Das Gutshaus Vilz im ehemaligen ritterschaftlichen Amt Gnoien gelegen, steht in unmittelbarer Nähe zur Dorfkirche. Zur Parkseite fällt die offene Landschaft leicht ab und öffnet den Blick über die angrenzenden Feldfluren auf die Blumenstadt Tessin. Das heutige Gutshaus steht auf älterem Fundament und bildet den baulichen Kern des ehemaligen Gutes.
Der Ort Vilz gehört zu den früh belegten Siedlungen Mecklenburgs. Bereits im Jahr 1178 wird Vilz im Zusammenhang mit einer Schenkung Herzog Kasimirs von Pommern an den Bischof Berno von Schwerin im Land Circipanien genannt. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammen vom 5. August 1236. In einem Vertrag zwischen dem Bischof Brunward von Schwerin und Fürst Johann von Mecklenburg über strittige pommersche Gebiete der Schweriner Diözese werden vier Hufen bei Vilz genannt. Der Ortsname erscheint in dieser Quelle in der Form Vylistyz und wird auf eine altslawische Wortwurzel zurückgeführt. In der genealogischen Überlieferung wird diese Übereinkunft von 1236 zudem in einem konkreten Zusammenhang gesehen, nämlich als Regelung um Zehntrechte, bei der dem Fürsten als Gegenleistung vier kleine Höfe bei Vilz zugestanden wurden.
Zu dieser Zeit bestand bereits eine Kirche, die dem Apostel Jakobus geweiht war. Die Weihe des Altars wird für das Jahr 1232 überliefert. Das Kirchenpatronat lag von ältester Zeit an bei der Familie von Moltke. Im ausgehenden 13. Jahrhundert ist Vilz als Kirchspiel privaten Patronats belegt. Für das Jahr 1288 wird Vilz unter den kleineren Kirchspielen des Landes Gnoien genannt. Auch die Ausstattung der Kirche stand unter dem Einfluss der Familie von Moltke. So stiftete Cord von Moltke († nach 1611) gemeinsam mit seiner Ehefrau im Jahr 1611 Glasmalereien für die Kirche von Vilz, die noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts bezeugt sind, später jedoch verloren gingen. In der Kirche hat sich zugleich ein Zeichen der späteren Gutsherrschaft erhalten. Vor dem Altar liegt eine Grabplatte, die Adam Joachim von Koss im Jahr 1703 für sich und seine Ehefrau anfertigen ließ.
Von 1236 bis 1684 befand sich das Gut Vilz im Besitz der Familie von Moltke. Sie saß als Grundherrschaft auf Vilz und übte zugleich das Patronatsrecht über die Kirche aus. Für das späte 14. und frühe 15. Jahrhundert sind mehrere Angehörige des Geschlechts mit Rechten in Vilz belegt. Heinrich Moltke in Toitenwinkel (1382-1415), Ritter, verfügte über Rechte in Vilz. Ebenso wird der Knappe Johann Moltke in Strietfeld (1365-1407) als Inhaber von Rechten in Vilz genannt. Ein weiterer Vertreter des Geschlechts mit direktem Bezug zu Vilz ist Gebhard von Moltke (1502-vor 1586), er verfügte ebenfalls über Rechte in Vilz. Im Jahr 1560 stellte er Baumaterial aus der abgebrochenen Heiliggeistkapelle bei Laage für die Kirche in Vilz zur Verfügung. Später erfolgte seine Beisetzung in der Kirche von Vilz. Gebhard von Moltke bekleidete darüber hinaus landrätliche Ämter und war im Jahr 1547 als einer der mecklenburgischen Kirchenvisitatoren tätig, die mit der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse betraut waren. Letzter Besitzer des Gutes war Levin Claus von Moltke († 1662). Er war landesherrlicher Hofbeamter und stand im Dienst des Gottorfer Hofes, wo er als Kammerjunker, Hofrat und Geheimer Rat tätig war. Nach seinem Tod wurde das Gut durch seine Töchter veräußert.
Im Jahr 1684 ging das Gut Vilz aus dem Besitz der Familie von Moltke in den Besitz der Familie von Koss über. Käufer war Adam Joachim von Koss (1634-1712). Er erwarb das Gut für 5.500 Gulden von Bent (Bendix) von Ahlefeld und Claus Christoph von Thienen zu Rappenstorf, die im Namen ihrer Ehefrauen Marie Elisabeth von Moltke und Hedwig Eleonore von Moltke handelten. Im Jahr 1694 löste Adam Joachim von Koss die dem Kammerjunker Ehrenreich von Moltke zustehende Lehensberechtigung am Gut Vilz aus. Mit einem Lehnbrief Herzog Gustav Adolphs vom 7. Juni 1694 erhielt er die volle Verfügung über Vilz. Am 10. Februar 1702 folgte durch Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg ein erneuerter Lehnbrief über das Gut Vilz, der die Stellung Adam Joachim von Koss als alleinigen Inhaber der Rechte bekräftigte. Im Zuge der Neuordnung seiner Besitzverhältnisse konzentrierte er seine Rechte auf Vilz und übertrug seine Rechte am Gut Teschow an seinen Verwandten Claus Christoph von Koss, Herr auf Wichmannstorf. Adam Joachim von Koss war verheiratet mit Catharina Elisabeth von Heinen (1703). Sie war Schwester des kommandierenden Generals in Norwegen Albrecht Christopher von Heinen (1651-1712) und Tochter des herzoglich mecklenburgischen Rats Hans Albrecht von Heinen zu Göttin und der Metha Elisabeth von Cramon. Adam Joachim von Koss verstarb 1712.
Nach seinem Tod fiel Vilz an seine Söhne Gustav Henrik von Koss und Johan Christopher von Koss. Gustav Henrik von Koss erhielt am 18. Juli 1713 einen Lehnbrief für sich und seine agnatischen Nachkommen und wurde durch Abfindung seines Bruders sowie zweier Schwestern alleiniger Eigentümer des Gutes. Um 1716 heiratete er Maria Elisabeth Classen (1732), Tochter des holsteinischen Landinspektors Lorenz Classen und der Aurora Rosina von Wedekopp. Nach dem Tod Maria Elisabeth Classens im Jahr 1732 ging Vilz an den einzigen Sohn über. Ihm folgte 1732 Gustav Adolph von Koss, der am 4. Juni 1762 in Vilz verstarb. Gustav Adolph von Koss war verheiratet mit Dorothea Maria von Zülow, Tochter des holsteinischen Kapitäns Jürgen von Zülow und der Ilsabe Margaretha von Sittmann. Das Paar hatte drei Töchter, die in jungem Alter starben, sowie einen Sohn Jürgen von Koss (1746-1783). Er war seit 1778 verheiratet mit Catharina Sophia von Sternbach, Tochter des mecklenburgischen Kapitäns Johan Georg von Sternbach und der Catharina von Zülow. Die Ehe blieb kinderlos. Mit dem Tod Jürgen von Koss im Jahr 1783 erlosch diese Linie.
Die Erbfolge ging auf die norwegische Linie der Familie von Koss über. Am 23. Dezember 1784 übernahm Peter Tønder von Koss (1755-1793) das Gut Vilz als Alleinbesitzer. Er war verheiratet mit Hippolyta Christine Rye (1760-1823), Tochter des Kopenhagener Schneiders Christian Rye und dessen Ehefrau Christina. Nach dem Tod Peter Tønder von Koss im Jahr 1793 nahm Hippolyta Christine von Koss festen Aufenthalt auf Vilz. Im Jahr 1793 erhielt sie die Bewilligung, im ungeteilten Nachlass zu bleiben. Eine ihr zuerkannte jährliche Pension war an die Bedingung geknüpft, dass sie nachweise, keine bedeutenden Einkünfte aus Vilz zu beziehen. Aus der Ehe werden fünf Kinder genannt. Ein auf Vilz ausgestelltes Geschäft aus dem Jahr 1794 unterstreicht die Rolle des Gutes als Witwensitz.
Im Jahr 1800 kam es zu einem Erbstreit um Vilz. Johan Christopher von Koss (1731-1811), Kapitän und in seinen späteren Jahren in Bergen lebend, erhob im eigenen Namen und im Namen seiner Töchter Ansprüche gegen die Witwe Hippolyta Christine von Koss und deren minderjährige Kinder. Er begründete dies damit, er halte sich für näher berechtigt und habe vom Proklama des Jahres 1783 über den Übergang des Gutes an die norwegische Linie keine Kenntnis gehabt. Der Rechtsstreit endete 1807 mit einem Vergleich. Gegen Zahlung von 1.400 Reichstalern, zahlbar in drei Raten bis 1809, verzichtete der Anspruchsteller auf alle Forderungen gegenüber den gegenwärtigen und künftigen Eigentümern.
Im Jahr 1815 übertrug Hippolyta Christine von Koss das Gut Vilz an ihre Söhne Adam Joachim von Koss (1789-1856) und Johan Christopher von Koss (1790-1827). Adam Joachim von Koss wurde am 11. August 1789 auf Vilz geboren und starb am 14. Mai 1856 in Rostock. Nach dem Tod seines Bruders im Jahr 1827 wurde Adam Joachim von Koss alleiniger Eigentümer. Er bewirtschaftete das Gut zunächst selbst, verzeichnete jedoch rückläufige Erträge. 1852 entschloss er sich zur Verpachtung, 1855 zur Veräußerung. Der Verkauf des Gutes Vilz erfolgte im Jahr 1855 an Dr. Carl Siegmund Wilhelm Friedrich Baron Waitz von Eschen auf Dudendorf. Die Familie Waitz von Eschen stammt ursprünglich aus der Nähe von Kassel. Damit endete der Familienbesitz der Familie von Koss auf Vilz, der seit dem Erwerb von 1684 bestanden hatte.
Der Baron verkaufte das Allodialgut kurze Zeit wieder und am am 8. und 9. Juli 1901 wurde jeweils ein Protokoll zum Verkaufskontrakt erstellt. Ab dem Jahr 1901 gehörte Vilz dem königlich-preußischen Generalleutnant Willy Karl Heinrich Martin Gottlieb von Haeseler (1841-1927), der im nahe gelegenen Gut Brookhusen geboren wurde. Willy von Haeseler entstammte einer mecklenburgischen Linie des Geschlechts Haeseler, die 1801 in den Reichsadelsstand erhoben wurde und ihre Wurzeln in einem im 16. Jahrhundert in Goslar lebenden Familienzweig sah. Am 4. Juli 1873 heiratete Willy von Haeseler in Schwerin Cäcilie von Oertzen (1843-1919), seine zweite Ehefrau. Im Jahr 1902 wurde er als Gutsherr auf Vilz mit 824 Hektar in die mecklenburgische Ritterschaft aufgenommen. Nach dem Ersten Weltkrieg war er von 1919 bis zu seinem Tod der fünfte Kommendator der Mecklenburgischen Genossenschaft des Johanniterordens. Über mehr als 30 Jahre war er Mitglied des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Zudem war er langjähriges Mitglied im Verwaltungsvorstand des Stifts Bethlehem in Ludwigslust.
Das Gutshaus wurde um 1905 baulich erweitert und in seiner damaligen Form neu gefasst, wobei ältere Bauteile einbezogen wurden. Im Eingangsbereich sowie rechts und links der Diele bestanden weiterhin ältere, kleinere Räume, was sich an ausgemauerten Fachwerkwänden in der Diele und in den angrenzenden, ehemals kleineren Zimmern zeigt. In einem Plan von um 1720 ist das Haus quadratisch dargestellt. Um 1905 wurden demnach jeweils rechts und links zusätzliche Zimmer angefügt. Die Fundamente, auch an den neueren Anbauten, wurden als Feldsteinfundamente ausgeführt. Das Gutshaus ist als zweigeschossiger Putzbau angelegt und wirkt in seiner Grundform streng und ausgewogen. Die Fassade ist fünfachsig gegliedert und erhält ihre Betonung durch einen dreiachsigen Mittelrisalit. Darüber liegt ein Walmdach, dessen ruhige, flächige Wirkung von kleinen Spitzluken belebt wird. Die Mittelzone wird durch einen Segmentgiebel akzentuiert, der neorenaissanceartig überformt ist. In ihm sitzen ein Zwillingsfenster und ein Okulus, die dem Bau ein historisierendes Gepräge geben, ohne die klare Gesamtordnung zu stören. Der Sockelbereich zeigt ein Feldsteinfundament, das den Bau optisch erdet und zugleich auf den älteren Kern verweist. An den Fensteröffnungen sind Backsteine als Fassung erkennbar, ein Detail, das den Putzflächen Struktur verleiht und die Fassadengliederung präzisiert. Überliefert ist zudem eine rechtsseitige Holzveranda, die den Bau zur Gartenseite hin ergänzt. Das Gutshaus wurde wenige Jahre später um zwei Seitenflügel erweitert. Der linke Flügel entstand um 1910 und wird durch einen neorenaissanceartigen Ziergiebel betont. Um 1920 folgte der rechte Flügel, der den Baukörper zu einer breiter gelagerten, gutshoftypischen Anlage ergänzt.
Nach dem Tod Willy von Haeselers wurde 1928 das Gut als Siedlungsgut verkauft. Danach wurde das Gutshaus bis etwa 1964 überwiegend als Schule genutzt. Eine Ausnahme bildet die unmittelbare Nachkriegszeit 1945 und 1946, in der das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft und Altenheim diente. Herr D. Janssen war bis 1945 Eigentümer des Restgutes, bewohnte jedoch nicht das Gutshaus selbst, sondern das ehemalige Verwalterhaus. Nach 1964 erfolgte der Umbau zu Wohnzwecken. Noch 2004 befand sich das Gutshaus im Besitz der kommunalen Tessiner Wohnbau Gesellschaft.
Im Jahr 2004 erwarben H.-Jürgen Kuhrt und Albrecht W. Bolz das Haus. Seitdem wird es schrittweise saniert und an wesentlichen Stellen wieder an seine ursprüngliche Form herangeführt. Die Raumaufteilung, die Achsenordnung der Fassaden sowie die Dreiteilung des Eingangs sind wiederhergestellt. Das Erdgeschoss ist vollständig saniert und im Stil des damaligen Zeitgeschmacks eingerichtet. Im Gutshaus befindet sich zudem eine große Bibliothek für Familienforscher, die auf Anfrage genutzt werden kann. Einige Wirtschaftsgebäude der Gutsanlage sind in Vilz noch erhalten.

