Das Gutshaus Klocksin liegt am nördlichen Ende des Flachen Sees, südlich von Teterow. Eine Kastanienallee führt auf die in Granit gefasste Auffahrt, die den Hofplatz erschließt. Das Gutshaus erhebt sich in leicht erhöhter Lage über dem zum See hin abfallenden Parkgelände, das sich bis an das Ufer des Flachen Sees erstreckt, der Teil der Mecklenburgischen Seenplatte ist. Zur Parkseite öffnet sich der Bau auf eine Terrasse.
Der Ort Klocksin war ursprünglich ein mittelalterliches Bauerndorf. Er liegt in einer Landschaft, die durch Endmoränen, Findlingsfelder und kalkhaltige Böden geprägt ist und den Übergang zwischen Gutspark und See bestimmt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Klocksin vollständig zerstört. Nach dem Wiederaufbau entwickelte sich der Ort zu einem Gutsdorf und gehörte fortan zum Ritterschaftsamt Lübz. Bereits im Mittelalter bestand eine Filialkapelle zur Kirche Kirch Grubenhagen, die im Visitationsprotokoll von 1648 als zerstört bezeichnet wird. Ein geplanter Wiederaufbau im Jahr 1786 kam nicht zur Ausführung.
Bis in das 14. Jahrhundert befand sich das Gut Klocksin im Besitz der Familie von Linstow aus dem Haus Lütgendorf. Zu den frühesten nachweislich mit Klocksin verbundenen Angehörigen dieser Familie zählt der Ritter Claus von Linstow, genannt Kortemake († nach 1443), der gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna von Pritzbuer neben Lütgendorf auch Klocksin besaß. Bereits 1417 verpfändeten Hans und Claus von Linstow auf Neuhof alle Kalklager auf den Feldern von Klocksin und Neuhof an das Kloster Malchow. Diese Pfandrechte wurden 1423 bestätigt. Die Familie von Linstow leistete bis in das 17. Jahrhundert für Klocksin und Neuhof als Pertinenzen des Gutes Lütgendorf den Lehneid.
In der Folge werden die Enkel von Claus von Linstow im Zusammenhang mit dem Klocksiner Besitz genannt. Heinrich von Linstow († nach 1465) und Hans von Linstow († nach 1506) traten als Gutsherren von Lütgendorf, Klocksin, Wangelin und anteilig Woggersin auf. Heinrich von Linstow war mit Dorothea von Wackerbarth verheiratet, während Hans von Linstow Margarethe von Hahn ehelichte. Heinrichs Sohn Achim der Ältere von Linstow und dessen Ehefrau Catharina von Schmeker sind zwischen 1500 und 1524 urkundlich nachweisbar. Ihm folgte Achim der Jüngere von Linstow, der zwischen 1506 und 1564 belegt ist, mit Barbara von Oldenburg verheiratet war und neben dem Güterkomplex Lütgendorf, Wangelin, Klocksin und Woggersin auch Glave besaß.
Daraufhin gelangte Klocksin an Christoph von Linstow, der mit Margarethe von Behr verheiratet war. Gemeinsam hielten sie die Güter Lütgendorf, Wangelin, Klocksin, Woggersin und Kalübbe. Ihre Tochter Emerentia von Linstow heiratete vor 1581 Claus von Moltke. Mit dieser Generation endete die direkte Besitzfolge der Familie von Linstow auf Klocksin. Im Jahr 1692 verpfändete Christoph von Linstow das Gut an seinen Schwager Gabriel von Bassewitz. In der Folge ging Klocksin vollständig in den Besitz der Familie von Bassewitz über. Dorf und Gut verblieben bis 1782 in deren Eigentum.
Georg Christian von Bassewitz, der mit einer Angehörigen der Familie von Linstow verheiratet war, erhielt Klocksin von seinem Vater und übergab es an seinen ältesten Sohn Elar Christoff von Bassewitz, der königlich schwedischer Carnet war. Nach dessen Tod in den Jahren 1728 oder 1729 ging Klocksin an seinen jüngeren Bruder Gabriel Vollrath von Bassewitz (1693–um 1746), der keine Erben hinterließ.
Daraufhin fiel Klocksin an den dritten Sohn, den späteren Hauptmann Georg Friedrich von Bassewitz (1699–1773). Er war Erbherr auf Klocksin, Neuhof und Karchow sowie Besitzer des Lehngutes Dambeck. Bereits 1721 waren ihm und seiner Ehefrau Elisabeth Hedwig von Kardorff nach dem Erlöschen des Mannesstammes der Familie von Freiberg durch Erbschaft das Gut Karchow zugefallen. Georg Friedrich von Bassewitz vereinte damit mehrere zusammenhängende Güter in seiner Hand. Er starb im Jahr 1773 ohne Leibeserben.
Sein Testament datiert vom 25. Januar 1759 und wurde in Güstrow errichtet. Haupterbin war seine Ehefrau Elisabeth Hedwig von Kardorff. Weitere Erben waren Georg Friedrich von Bassewitz, Sohn des Majors von Bassewitz zu Hohen Luckow, sowie Georg Friedrich von Bassewitz, Sohn des Kammerjunkers von Bassewitz zu Gneven. Hinzu kamen die Kardorffschen Kinder in Remlin, Maria, Sophia, Wilhelm und August von Kardorff. Nach seinem Tod wurden die Güter in zwei Kaveln geteilt, also in rechtlich und wirtschaftlich abgegrenzte Bewertungseinheiten der Erbauseinandersetzung. Die Kavel Klocksin und Neuhof wurde mit 45.000 Talern bewertet, die Kavel Dambeck und Karchow mit 35.000 Talern. Durch Los fiel Dambeck und Karchow an Carl Georg Christoph von Bassewitz († nach 1792), Leutnant bei der Gardes du Corps, der damit alleiniger Besitzer dieser Güter wurde.
Im Jahr 1782 wurde das Gut Klocksin durch Kauf Eigentum von Dietrich Michael Frisch (1769–1826), der als großherzoglich mecklenburgisch schwerinscher Geheimer Domänenrat tätig war. Er führte das Gut als Allodial- und Fideikommissbesitz. Am 31. August 1819 wurde Dietrich Michael Frisch durch König Maximilian Joseph von Bayern in München gemeinsam mit seinen beiden Adoptivsöhnen Paul Amadeus Leopold Frisch († 1839) und Ewald Cosmus Leonhard Frisch (1803–1872) in den erblichen Adelsstand erhoben. Die Anerkennung des Adels erfolgte am 12. April 1820 durch das Großherzogtum Mecklenburg Schwerin. Mit dieser Erhebung war die Führung des Namens von Frisch verbunden.
Ewald Cosmus Leonhard von Frisch (1803–1872) stammte aus einer ursprünglich aus Nürnberg kommenden Familie. Er war der Sohn des Rektors in Sagan und Pastors in Grunau Martin Leopold Christian Frisch (1768–1809) und der Christiane Charlotte Frisch, geborene Zingle (1772–nach 1839). Nach der Adoption durch seinen Großvetter Dietrich Michael von Frisch wurde er Erbherr auf Klocksin. Weitere aus dem Erbe hervorgegangene Besitzungen, darunter Reppelin, veräußerte er bereits 1827. Ewald von Frisch war Mitglied im Bund der Kommunisten und veröffentlichte mehrere Streitschriften zur Reform der mecklenburgischen Sozial- und Agrarverhältnisse. In der ersten Wahl zur Mecklenburgischen Abgeordnetenversammlung im Jahr 1848 wurde er für den Wahlbezirk Mecklenburg Schwerin 75 Klocksin gewählt, legte das Mandat jedoch nieder.
Zu Klocksin gehörten das Hauptgut sowie die Pertinenzen Neu Klocksin, Neuhof und Neu Sapshagen. Neu Klocksin entstand durch Vererbpachtung. Im Jahr 1810 schloss Dietrich Michael Frisch mit den Bauern Johann Peters, Christian Klänhammer und dem Schulzen Volrath Klänhammer entsprechende Erbpachtverträge ab. Im Mai 1811 verlieh Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg dem Etablissement bei dem Gut Klocksin den Namen Neu Klocksin. Im Jahr 1819 lebten dort 24 Einwohner. Ewald Cosmus Leonhard von Frisch verlängerte und veränderte im Jahr 1864 die bestehenden Erbpachtverträge. Die Flur von Neu Klocksin wurde in drei Hufen geteilt und auf jeder Hufe ein Gehöft errichtet. Die Volkszählung von 1867 weist erneut 24 Einwohner aus. Laut Güteradressbuch von 1928 war Achim von Frisch Eigentümer von Neu Klocksin. Die Erbpächter bewirtschafteten jeweils etwa 21 Hektar Land.
In die Besitzzeit Ewald von Frischs fällt die Errichtung des heutigen Gutshauses. Das Gebäude entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zwischen etwa 1830 und 1850, und ersetzte ältere Vorgängerbauten. Es wurde als zweigeschossiger, dreizehnachsiger Putzbau in spätklassizistischen Formen errichtet. Die Hoffront wird durch einen dreiachsigen Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel gegliedert. Ursprünglich war das Gutshaus mit einem Walmdach versehen. Eine zweiseitige Auffahrt führte auf den Hofplatz und erschloss den Eingang. An der Westseite schließt sich ein eingeschossiger Anbau über einem älteren Gewölbekeller an, dessen Grundstrukturen um 1800 entstanden. Zur Gartenseite öffnet sich das Haus auf eine Terrasse. Die Rückseite war auf einen kleinen Park ausgerichtet, von dem Reste erhalten sind.
Ewald von Frisch war dreimal verheiratet, zunächst mit Henriette von Wolffradt (1803–1833), anschließend mit Agnes Neuendorf (1810–1842) und zuletzt mit Louise Bouguet (1832–1890). Aus seiner ersten Ehe gingen vier Kinder hervor, darunter Martin Diedrich Johann Leonhard von Frisch (1831–1892), der später Erbherr auf Klocksin wurde. Er heiratete 1864 Marie von der Osten (1845–1923). Aus dieser Ehe ging Irmgard Eveline Philippine Friederike von Frisch hervor, geboren am 5. Dezember 1865 in Klocksin.
Nach dem Tod Ewald von Frischs im Jahr 1872 ging das Gut an seinen Sohn Martin Diedrich Johann Leonhard von Frisch (1831–1892) über. Nach dessen Tod gelangte der Besitz an Achim Franz Ewald Karl Amadeus von Frisch (1871–1949). Er war Erbherr auf Klocksin und heiratete Eveline Fanny Anna Harriet, geborene von Portatius. Er hielt sich zunehmend in Berlin auf, lebte dort ab 1916 und ließ das Gut verpachten. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete er 1938 in Berlin Margareta Seifert. Um 1928 umfasste der Besitz in Klocksin 1.013 Hektar. Hinzu kamen weitere Flächen in Neu Sapshagen mit der Heller Mühle. Zum Gut gehörten eine Ziegelei, eine Kalkbrennerei, eine Wassermühle sowie landwirtschaftliche Vorwerke. Kalk wurde in Klocksin bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verarbeitet. Der Ort verfügte über eine Schule und eine Schmiede.
Im Jahr 1933 wurde das Gut Klocksin an die Mecklenburgische Siedlungsgesellschaft verkauft. In der Folge wurden große Teile des Landes aufgesiedelt. Es entstanden zwölf Ansiedlungen. Der verbleibende Resthof ging an Otto Grambow über. Letzter Pächter des Gutes war bis 1945 Krüger Crusius.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gut enteignet. Das Gutshaus ging in das Eigentum der Gemeinde über. In der Zeit der DDR war es Sitz der Gemeindeverwaltung. Daneben waren eine Bibliothek, ein Kindergarten, eine Arztpraxis sowie ein Frisiersalon im Gebäude untergebracht. Die innere Struktur des Hauses wurde diesen Nutzungen angepasst. Die ursprünglich stuckierte Fassade wurde entfernt und durch einen schlichten Putz ersetzt. Balkone und der überdachte Eingangsbereich wurden abgetragen. Das ursprünglich vorhandene Walmdach wurde durch ein Satteldach ersetzt.
Der Park erstreckt sich vom Gutshaus bis zum Flachen See. Im 19. Jahrhundert wurde die barocke Gartenanlage in einen englischen Landschaftspark umgestaltet. Der Park war waldartig angelegt, mit alten Beständen aus Rot- und Weißbuchen, Eichen, Ahorn, Eschen, Linden und Kastanien. Nur unmittelbar hinter dem Gutshaus befanden sich größere Freiflächen. Im Ort bestand im Mittelalter eine Kapelle als Filialkapelle zur Kirche Kirch Grubenhagen. Sie lag im Bereich des heutigen Dorfes und wird 1648 als zerstört bezeichnet. Pläne zum Wiederaufbau aus dem Jahr 1786 wurden nicht ausgeführt. An der Stelle der früheren Kapelle befand sich später ein Steinhaufen, auf dem ein Bauernhaus errichtet wurde.
Entlang einer Lindenallee im Park befindet sich eine Kapelle, die um 1900 errichtet wurde und als Grabkapelle der Familie von Frisch diente. In ihr wurden am 3. Oktober 1826 Dietrich von Frisch und seine Ehefrau Franziska von Frisch, geborene Winter, beigesetzt. Eine frühere Grablege der Familie von Frisch wurde 1930 umgebettet. Zwischen Park und Flachem See wurde nach 1945 ein Friedhof für gefallene unbekannte Soldaten des Zweiten Weltkriegs angelegt, der bis heute als kommunaler Friedhof genutzt wird.
Nach der politischen Wende ging das Gutshaus endgültig in das Eigentum der Gemeinde über. Ab dem Jahr 1992 stand es, abgesehen von wenigen genutzten Räumen, leer. Um das Jahr 2000 wurde das Dach rekonstruiert. In den Jahren 2002 und 2003 erfolgten weitere Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten.
Der bauliche Bestand umfasst das Gutshaus des 19. Jahrhunderts mit dem eingeschossigen Anbau über älterem Gewölbekeller, die Auffahrt, den Park bis zum Flachen See sowie die Kapelle an der Lindenallee. Das Gutshaus befindet sich im Eigentum der Gemeinde.

