Durch eine Allee, gefolgt von einer kleinen Brücke, gelangt man zum neobarocken Gutshaus Klein Nienhagen und fühlt sich sofort wie in einer anderen Welt. Die gepflegte Gutsanlage in der Nähe von Kühlungsborn und Heiligendamm wird für verschiedene Events genutzt. Der Mittelpunkt der Gutsanlage ist neben den Ferienwohnungen, dem Tagungscenter und dem über 86 Meter langen Marstall, die Reitanlage.
1374 wurde der kleine Ort Nienhagen, der idyllisch zwischen Feldern liegt, als Nyenhagen erstmalig erwähnt. Die mecklenburgische Uradelsfamilie Familie von der Lühe erhielt Klein Nienhagen als Lehngut und behielt es bis 1715. Das Gut wurde allerdings von Klein Mulsow aus verwaltet. Später gelangte es in den Besitz von Major von Oertzen, in dessen Familie es bis 1790 blieb. Danach wechselte das Gut mehrfach die Hände und war unter anderem im Besitz des Kammerrates Sengebusch, von Boddien, Landrat Freiherr von Meerheimbh, Hofjägermeister Carl Franz von Plessen, Rittmeister Carl von Bülow bis 1802 und dann Thomsen. 1810 erwarb Major Johann Georg Wachenhusen das Gut, musste es aber 1815 direkt wieder verkaufen. Danach ging es in den Besitz von Hauptmann G. A. von Kolzenberg (1818) und J. M. Schumann (1857) über. Im April 1881 wurde das Gut für 318.000 Mark verkauft an G. von Pressentin, nächster Eigentümer war der preußische Generalmajor Karl Christian August von Pressentin, gefolgt von Friedrich Ludwig Hans Hallo von Cannenburg.
Martha Gräfin von Polier, die in Altenhagen ihr Gut hat, erwarb 1910 das 229 Hektar große Anwesen Gut Klein Nienhagen für ihren Sohn. Ferdinand Helmuth Rudolph Graf von Polier ließ 1913 auf dem Allodialgut zunächst das 86 Meter lange Stallgebäude aus Backstein von dem Architekten Paul Korff erbauen und 1932 das bis dahin eingeschossige, klassizistische Gutshaus umgestalten. Das neobarocke Gutshaus erhielt eine weitere Etage und einen neuen Giebel. Das zweigeschossige, achtachsige Gutshaus mit Walmdach präsentiert sich heute zur Hofseite mit Mittel- und Seitenrisaliten sowie einem gotischen Stufengiebel. Die Eingangstür befindet sich im Portikus des Mittelrisalites und wird von zwei Fenstern flankiert.
Bis zur Enteignung 1945 lebte der Graf, der aus einem französischen Adelsgeschlecht stammt, mit seiner Ehefrau Marie Jeanette Eva Leopoldine Carola, geb. Freiin von Meerheimb, auf dem Gut. Das Paar hatte vier Kinder und zog nach der Enteignung nach Schleswig-Holstein. Nach dem Krieg zogen 16 Familien in das Gutshaus ein. Eine Fachwerkscheune, die gegenüber vom Stallgebäude stand, stürzte 1983 ein. Im Jahr 1997 entdeckte Familie Glöe das heruntergekommene Gutshaus und konnte es 1998 von der Gemeinde Altenhagen erwerben. Die Gutsanlage mit modernem Reitbetrieb wurde saniert und für Gäste geöffnet. Rund um das verputzte Gutshaus Klein Nienhagen befinden sich in der hügeligen Landschaft einige Felder, Wälder, Pferdeweiden und ein Teich. Der ein oder andere wird das Gutshaus auch schon im Fernsehen entdeckt haben, da es mehrfach als Drehort diente, unter anderem für das ZDF in „Soko Wismar“ sowie in der ARD in „Mord in bester Gesellschaft“ und „Alles Böse zum Hochzeitstag“.
Mittlerweile befinden sich Ferienwohnungen, ein modernes Tagungszentrum, ein großer Wellnessbereich sowie die Reitanlage mit der 2009 erbauten Reithalle auf dem Gutshof, der insgesamt eine Fläche von 55.000 Quadratmetern aufweisen kann. Auf der Parkseite des Gutshauses, das in den vergangenen Jahren vollkommen verändert wurde, befinden sich nun ein Wintergarten mit Balkon sowie eine große Terrasse. Von der Terrasse führen zwei Freitreppen in den 3,5 Hektar großen Gutspark, in dem sich nicht nur reichlich Obstbäume, sondern auch noch einige dendrologische Besonderheiten wie z. B. die Flügel- und Schwarznuss befinden.
