Das Gutshaus Ziesendorf liegt inmitten einer sanft gewellten Grundmoränenlandschaft, rund zwölf Kilometer südöstlich der Hansestadt Rostock. Es steht eingebettet zwischen den Niederungen des Waidbachs und der Beke, einem linken Nebenfluss der Warnow. Das Gutshaus steht frei im ehemaligen Gutsareal und ist über eine beidseitige Auffahrt von der Hoffront aus erschlossen. Wirtschaftsgebäude schließen sich dem Hofbereich an, der Park liegt rückwärtig des Hauses.
Der Ort Ziesendorf wurde im Jahr 1298 erstmals urkundlich als Cisendhorp erwähnt. Weitere belegte Namensformen sind Cisendorp im Jahr 1301 und Cysendorp im Jahr 1344. Der Name, slawischen Ursprungs, deutet als „Dorf der čiž“ auf eine frühe Besiedlung hin. Neben vier Großsteingräber aus der Steinzeit, die man in einem Waldstück südwestlich von Ziesendorf findet, ist in der Nähe zum heutigen Gutshaus ein mittelalterlicher Turmhügel erkennbar.
Eine entscheidende Zäsur in der Besitzgeschichte Ziesendorfs markiert das späte 14. Jahrhundert. Am 31. August 1397 verlieh Albrecht, König von Schweden und Herzog zu Mecklenburg, das Dorf und Gut Ziesendorf, bezeichnet als „dat dorp tho Zysendorpe und dat gantze guet“, an den Ritter Heinrich von Reventlow (1378–1414) aus Harmstorf. In der in Doberan ausgestellten Urkunde behielt sich der Herzog eine jährliche Abgabe von 24 Schilling Lübisch aus der Bede vor. Als Zeugen fungierten der Abt Johan von Doberan sowie die Ritter Werner von Axekow und Arent Kran. Mit dieser Belehnung begann die jahrhundertelange Besitzgeschichte des Gutes unter der Familie von Reventlow. Die Familie von Reventlow ist seit dem frühen 13. Jahrhundert im norddeutschen Raum nachweisbar. Der Begründer der mecklenburgischen Linie der Familie von Reventlow war der Ritter Detlev von Reventlow, der zwischen 1236 und 1261 urkundlich erwähnt wird. Mit dem Aussterben des Gallentiner Zweiges erlosch 1772 auch die mecklenburgische Linie. Hinrich von Reventlow war in den folgenden Jahren mehrfach als Zeuge und Mitverpflichteter tätig und bekleidete spätestens 1399 das Amt des Vogts zu Schwaan. Er war mit Elisabeth Barfus verheiratet.
Ihm folgte sein Sohn Henneke von Reventlow, auch Henning genannt, der spätestens seit 1419 als zu Ziesendorf gehörig belegt ist. In diesem Jahr erscheint er als Mitbürger für Herzog Albrecht V. von Mecklenburg. Er war mit Adelheid von Levetzow aus dem Hause Lünow verheiratet. Aus der Ehe ging der Sohn Hinrich von Reventlow hervor. Hinrich von Reventlow (1456–1494) ist mehrfach im landesherrlichen und städtischen Umfeld nachweisbar und wurde 1442 in Leipzig immatrikuliert. In den folgenden Jahrzehnten erscheint er wiederholt in mecklenburgischen Urkunden. Er war mit Ilsabe von Axekow aus den Häusern Blangow und Varenholz verheiratet. Sein Sohn Henneke von Reventlow übernahm den Besitz in Ziesendorf.
Henneke von Reventlow war über mehrere Jahrzehnte Besitzer von Ziesendorf. Bereits 1494 wohnte er mit seinem Vater auf dem Gut. In den folgenden Jahren tritt er mehrfach im landespolitischen Zusammenhang hervor, unter anderem 1506 mit eigener Gefolgschaft, 1523 als Mitversiegler der Mecklenburgischen Union und 1545 im Landregister. Er war mit Dorothea von Lehsten verheiratet. Zu seinen Söhnen zählte Lorenz von Reventlow. Lorenz von Reventlow (1525-1596) führte Ziesendorf gemeinsam mit weiteren Gütern. Im Jahr 1547 wurde er in der Schlacht bei Drakenburg schwer verwundet. Er war mit Anna Clausdatter von Below aus dem Hause Golitz verheiratet. Aus der Ehe ging unter anderem Henning von Reventlow hervor, der Ziesendorf übernahm.
Henning von Reventlow (1551–1624) war Besitzer von Ziesendorf sowie von Reetz und Brockhusen und trat als erster Vertreter der mecklenburgischen Linie der Familie in den Dienst der dänischen Könige. Er war zunächst Hofjunker und Kammerjunker König Friedrichs II. von Dänemark, später Lehnsmann verschiedener dänischer Ämter und seit 1608 mecklenburgisch-güstrowscher Landrat. Seit den 1570er Jahren bekleidete er verschiedene Hof- und Verwaltungsämter in Dänemark. Ab 1608 war er mecklenburgisch-güstrowscher Landrat und ist im Juni 1610 ausdrücklich als Landrat auf Ziesendorf belegt. Unter seiner Besitzzeit wurde das Gut mehrfach als Schauplatz politischer und rechtlicher Vorgänge genutzt, darunter im Jahr 1611 die Verhandlungen zum Fahrenholzer Teilungsvertrag. Im heutigen Ortsteil Fahrenholz, damals ein Meierhof des Gutes, wurde am 9. Juli 1611 der Fahrenholzer Teilungsvertrag ausgehandelt und geschlossen. Der Vertrag regelte als Interimsvereinbarung die vorläufige Aufteilung der Ämter und Einkünfte zwischen den Herzögen Adolf Friedrich I. und Hans Albrecht II. und bereitete die spätere Hauptlandesteilung von 1621 vor. Henning von Reventlow war zweimal verheiratet, zuletzt mit Sophie Sperling von Rüting, und als dänischer Geheimer Rat tätig. 1611 schloss Henning von Reventlow einen Ehevertrag für seine Tochter Anna Valentina mit Sivert von Oertzen ab, in dem Brautschatz und Aussteuer detailliert festgehalten wurden. Die Mitgift umfasste einen Brautschatz von 6.000 Gulden, goldene Ketten im Wert von 300 Goldgulden sowie weiteres Ornament- und Schmuckgeld in Höhe von 1.500 Gulden. Zur Aussteuer gehörten vier stehende Betten, 30 Paar Bettlaken, 30 Tischtücher sowie diverse Messingbecken und Leuchter.
Detlev von Reventlow (1600–1664), Sohn von Henning von Reventlow, wurde in Ziesendorf geboren. Er trat früh in diplomatische und landesherrliche Dienste ein und wirkte später als dänischer Geheimer Rat und Kanzler der Deutschen Kanzlei. Er war zuerst mit Dorothe von Pogwisch verheiratet; nach deren Tod im Jahr 1635 heiratete er ein Jahr später Christina Henriksdatter von Rantzau. Obwohl Ziesendorf zu den Herkunftsgütern dieser Linie zählte, verlagerte sich der Besitzschwerpunkt Detlev von Reventlows im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts auf neu erworbene Güter Futterkamp und Neustein in Holstein. Damit endete die unmittelbare Bindung der Familie von Reventlow an Ziesendorf. Von seinen Söhnen traten mehrere in den Dienst der dänischen Könige. Conrad von Reventlow (1644–1708) wurde 1673 in den erblichen dänischen Grafenstand erhoben und 1706 in den Reichsgrafenstand. Er war seit 1699 dänischer Großkanzler.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg lockerte sich die Bindung der Reventlows zu Ziesendorf, und das Gut ging in den Besitz der Familie von Petersdorff über. Zum ersten mecklenburgischen Haus der Familie von Petersdorff gehörte Bogislav Ernst von Petersdorff, der vor 1630 in Ziesendorf bei Schwaan geboren wurde. Er war herzoglich mecklenburgischer Landrat, Hofgerichtsassessor sowie Amtshauptmann zu Lübz und Crivitz. Neben Ziesendorf, das einen Umfang von 746 Hektar hatte, besaß er von 1701 bis 1713 das Gut Lüsewitz mit 1.408 Hektar sowie Gustävel mit Schönlage im Umfang von 1.355 Hektar. Im Jahr 1660 erwarb er Brüel. Am 12. Februar 1658 heiratete Bogislav Ernst von Petersdorff in Brüel die erst 15 Jahre alte Anna Margaretha von Warnstädt. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Zu den Kindern des Ehepaares gehörte Levin Detlef von Petersdorff (1662–1685). Er trat in herzoglich braunschweig-lüneburgische Militärdienste ein und starb 1685 in Mähren als Leutnant im Krieg gegen die Türken. Bis zum Jahr 1759 lenkte Helmuth von Petersdorff, Hofgerichtspräsident in Güstrow und Landrat, die Geschicke Ziesendorfs.
1775 ging das Gut in den Besitz des herzoglich württembergischen Rittmeisters Joachim Heinrich Christian von Müller über, der 1775 durch Kaiser Joseph II. in Wien in den Adelsstand erhoben wurde. Zusammen mit seiner Ehefrau Juliane von Rieben behielt er den Besitz für elf Jahre. Von 1786 bis 1802 gehörte das Gut dem Geheimen Kriegsrat Franz Ludwig Wilhelm von Reden.
Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts ging das Gut in bürgerliche Hände über, eine für Mecklenburg in dieser Zeit typische Entwicklung. Magnus Friedrich Helm erwarb Ziesendorf 1802. Nach seinem Tod 1809 verwalteten seine Erben den Besitz gemeinschaftlich, bis die Witwe Magdalene Helm, eine geborene Hauschild, das Gut von 1821 bis 1837 übernahm. Im Jahr 1837 erbten die Geschwister von Nußbaum das Anwesen von der Witwe Helm. Ab 1855 bewirtschaftete Christian Magnus Vollrath Evasio von Nußbaum zusammen mit seiner Ehefrau Julie, geborene von Ladiges, das Gut. Während seiner Besitzzeit erfolgte der Durchbau und die Erweiterung eines älteren Vorgängerbaus. Ab 1863 wurde das heutige Gutshaus vom Wismarer Heinrich Thormann erbaut.
Der Neubau wurde als zweigeschossiger Baukörper über sieben Achsen ausgeführt. Das Gebäude steht über einem abgesetzten Sockel aus behauenem Granit und verfügt über ein hohes Kellergeschoss. Es erhielt ein Walmdach und wurde im Stil der neugotisch geprägten Tudor-Neogotik gestaltet. An der rechten Gebäudeseite entstand ein markanter Turm mit Zinnenkranz. Dieser Turm ist beinah identisch mit dem von Thormann 1860 erbauten Turm in Gamehl. Über dem im Erdgeschoss eingestellten Portal befanden sich eine Bogenloggia sowie ein ursprünglich gerade abschließender, mit Wappenzier geschmückter Giebel. Die flankierenden Fensterachsen waren im Erdgeschoss dreiteilig ausgebildet, darüber gekoppelt und schwach kielbogig geschlossen. Auch an der Rückseite zeigte sich ein Turmfragment. An der linken Giebelseite des Haupthauses befand sich ein Wintergarten mit einem oberen Austritt, der als zinnenumwehrte Terrasse ausgeführt war. Um 1870 entstand eine Parkanlage im englischen Stil, die von einer Weißdornhecke umgeben war.
Im Juli 1871 veräußerte Christian Magnus Vollrath Evasio von Nußbaum das Gut einschließlich Feldwirtschaft und Inventar für 963.000 Mark an den Güstrower Ludwig Johann Adolph Iven (1828–1911).
Im Jahr 1895 erwarb der herzogliche Oberamtmann Alfred Brumme (1857–1923) das Allodialgut. Unter seiner Regie umfasste der Betrieb eine Fläche von ca. 746 bis 757 Hektar und beinhaltete neben der Landwirtschaft auch eine eigene Schule und eine Schmiede. Zwischen 1894 und 1913 kam es zu Umbauten und Überformungen des Herrenhauses, die zu einer einheitlichen Wandlung der Baugestalt führten. In dieser Phase wurden der Turm mit Zinnenkranz sowie der wappengeschmückte Giebel über dem Portal abgetragen. An der rechten, östlichen Seite entstand ein zurückgesetzter Wirtschaftsanbau mit acht Achsen. Zur Parkseite erhielt dieser Anbau einen weit vorspringenden polygonalen Bauteil. Für diese Umbauten hatte Brumme vermutlich den Architekten Paul Korff engagiert. Alfred Brumme verstarb 1923; sein Grabstein befindet sich noch heute im Gutspark. Die Witwenzeit seiner Frau Margarethe Brumme, geborene Held, erstreckte sich über die wirtschaftlich schwierigen Jahre der Weimarer Republik bis 1941. In der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs, von 1941 bis 1945, ging das Eigentum an die Töchter Hilde Schallehn und Ruth Baier (beide geborene Brumme) über. Die tatsächliche Leitung des Gutes lag in diesen Kriegsjahren in den Händen des Schwiegersohns Ernst Schallehn. 1941 legte die Familie noch einen Rosengarten an.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 endete die Geschichte des privaten Gutsbesitzes durch Enteignung. Das Herrenhaus diente fortan der Unterbringung von Flüchtlingen und wurde vielfältig genutzt: als Wohnraum, für Büros und als Standort einer Kindertagesstätte. Der Park verwilderte und wurde 1964 erstmalig aufgeräumt. 1970 entstand ein Schulneubau im westlichen Teil des Parks. 1980 wurden bei Dachsanierungen die Türme des Gutshauses bis zur Dachschräge sowie Zierputz entfernt. 1990 kam es zu einem Wasserschaden. Während das Parterre durch die Nutzung als Kindergarten dauerhaft belebt blieb, litt die übrige Bausubstanz in der DDR-Zeit und den Nachwendejahren unter erheblichem Verfall und Investitionsstau. Bereits 1987 erfolgte die Instandsetzung des Parks und Wege wurden feinplaniert. Nach 1990 waren hier neben der Kita, noch das Gemeindebüro, die Post und ein ABM-Raum. Ab 1994 wurden zusätzlich vier Schulklassen untergebracht.
Seit dem 25. November 1997 war das Gutshaus der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH zugeordnet. Gegen diese Zuordnung legte die Gemeinde Ziesendorf Widerspruch ein. Im Jahr 1999 wurde das Gutshaus als Denkmal geführt, ebenso zwei Feldsteinställe. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich im Gebäude ein Kindergarten, Büroräume und Wohnungen. Erst in jüngerer Vergangenheit wendete sich das Blatt. Ab 2004 wurde das Gutshaus Ziesendorf umfassend saniert, der Anbau abgerissen und das Gutshaus einer neuen Bestimmung zugeführt. Zusätzlich erhielt das Gutshaus seinen Turm wieder. 2009 erfolgt ein Rückschnitt der Bäume im Park. Zehn Jahre später wird die Grundschule abgerissen. Heute beherbergt es unter dem Namen „Kinderschloss“ wieder eine privat geführte Kindertagesstätte.

