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Gutshaus Rensow @ Historische Häuser

Gutshaus Rensow in Mecklenburg-Vorpommern

Leicht erhöht liegt das Gutshaus Rensow, eine Dreiflügelanlage, am Rand eines Angers. Rund um das Gut Rensow befindet sich eine Landschaft, die noch immer von Wasser, Moor und alten Geländestrukturen geprägt ist. Der Blick auf das zweigeschossige Haus mit seinem hohen Walmdach und den beiden Seitenflügeln lässt trotz späterer Veränderungen den Ursprung als frühe barocke Gutsanlage Mecklenburgs erkennen. Die Dreiflügelanlage öffnet sich zum Hof und wirkt in ihrer Grundform geschlossen und ruhig, auch wenn einzelne Fassadenpartien im Laufe der Zeit überformt wurden.

Der Ursprung von Rensow liegt weit vor der Errichtung des heutigen Gutshauses im Jahr 1690 und auch vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im frühen 13. Jahrhundert. Bereits im 9. Jahrhundert befand sich hier eine slawische Befestigungsanlage. Die Wahl des Platzes folgte der Logik der Landschaft. Die leicht erhöhte Lage, umgeben von Wasser, Moor, Wallgräben, Sümpfen und Niederungen, bot Schutz und begünstigte eine dauerhafte Nutzung. Diese natürlichen Gegebenheiten wirkten über Jahrhunderte wie eine Umfassung und prägten die Entwicklung des Ortes bis in die Neuzeit. Auch nach dem Verlust der militärischen Funktion blieb Rensow als Mittelpunkt erhalten.

Der Name Rensow gehört zu den früh belegten Ortsnamen der Region. In den Quellen erscheint der Ort erstmals 1216 als Rinsowe. Weitere mittelalterliche Nennungen folgen, darunter de Rensowe im Jahr 1251 sowie de Rinsowe 1311. Auch in Zusammenhängen des Klosters Ribnitz wird Rensow als Rinsowe beziehungsweise Rensow bei Laage genannt. Die Namensform geht nach Trautmann auf ein altslawisches Ręžov zurück, abgeleitet von einem Personennamen Režęz. Sprachlich wird der Name mit dem polnischen Verb rzężeć in Verbindung gebracht, das „röcheln“ oder „keuchend tönen“ bedeutet und damit auf die feuchten Niederungen der Umgebung verweist. Früh war Rensow als Lehnsbesitz organisiert und in landesherrliche wie kirchliche Strukturen eingebunden. Bereits im 13. Jahrhundert erscheint der Ort als adliger Bezugspunkt im regionalen Lehnswesen. In einer Urkunde von 1262 wird eine Domina M. de Rensow genannt, die ein Lehen im benachbarten Dalevitz innehatte, dem späteren Dalwitz. Auch wenn sich dieses Lehen nicht in Rensow selbst befand, zeigt die Bezeichnung, dass Rensow zu diesem frühen Zeitpunkt bereits als Herkunfts- und Sitzname innerhalb des Adelsgebrauchs etabliert war.

Die frühere räumliche Struktur des Ortes ist trotz späterer Eingriffe weiterhin nachvollziehbar. Noch bis in die 1970er Jahre waren Teile der historischen Umfassung im Gelände sichtbar, ehe sie zugeschüttet wurden. Mit ihrem Verschwinden ging ein wichtiger sichtbarer Hinweis auf die frühe Gestalt Rensows verloren, nicht jedoch die Geschichte selbst. In Bodenwellen, Senken, Wegführungen und alten Geländekanten lassen sich die früheren Grenzen des Ortes bis heute erahnen.

Vor 1445 befand sich das Gut im Besitz der Familie Brützekow, auch Britschkow, Breitschower oder Brütschow genannt. Diese Benennungen sind nicht bloß Varianten. Genannt wird zum Beispiel der Knappe Heinrich Brützkow in Rensow (1405), gefolgt von seinem Sohn Martin Brützkow, der ebenfalls Knappe in der Herrschaft Werle war.

Entscheidend ist, dass dieser Besitz nicht isoliert steht. Für die frühe Geschichte von Rensow ist die von Georg Christian Friedrich Lisch 1868 dargestellte Verbindung der Familien von Brützekow und von Bülow zentral. Lisch untersucht die Stammesverwandtschaft beider Geschlechter und ordnet sie in ein Phänomen ein, das er für die ehemaligen Wendenländer beschreibt. Altadelige Familien, deren Güter nahe beieinander lagen, führten dasselbe Wappen und lassen sich auf einen gemeinsamen Stammvater zurückführen, während sie bei der Germanisierung unterschiedliche Namen nach ihren Lehngütern annahmen. Für die Familien von Bülow und von Brützekow wird diese Stammesverwandtschaft durch Heimat, Grundbesitz, Vornamen und vor allem durch das Wappen deutlich. Beide führen den Schild mit vierzehn Kugeln. Lisch verankert den Ursprung im Raum um Rehna, wo die Dörfer Bülow und Brützekow unmittelbar nebeneinander lagen und nur durch das Gebiet von Rehna getrennt waren.

Bereits 1237 treten Gottfried von Bülow und Gottfried von Brützekow gemeinsam urkundlich auf, ebenso 1241 als Ritter im Umfeld der landesherrlichen Urkundenpraxis. Lisch versteht diese frühen Erwähnungen als Hinweise auf die Stammhalter beider Familien. Im 14. Jahrhundert lässt sich die Familie von Brützekow ostwärts nachweisen, in die Gegend um Gnoien, in Zusammenhängen mit Besitzungen in Jördenstorf, Wüstenfelde, Gantzekendorf und weiteren Orten. Für Rensow ist ausdrücklich festgehalten, dass die Brützekow den Besitz vor 1445 hatten. Damit ist Rensow in der spätmittelalterlichen Landschaft nicht nur irgendein Hof, sondern ein Gut, das in den Besitz- und Lehnsbeziehungen des Adels verankert war.

Für den Übergang von Rensow an die Familie von Bülow ist die Urkunde vom 13. Februar 1445 von zentraler Bedeutung. In ihr erscheint Jaspar von Bülow, der zwischen 1417 und 1449 als Knappe mit Rittersitz in Rensow belegt ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit als Sohn des Gottfried von Bülow in Potrems anzusehen ist. Als erbgesessen zu Rensow stiftet er der Kirche zu Belitz eine Gedächtnisstiftung, die weit über eine gewöhnliche fromme Zuwendung hinausgeht. Er ordnet Gedächtnisfeiern nicht nur für sich und sein eigenes Geschlecht an, sondern ausdrücklich auch für das der Brützekow, die in der Urkunde als Breitschowen bezeichnet werden und von denen die Bülow das Gut Rensow übernommen hatten.

Diese Formulierung verweist nicht auf einen Kauf, sondern auf eine stammverwandte Lehnsnachfolge. Der in der Urkunde verwendete Begriff vedderen ist nach zeitgenössischem Sprachgebrauch als Stammes- oder Lehnsvettern zu verstehen. In der Logik der spätmittelalterlichen Lehnwelt bedeutet dies, dass die Familie von Bülow Rensow nach dem Aussterben der stammverwandten Familie von Brützekow übernahm, obwohl beide Geschlechter unterschiedliche Namen führten. Georg Christian Friedrich Lisch beschreibt diese gegenseitige Successionsfähigkeit stammverwandter Familien als ein typisches Muster für die ehemaligen Wendenländer. Für Rensow ist dieser Vorgang durch die Stiftung von 1445 eindeutig belegt. Die Urkunde ist zugleich eng mit dem Kirchspiel Belitz verbunden. Neben der Geldstiftung wird ein konkret bezeichneter Acker, ein Kamp auf dem Feld zu Rensow, mit Grenz- und Wegangaben genannt und der Kirche zur Nutzung überlassen. Besitz, Frömmigkeit, Erinnerungskultur und lokale Topografie treten hier unmittelbar zusammen. 

Die Stiftung blieb innerhalb der Familie von Bülow. Am 13. Dezember 1478 bestätigten Vicke, Gemeke und Johann von Bülow, zu Siemen und Rensow, die Schenkung ihres Vorfahren. Wenige Jahre später, 1481, erscheint Vicke von Bülow zu Rensow erneut als Siegelzeuge in einer Urkunde, was Rensow als benannten Sitz innerhalb der rechtlichen Praxis bestätigt. Auch für die späte von Bülow-Zeit bleibt Rensow als Sitz greifbar. Nach dem Tod des letzten Joachim von Dambeck im Jahr 1587 fiel dessen Lehen an den Herzog zurück und wurde an Vicke von Bülow auf Rensow verliehen. Selbst wenn dieses Lehen nicht Rensow selbst betraf, zeigt der Vorgang, dass Rensow noch am Ende des 16. Jahrhunderts als feste Sitzbezeichnung der Familie von Bülow in landesherrlichen Belehnungen verwendet wurde.

Gutshaus Rensow @ Historische Häuser
Gutshaus Rensow @ Historische Häuser

Im Jahr 1610 ging Gut Rensow nach Georg Christian Friedrich Lisch durch Verkauf aus dem Besitz der Familie von Bülow an die Familie von Lowtzow über. Käufer war Eilard von Lowtzow (ca. 1560–1615), Hofjunker bei den Herzögen von Pommern und Mecklenburg und Stammvater der Rensower Linie der Familie von Lowtzow. Eilard hatte an den ungarischen Kriegen gegen die Türken teilgenommen und war mit Barbara von Winterfeldt aus dem Hause Dalmin verheiratet. Mit dem Erwerb Rensows beginnt eine neue Besitzphase, die das Gut über mehrere Generationen prägen sollte.

Nach Eilards Tod ging Rensow an seinen Sohn Christoph von Lowtzow den Älteren (1602–1651) über. Er war Erbherr auf Rensow und herzoglich schleswig-holstein-gottorfischer Jägermeister. Seine Erziehung führte ihn früh aus dem elterlichen Umfeld heraus. Zunächst wuchs er im Hause seiner Großmutter in Dalmin auf, anschließend in der Obhut seines Onkels, des Havelberger Domherrn Detloff von Winterfeldt. Später erhielt er Unterricht durch private Hauslehrer. Ein Studium an der Universität Helmstedt begann er 1620, musste es jedoch nach dem Tod des Vaters aus finanziellen Gründen abbrechen.

Christophs weiterer Lebensweg ist durch Hof- und Militärdienst geprägt. Er stand zunächst als Hofjunker im Dienst der dänischen Königinwitwe Sophie in Nyköping, nahm anschließend als Avantageur am schwedisch-polnischen Krieg teil und diente daraufhin Herzog Hans Albrecht von Mecklenburg als Rittmeister. Schließlich trat er in die Dienste Herzog Friedrichs von Schleswig-Holstein-Gottorf ein, der ihn zum Vizestallmeister und später zum Jägermeister ernannte. Dieses Amt versah Christoph über mehr als zwei Jahrzehnte. 1642 heiratete er auf Schloss Gottorf Elisabeth von Levetzow, Tochter des Lütke von Levetzow auf Scharstorff. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, darunter der spätere Erbherr Friedrich von Lowtzow. Um 1650 erwarb Christoph zusätzlich das Gut Törriesdorf bei Lübeck. Christoph starb im April 1651 in Levetzow in Mecklenburg-Vorpommern.

Friedrich von Lowtzow (1644–1706) wurde im Februar 1644 auf Schloss Gottorf im Herzogtum Schleswig geboren. Seine Taufpatin war Prinzessin Magdalena Sybilla, die spätere Herzogin zu Mecklenburg. Der Name Friedrich verweist auf den Gottorfer Herzog, in dessen Dienst der Vater stand. Nach dem Tod des Vaters 1651 wuchs Friedrich unter der Obhut seiner Mutter auf, die seine Ausbildung durch private Lehrer sichern ließ. Einige Jahre später folgte sie mit ihren Kindern einem Ruf an den mecklenburgischen Hof. Dort trat Friedrich als Page in den Dienst Herzog Gustav Adolphs und wurde später Hofjunker und Kammerjunker. Gemeinsam mit dem Rat Schertlingen wurde er an den kaiserlichen Hof nach Regensburg entsandt. Nach seiner Rückkehr wurde seine Ehe vorbereitet. Auf Vermittlung der Mutter heiratete er am 19. September 1666 Agnes von Capellen, Tochter des herzoglich mecklenburg-güstrowischen Rates und Hofmeisters Fritz Dietrich von Capellen.

Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor. Mehrere Söhne standen in militärischen Diensten verschiedener Landesherren, darunter Christoph Friedrich als königlich dänisch-norwegischer Hauptmann und Johann Detloff als Leutnant. Andere Kinder starben früh. Die Töchter verbanden sich durch Heiraten mit weiteren Adelsfamilien, darunter die Häuser von Oldenburg und von Priestin. Agnes von Capellen starb 1689. Friedrich heiratete 1693 in zweiter Ehe Catharina Sophia von Halberstadt, verwitwete von Koß. In den letzten Lebensjahren verschlechterte sich Friedrichs Gesundheitszustand. Trotz ärztlicher Betreuung in Rostock und Güstrow sowie eines Aufenthalts in Lübeck trat keine Besserung ein. Er starb am 4. Juni 1706 auf seinem Gut Rensow. Die Beisetzung erfolgte am 23. Juli 1706 im Erbbegräbnis in Rensow. Damit ist erstmals eine feste Begräbnisstätte der Familie am Gut selbst greifbar.

Unter Friedrich von Lowtzow entstand um 1690 das heutige Gutshaus Rensow. Der Bau wurde auf älteren, mittelalterlichen Gewölbekellern errichtet. Diese Keller sind als gemauerte Tonnengewölbe beschrieben und bis heute erhalten. Die Datierung ist als schmiedeeiserne Jahreszahl 1690 an der Ostseite des Hauses bis heute vorhanden. Der Bau ist als dreiflügelige Anlage in schlichter barocker Formensprache ausgeführt. Der Grundriss ist U-förmig und öffnet sich zum Hof. Das Haus ist zweigeschossig und trägt ein hohes Walmdach. Der Sockel besteht aus behauenen Granitquadern.

In der frühen Bauphase spielte Fachwerk eine Rolle. Ob das ganze Haus ursprünglich als Fachwerkbau errichtet wurde, lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Sicher ist, dass in den Obergeschossen der östlichen Seitenflügel bis heute Fachwerkstrukturen erkennbar sind. Auch das holzverschalte Gesims stammt aus der frühen Bauzeit. Im frühen 18. Jahrhundert entwickelte sich der Bau zu einem zweigeschossigen, geschlämmten Ziegelhaus. Die Hoffront wird mit elf Achsen beschrieben. Um 1750 wurden die Seitenflügel im Zuge einer Hoferweiterung verlängert. Das Haus erhielt acht zusätzliche kleinere Räume. Diese Erweiterung ist eine prägende Bauphase, da sie den heutigen Grundriss deutlich ausdehnt und die Funktionalität des Hauses an einen gewachsenen Gutsbetrieb anpasst. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Fachwerkstruktur größtenteils durch massives Ziegelmauerwerk ersetzt. An den Gartenfronten blieben größere Fachwerkbereiche erhalten, während die Hoffront durch Ziegelverblendung und Überputzung deutlich verändert wurde.

Spätere Überformungen beeinträchtigen die Lesbarkeit der ursprünglichen Fassadengliederung. Ein später aufgebrachter Glattputz hat architektonische Details überdeckt oder zerstört, die auf älteren Archivaufnahmen noch sichtbar waren. An der Hoffront blieb lediglich ein breites Gurtgesims zwischen den Geschossen erhalten. Solche Verluste gehören zur Geschichte vieler historischer Häuser, die im 20. Jahrhundert durch praktische Eingriffe und vereinfachende Oberflächenbehandlungen ihr Gesicht teilweise einbüßten. Dennoch bleibt Rensow in seiner Grundstruktur klar, vor allem in der Haltung des Baukörpers, in der Dreiflügelanlage, im Dach und in der Proportion. Ein Teil des Hauses ist unterkellert. Solche Maße sind nicht bloß Zahlen.

Der Park in Rensow ist eine über dreihundert Jahre alte Anlage, deren Wurzeln weit tiefer reichen als seine heutige Gestalt. Er entwickelt sich aus der früh geprägten Topografie des Ortes, deren Linien und Grenzen bis heute im Gelände ablesbar sind. Südlich des Gutshauses entstand zunächst eine barocke Gartenanlage, deren klare Gliederung und Ausrichtung auf das Haus den herrschaftlichen Anspruch des Gutes unterstrich. Im 19. Jahrhundert wurde dieser Garten in einen Landschaftspark nach englischem Vorbild umgestaltet. Die formale Strenge wich weicheren Linien, Sichtachsen und Gehölzgruppen, doch die grundlegende Struktur der Anlage blieb erhalten. Der Baumbestand spiegelt diese Entwicklung wider. Neben für Landschaftsparks des 19. Jahrhunderts typischen Gehölzen wie Douglasien, Bergahorn, Amerikanischer Roteiche sowie Rot- und Hainbuchen finden sich auch deutlich ältere Bäume. Dazu zählen die Reste einer alten Linde, eine über 300 Jahre alte Buche sowie eine möglicherweise bis zu 600 Jahre alte Eiche, die den Ort seit Jahrhunderten prägt.

An der nördlichen Grenze des Parks befindet sich der Gutsfriedhof der Familie von Lowtzow, angelegt als Begräbnisstätte der Gutsherren. Kleingewässer und Reste der Wehranlage sind noch erkennbar. Vom einst geschlossenen Wallgraben ist vor allem die Börnung im Nordwesten erhalten.

Kirchlich war Rensow dem Kirchspiel Belitz zugeordnet. Bereits im 16. Jahrhundert bestand hier eine Filialkapelle, die 1769 als baufällig beschrieben wurde. Die Gottesdienste wurden eingestellt, ein geplanter Wiederaufbau jedoch nicht mehr ausgeführt. Zugleich war Rensow fest in die landesherrliche Verwaltung eingebunden. Es erscheint als ritterschaftliches, dem Amt Güstrow zugeordnetes und steuerpflichtiges Gut mit eigener wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.

Im 17. Jahrhundert teilte sich das Geschlecht der von Lowtzow in mehrere Linien. Neben der Linie Levitzow und der Linie Teschow, die beide im 19. Jahrhundert erloschen, entwickelte sich die Linie Rensow weiter und blieb über Generationen mit dem Gut verbunden. Innerhalb dieser Linie kam es im Laufe der Zeit zu weiteren Aufzweigungen. Ein dänischer Zweig der Familie erhielt im Jahr 1777 die dänische Adelsnaturalisation, was die überregionalen Verbindungen des Geschlechts unterstreicht. Im späten 18. Jahrhundert tritt August Friedrich von Lowtzow (1749–1820) hervor, der als Rittmeister und später als Klosterhauptmann wirkte. Neben Rensow erwarb er 1786 auch das Gut Groß Lunow. Rensow blieb dabei der zentrale Sitz der Linie. Im 19. Jahrhundert lag Rensow in den Händen von Adolf Friedrich von Lowtzow (1798–1885). Er war Klosterhauptmann und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Mecklenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens. Unter seiner Verantwortung erscheint Rensow als geschlossenes Gutsensemble mit Hof, Schule, Mühle und umfangreichem Landbesitz. Ihm folgte Adolph August Friedrich von Lowtzow (1855–1935). Im Jahr 1883 heiratete er Bertha von Oertzen. Aus dieser Verbindung ging unter anderem Werner August Erdmann von Lowtzow hervor, der letzte Besitzer des Gutes aus der Familie.

Werner August Erdmann von Lowtzow (1891–1970) wurde am 10. Mai 1891 in Rostock geboren. Er schlug eine militärische Laufbahn ein und diente als Hauptmann im königlich-preußischen Heer. Am 10. August 1919 heiratete er auf Gut Rensow Luise Johanna Elisabeth Wanda Friederike Achime von Plessen. In seiner Person bündelt sich die lange Geschichte der Familie auf dem Gut. Werner von Lowtzow war der letzte Eigentümer von Rensow aus dem Geschlecht der von Lowtzow. Er starb am 26. April 1970 in Niederkleveez in Schleswig-Holstein.

Bis 1945 blieb Gut Rensow im Besitz der Familie von Lowtzow. Mit der Enteignung durch die Bodenreform im Herbst 1945 kam der Einschnitt. Die Familie wurde enteignet und aus Rensow vertrieben, Gut und Dorf voneinander getrennt. Der landwirtschaftliche Besitz ging in eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft über. Das Gutshaus erhielt neue, rein funktionale Nutzungen. Es diente als Flüchtlingsunterkunft, als Wohnraum für Beschäftigte sowie als Kantine und Sozialräume der LPG. Diese Nutzungen hinterließen deutliche Spuren. Räume wurden unterteilt, Leitungen provisorisch geführt, Oberflächen überarbeitet.

Nach 1990 wurde das Gutshaus von der Landwirtschaft getrennt und ging in den Besitz der Gemeinde Prebberede über. Die LPG wurde in eine GmbH umgewandelt und bestand weiter. Für das Gutshaus begann eine schwierige Phase. Seit Mitte der 1990er Jahre stand es weitgehend leer. Leerstand ist bei historischen Häusern selten neutral. Er bedeutet, dass niemand mehr täglich lüftet, niemand mehr heizt und niemand mehr kleine Schäden stoppt. In Rensow lässt sich der Verfall konkret benennen. Regenrinnen wurden nicht gereinigt, dadurch drang Wasser ein. Feuchtigkeit setzte sich fest. Hinzu kamen Vandalismus und Müllablagerungen in Räumen und Kellern.

In einer Verkaufsanzeige wurde das teilweise leerstehende Gutshaus Rensow folgendermaßen beworben: Zweigeschossiges Gebäude, unterkellert. Die Dachsteineindeckung ist verschlissen. Schädlingsbefall in der Dachkonstruktion und starke Querschnittsschwächung. Das Verputzte Mauerwerk weist Schäden auf, Holzfenster sind vorhanden. Die Beheizung erfolgt mittels Öfen. Sanitäre Einrichtungen in einfachster Ausstattung mit einem Gemeinschaftsbad und 3 WC-Anlagen. Die Elektroinstallationen sind verschlissen. Die Leitungen sind auf Putz verlegt.

2002 wurde das Gutshaus von der Gemeinde Prebberede verkauft. Die neuen Eigentümer sind Christina Ahlefeldt-Laurvig und Knut Splett-Henning. Seit 2003 engagieren sie sich für den Erhalt, die Sicherung und die Sanierung des Gutshauses. Später sollten viele weitere Schritte folgen. Zu Beginn standen Entsorgungsarbeiten. Nachträglich eingezogene Wände, Verschläge und Verhaue wurden beseitigt. Es ging darum, die ursprünglichen Räume wieder sichtbar zu machen. Schäden an Wasserleitungen, Fenstern und am Dach wurden behoben. Im Herbst 2003 wurde eine Heizung eingebaut. Schadhafte Böden wurden entfernt. Brauchbares historisches Material wurde gesichert. Stromzuleitungen wurden unterirdisch verlegt. Im Frühjahr 2004 begannen die Fassadenarbeiten. Ein dicker, gespritzter Zementputz wurde entfernt. Die Fassadenarbeiten wurden abgeschlossen. Es bestand die Absicht, den lange dominierenden Grauton durch einen freundlicheren Farbton zu ersetzen. Parallel dazu wurde der ehemalige Parkbereich von Unrat befreit, auch durch Maßnahmen der Gemeinde.

Im August 2005 folgten die ersten 43 aufgearbeiteten Fenster. Zugleich wurde das Haus wieder mit Leben gefüllt. Neben zwei langjährigen Mietern entstanden ein eigener Wohnbereich sowie zwei weitere vermietete Wohneinheiten. Bis heute wird das Gutshaus häufig als Schloss bezeichnet. Solche Bezeichnungen sind selten genau, sagen aber etwas über die Wahrnehmung aus. Mittlerweile ist das Gutshaus Rensow durch die Dokuserie Mit Mut, Mörtel und ohne Millionen oder der ARD Room Tour bundesweit bekannt geworden. Im Gutshaus befinden sich mehrere Ferienwohnungen. Christina Ahlefeldt-Laurvig und Knut Splett-Henning haben dem barocken Gutshaus Rensow nicht nur eine Chance, sondern auch eine Zukunft gegeben. Rensow steht inzwischen Pate für mehrere gerettete Gutshäuser der beiden Gutshausretter.

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen oder vielleicht sogar alte Fotos zu diesem Gutshaus? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail an kruse@historische-haeuser.com

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