhunderte gewachsenen Gutsdorfes. Sein außergewöhnliches Erscheinungsbild verdankt Klein Belitz zwei Herrenhäusern unterschiedlicher Bauzeit, die durch einen Verbindungstrakt miteinander verbunden sind und gemeinsam den Mittelpunkt der ehemaligen Gutsanlage bilden.
Klein Belitz gehört zu den ältesten Siedlungen der Umgebung, der Name geht auf slawische Ursprünge zurück. Bereits im Jahr 1232 erscheint der heutige Ortsteil Neukirchen in einer Urkunde des Klosters Rühn. Die dort errichtete Feldsteinkirche entstand im Verlauf des 13. Jahrhunderts und entwickelte sich zum kirchlichen Mittelpunkt der umliegenden Dörfer. Klein Belitz wurde 1270 erstmals urkundlich als Belitz erwähnt. In den folgenden Jahrhunderten erscheinen unterschiedliche Schreibweisen wie Beelz, Beliz, Beltz oder Belisz. Ursprünglich wurden Groß und Klein Belitz gemeinsam unter diesem Namen geführt. Erst später entwickelten sich daraus zwei eigenständige Orte.
Schon früh gehörte Belitz zu den ritterschaftlich geprägten Siedlungen des Landes. Die Besitzverhältnisse lassen sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Um 1361 saßen die Herren von Moltke nicht nur auf Toitenwinkel, Divitz, Sabel, Wulfshagen, Strietfeld und Westenbrügge, sondern auch auf Neukirchen sowie auf Groß und Klein Belitz. Ihr Besitz erstreckte sich damit über einen beträchtlichen Teil der Landschaft nördlich von Bützow. Mit dem Grundbesitz waren jedoch nicht sämtliche Rechte verbunden. Das Patronat über die Kirche in Neukirchen verblieb zunächst bei der Familie von Zernin. Tetze von Zernin übertrug dieses Recht am 12. März 1367 dem Bützower Domkapitel. Bereits ein Jahr später, am 29. April 1368, verlieh Herzog Albrecht von Mecklenburg den Herren von Moltke die Bede und das höchste Gericht. Damit waren die weltlichen Herrschaftsrechte und das kirchliche Patronat voneinander getrennt.
Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts wechselten einzelne Güter der Umgebung zwischen verschiedenen mecklenburgischen Adelsfamilien. Neben den Herren von Moltke werden die Familien von Vieregge und von Maltzahn genannt. Während die von Vieregge auf mehreren benachbarten Gütern saßen, besaß eine Linie der Familie von Maltzahn bis etwa 1600 Groß und Klein Trechow sowie das später verschwundene Treptow.
Nach der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden zahlreiche dieser Besitzungen unter der Familie von Plüskow vereinigt. Dadurch entstand ein zusammenhängender Güterkomplex nördlich von Bützow. Zu diesem gehörten Klein Belitz, Boldensdorf, Neukirchen und weitere Ortschaften. Die Besitzungen erstreckten sich über einen großen Teil jener ritterschaftlichen Landschaft, die ehemals dem Hochstift Schwerin zugeordnet gewesen war. Eine entscheidende Rolle spielte dabei Hans Albrecht von Plüskow († 1699). Mit seinem Tod hinterließ er seinen Erben einen umfangreichen Grundbesitz, der nahezu die gesamte ritterschaftliche Landschaft nördlich von Bützow umfasste. Klein Belitz gehörte ebenso dazu wie Boldensdorf, Neukirchen und mehrere weitere Dörfer. Bereits 1693 hatte Hans Albrecht von Plüskow den Besitz Trechow allodifizieren lassen. Klein Belitz blieb dagegen Lehngut. Erst 1711 empfing sein gleichnamiger ältester Sohn Hans Albrecht von Plüskow das Gut als Lehen. Hermann Otto von Plüskow erhielt Trechow. Während Hermann Otto zunächst in braunschweigisch lüneburgischen Militärdiensten stand und erst 1714 nach Mecklenburg zurückkehrte, übernahm Hans Albrecht den übrigen Besitz der Familie im Raum Bützow. Die enge Verbindung der Familie von Plüskow mit Neukirchen blieb über Generationen sichtbar. In der Kirche befindet sich der Grabstein für Hans Albrecht von Plüskow auf Langen Trechow und Klein Belitz, der am 13. August 1688 für ihn und seine Erben gesetzt wurde. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren zahlreiche weitere Grabsteine der Familien von Oertzen, Osten und Vieregge durch jahrhundertelange Nutzung nahezu vollständig abgetreten, während der Grabstein Hans Albrechts erhalten blieb. Auch die barocke Ausstattung der Kirche geht unmittelbar auf die Gutsherren zurück. Während der Landrat Hans Albrecht von Plüskow 1728 den Altaraufsatz stiftete, war es Ilsch Margarete von Bernstorff die dazugehörige Kanzel stiftete. Der Altar trägt das Allianzwappen der Familien von Plüskow und von Bernstorff, während an der Kanzel ausschließlich das Wappen der Familie von Bernstorff angebracht wurde.
Mit der Familie von Plüskow endet zugleich das früheste überlieferte Kapitel der Gutsgeschichte. Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging Klein Belitz an die Freiherren von Langen über. Unter ihrer fast zweihundertjährigen Besitzzeit erhielt das Gut seine bis heute erhaltene bauliche Gestalt und entwickelte sich zu einem geschlossenen landwirtschaftlichen Betrieb mit Herrenhaus, Wirtschaftshof und umfangreichen Ländereien.
Mit dem Übergang des Gutes an die Freiherren von Langen begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte von Klein Belitz. Die Familie prägte den Ort über viele Generationen hinweg und blieb bis in das frühe 20. Jahrhundert Eigentümer des Gutes. Die überlieferten Angaben nennen für den Beginn dieser Besitzzeit unterschiedliche Jahreszahlen. Ein Teil der Überlieferung setzt sie mit dem Jahr 1715 an, andere Angaben nennen das Jahr 1755. Unabhängig davon befand sich Klein Belitz spätestens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dauerhaft im Besitz der Freiherren von Langen und blieb es über nahezu zwei Jahrhunderte. Während dieser langen Besitzzeit entwickelte sich Klein Belitz zu einem geschlossenen mecklenburgischen Gutsbetrieb. Das Gut war als Lehngut organisiert und wurde später zugleich als Fideikommiss geführt. Diese rechtliche Stellung sorgte dafür, dass der Besitz innerhalb der Familie erhalten blieb und über Generationen hinweg in nahezu unverändertem Umfang bewirtschaftet werden konnte.
Die wirtschaftliche Grundlage bildeten die ausgedehnten Ackerflächen des Gutes. Die Güteradressbücher des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts weisen eine Größe von rund 2.315 Morgen beziehungsweise etwa 515 Hektar aus. Für Mecklenburg gehörte Klein Belitz damit nicht zu den größten Rittergütern, nahm innerhalb der näheren Umgebung jedoch eine bedeutende Stellung ein. Die Flächenangaben bleiben über mehrere Jahrzehnte nahezu unverändert und lassen auf einen über lange Zeit stabilen Gutsbetrieb schließen. Zum Gut gehörte eine Reihe von Wirtschaftsgebäuden und Einrichtungen. Außerdem eine Schmiede mit angeschlossenem Krug sowie eine Dampfmolkerei. Beide Einrichtungen gehörten zu den festen Bestandteilen des Wirtschaftshofes. Die Schmiede war für den landwirtschaftlichen Betrieb unentbehrlich, während die Dampfmolkerei den technischen Wandel widerspiegelt, den zahlreiche Güter im ausgehenden 19. Jahrhundert vollzogen. Später bestand außerdem eine Handels Ein und Verkaufsgenossenschaft, die ebenfalls ihren Sitz in Klein Belitz hatte.
Im Verlauf des frühen 19. Jahrhunderts entstand um 1825 das heute noch erhaltene ältere Gutshaus. Es ersetzte einen älteren Herrensitz und bildet bis heute den historischen Mittelpunkt der Gutsanlage. Der zweigeschossige klassizistische Putzbau erhebt sich über einem hohen Kellergeschoss und wird von einem Walmdach abgeschlossen. Seine ausgewogen proportionierte Hauptfassade umfasst neun Fensterachsen und wird durch einen dreiachsigen Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel gegliedert. Über eine mittig angelegte Freitreppe mit seitlichen Stützmauern und einer kleinen Terrasse gelangt man zum Haupteingang. Kleinere Dachgauben lockern die Dachflächen auf, während die Gebäudeecken sowie Teile der Seitenfassaden leicht vorspringen und der Architektur zusätzliche Plastizität verleihen. Seine ruhige Fassadengliederung, die regelmäßige Achseneinteilung und die ausgewogenen Proportionen prägen bis heute das Erscheinungsbild des älteren Hauses.
Das Erscheinungsbild der Gutsanlage veränderte sich grundlegend, als die Freiherren von Langen 1903 unmittelbar neben dem älteren Herrenhaus einen zweiten repräsentativen Bau errichten ließen. Anders als auf vielen mecklenburgischen Gütern wurde das bestehende Gutshaus dabei weder umgebaut noch ersetzt. Beide Gebäude blieben erhalten und wurden durch einen Verbindungstrakt zu einer gemeinsamen Anlage verbunden. Dadurch vereint Klein Belitz bis heute zwei deutlich voneinander unterscheidbare Architekturepochen.
Das neue Herrenhaus entstand als zweigeschossiger Bau mit Walmdach. Der Baukörper wurde in rotem Backstein ausgeführt und zeigt eine wesentlich reichere Fassadengestaltung als das ältere klassizistische Herrenhaus. Umlaufende Blenden und zwei horizontale Putzgesimse gliedern die Fassaden, während Mittelrisalit und Seitenrisalite die Architektur zusätzlich beleben. Die Vorderfront wird von einem geschweiften Volutengiebel beherrscht, der eine große Uhr und aufgesetzten Vasenschmuck trägt. Auch die Seitenfassaden greifen diese Formensprache mit geschweiften Giebeln auf. Die weißen Gliederungselemente bilden einen wirkungsvollen Kontrast zum roten Ziegelmauerwerk und betonen die Fassadenstruktur. Auf der Gartenseite schließt sich ein kleiner Anbau an. Vor dem Gebäude liegt ein größerer Teich, der zugleich der Aufnahme des Regenwassers dient und die Ansicht des Herrenhauses prägt.
Der Verbindungstrakt verbindet beide Herrenhäuser zu einer baulichen Einheit. Das ältere klassizistische Herrenhaus blieb vollständig erhalten, während der Neubau vor allem der Gutsverwaltung diente und den bisherigen Wohnsitz der Gutsherren ergänzte. Bis heute gehört Klein Belitz damit zu den wenigen mecklenburgischen Gutsanlagen, in denen zwei Herrenhäuser unterschiedlicher Entstehungszeit als gemeinsames Ensemble erhalten geblieben sind.
Die Verwaltung lag weiterhin in den Händen eines Administrators. Für die spätere Zeit ist Friedrich Grimm als Verwalter des Gutes belegt, während das Gut weiterhin im Eigentümer von Carl Friedrich Freiherr von Langen. Mit Carl Friedrich Freiherr von Langen (1887 bis 1934) verbindet sich das letzte Kapitel der Geschichte des Rittergutes. Er war der letzte Besitzer von Klein Belitz und wurde weit über Mecklenburg hinaus als Dressurreiter bekannt. Bei den Olympischen Spielen des Jahres 1928 in Amsterdam gewann er zwei Goldmedaillen. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit führten jedoch schließlich zum Ende des traditionellen Gutsbetriebes. 1931 wurde Klein Belitz aufgesiedelt. Damit endete die über Generationen bestehende Einheit des Rittergutes. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden aufgeteilt und der geschlossene Gutsbetrieb aufgelöst.
Das frühere Gutsverwalterhaus gelangte nach der Aufsiedlung in Privatbesitz. Das Herrenhaus selbst erhielt eine neue Nutzung und diente zunächst als Heilanstalt. Damit begann für das Gebäude eine völlig andere Geschichte als jene, für die es ursprünglich errichtet worden war.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges veränderten sich die Eigentumsverhältnisse erneut grundlegend. Im Rahmen der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone wurden die Freiherren von Langen 1945 enteignet. Die jahrhundertelange Verbindung der Familie mit Klein Belitz endete damit endgültig. Nach dem Krieg wurde das Gutshaus zunächst zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Die großzügigen Räume des ehemaligen Herrenhauses boten Wohnraum für zahlreiche Menschen, die infolge des Krieges ihre Heimat verloren hatten.
Zu Beginn der 1960er Jahre erhielt das Gebäude eine neue Aufgabe. Ab 1960 beziehungsweise 1961 wurde das Gutshaus als Schule genutzt. Für diese Nutzung entstand südlich des älteren Herrenhauses ein funktionaler Erweiterungsbau, der sich deutlich von den historischen Gebäuden unterscheidet. Die Schule blieb mehr als vier Jahrzehnte im Gutshaus untergebracht und wurde erst 2003 geschlossen. Während dieser langen Nutzung blieb das Gebäude kontinuierlich erhalten. Nach 1990 wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die Fassaden wurden instand gesetzt, die Fenster erneuert, das Dach rekonstruiert und die Heizungsanlage modernisiert. Dadurch blieb das denkmalgeschützte Ensemble in einem guten baulichen Zustand erhalten.
Nach der Schließung der Schule stand das Gutshaus zunächst leer. In den Jahren 2015 und 2016 veräußerte die Gemeinde das Gebäude. Während sich der Backsteinbau im Privatbesitz befindet, stand der Putzbau 2025 leer. Durch die fortlaufende Nutzung über viele Jahrzehnte blieben beide Gebäude erhalten. Zusammen mit der historischen Schmiede, dem Teich vor dem jüngeren Herrenhaus sowie der Einbindung in den historischen Ortskern vermittelt das Ensemble bis heute die Entwicklung des ehemaligen Rittergutes Klein Belitz.

