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Gutshaus Pustohl @ Historische Häuser

Gutshaus Pustohl in Mecklenburg-Vorpommern

Das Gutshaus Pustohl liegt in einem kleinen Dorf und nimmt eine ruhige, leicht zurückgezogene Stellung am Rande eines Dorfangers ein. Vor der Front liegt ein Teich, dessen Spiegelung dem Gutshaus eine stille Kulisse verleiht. Zur Hauptfassade gehört ein zweiachsiges Zwerchhaus mit einem Treppengiebel, dessen Gestaltung die Bauzeit des 19. Jahrhunderts verrät. Unmittelbar am Teich befanden sich Backsteinbauten, Stallungen und Speicher. Seit Jahrhunderten bildet Pustohl einen Ankerpunkt in der Landschaft rund um Satow.

Die schriftlichen Spuren des Ortes Pustohl reichen weit zurück. Frühformen wie um 1464 Putklote und um 1470 Putklot zeigen, wie alt die Siedlung ist, die später zum Gutshof heranwuchs. Im Jahr 1470 erhielt Sivert von Oertzen aus Roggow vom Herzog von Mecklenburg ein Pfandrecht auf den Einnahmen aus mehreren ländlichen Besitzungen. Zu den betroffenen Dörfern gehörten Behrenshagen, Pustohl und Passee, daneben auch Höfe, die zu den sogenannten Bibow-Gütern innerhalb Behrenshagen zählten. Sivert von Oertzen und seine Nachkommen besaßen demnach Anspruch auf die dort erwirtschafteten Bede, also Steuer- oder Abgabenleistungen, deren Wert in Lübecker Mark angegeben wurde. Für die genannten Dörfer zusammen betrug dieser Wert 6 Lübecker Mark aus Behrenshagen, Pustohl und Passee sowie den Bibower Gütern innerhalb Behrenshagen. Diese verpfändete Bede konnte bereits im Februar 1492 von den Herzögen wieder eingelöst werden.

Wenige Jahrzehnte später erscheint der Ort im Jahr 1464 erstmals sicher im Besitz der Familie von Bibow. Sie gehörte zu den alteingesessenen mecklenburgischen Adelsfamilien, die über Jahrhunderte in der Region nachweisbar sind und den Ort über Generationen prägten. Im Jahr 1618 wurde Pustohl noch immer von der Familie von Bibow bewirtschaftet. Am 18. Februar 1618 erwarb der Panzower Gutsherr Barthold von der Lühe von den Vormündern und Gläubigern der Kinder von Eckhard von Bibow das Gut Berendshagen mit dem Mühlenhof sowie den Dörfern Pustohl und Dolglas für 30.000 Gulden. Die Familie von der Lühe behielt den Besitz bis 1697. Ab da wechselte das Gut erst für 16.500 Thaler an Kord von Bülow, ab 1720 für 21.000 Thaler an Kord von Hobe auf Klein Gischow. Zusammen mit Klein Gischow wurde der Rostocker Senator Prehn 1765 kurzzeitig Eigentümer, bis er die gesamten Güter 1770 der Herzoglichen Kammer anbot, die aber ablehnte. Daraufhin wechselten die Eigner in sehr kurzen Abständen und somit waren die Güter von 1785 bis 1791 im Besitz der Generalin E. A. de Cheusses, von 1791 bis 1792 derer von Brokes, Leutnant Friedrich Wilhelm von Hartwig, Johann Christoph von Plüskow sowie dem Rittmeister Joh. Joachim Brackenwagen. Ab 1804 gingen die Güter Behrenshagen an die Familie Plüns und ab 1815 an Baron Konrad von Stenglin.

Pustohl wird ab 1804 im Besitz von Caspar Ludwig Jörges geführt. Ab 1823 übernimmt Gottlieb Ludwig Johannes Jörges (1792–1873) die Führung des Guts zusammen mit seiner Ehefrau Sophia Carolina, geborene Michaelsen. 1848 verließ die Familie Jörges Pustohl und übernahm das Gut Wendorf. Kurzzeitig war Hans Ernst Ludwig Becker neuer Gutsherr, bis es zwischen 1854 und 1857 in die Familie Bobsien fiel. Friedrich Andreas Joachim Bobsien wurde 1861 von G. Carl Bobsien als Besitzer abgelöst.
Das Gutshaus Pustohl ist ein eingeschossiger, neuntachsiger verputzter Ziegelbau mit einem Krüppelwalmdach, das auf einem kräftigen Feldsteinfundament ruht. Die Fassadenstruktur gehört in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und zeigt die für diese Zeit typische klare Gliederung. Die Vorderseite wird durch ein zweiachsiges Zwerchhaus mit einem Treppengiebel betont, der auf das Baujahr 1868 verweist. Der ursprüngliche Eingang befand sich im Mittelrisalit und wurde in späterer Zeit verschlossen. Stattdessen nutzt man heute den seitlich gelegenen Zugang auf der linken Seite. Die Giebel des Gebäudes sind zweigeschossig ausgebaut, wodurch im Dachgeschoss zusätzliche Räume entstanden.

Das Lehngut umfasste 267,7 Hektar Land und konnte im Laufe der Jahre um 100 Hektar von der Familie Bobsien erweitert werden. Aus dem Lehn- wurde ein Allodialgut. Letzte Besitzer aus der Familie Bobsien waren 1894 die Brüder Hans, Carl Friedrich, Richard und Ulrich Bobsien, die es 1895 an Albert Ludwig Ferdinand Helmuth Heydemann verkauften.

Am 2. Juni 1903 zerstörte ein Feuer auf dem Gut einige Wirtschaftsgebäude bis auf die Scheune und das Gutshaus. 1906 erwarb Leutnant d. R. Wilhelm Herrmann das Gut Pustohl, der es danach an Wilhelm Herrmann verkaufte. Ab 1930 waren die Erben von Wilhelm Herrmann verzeichnet.

Seit dem Jahr 2003 befindet sich das Gutshaus Pustohl im Privatbesitz. Ab 2005 wurde das Gutshaus saniert. Die Wiederherstellung des Teiches im Jahr 2005 gab dem Ensemble seinen historischen Charakter zurück.

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