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Herrenhaus Johannstorf © Historische Häuser

Historische Häuser im Gespräch: 1. Folge | Herrenhaus Johannstorf

Historische Häuser im Gespräch ist eine Gesprächsreihe von Juliane Kruse. Es geht um die Gutshäuser, Herrenhäuser und Schlösser sowie über die Themen, die deren Erhalt heute bestimmen.

Diese Folge erscheint genau ein Jahr nach dem Brand im Herrenhaus Johannstorf in Mecklenburg Vorpommern. Ende Oktober 2025 hatte ich die Gelegenheit, mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt Dassow, Herrn Kuhfuß, über die Situation in Johannstorf zu sprechen. Inzwischen hat Dassow eine neue Bürgermeisterin, Kerstin Weiss.

Im Gespräch mit Herrn Kuhfuß geht es um die Ereignisse des Brandes, um die Herausforderungen der Notsicherung und um den Umgang mit historischer Bausubstanz. Es geht auch um die Frage, wie ein so besonderes Denkmal wie Johannstorf eine Zukunft finden kann.

Das komplette Gespräch finden Sie auf Spotify. 

Das Gespräch wurde im Oktober 2025 aufgezeichnet. 

hh im gespräch cover

Herr Kuhfuß, Sie waren selber beim Brand des Herrenhaus Johannstorf dabei. Sie sind Feuerwehrmann und waren dort vor Ort im Einsatz. Wie hat sich das ergeben? Was war das Besondere an diesem Brand? Wie verliefen die Löscharbeiten?

Wir waren am Morgen gegen sieben Uhr nach der Alarmierung vor Ort und haben festgestellt, dass das Herrenhaus bereits im Vollbrand stand. Der gesamte Dachstuhl und große Teile des Innenbereichs, besonders der Mittelteil, standen in Flammen. Die Flammen schlugen sichtbar aus dem Dach, einzelne Reste der Dachkonstruktion waren zwar noch vorhanden, doch es war schnell klar, dass sich der Einsatz auf das Ablöschen konzentrieren würde und kaum noch etwas zu retten war.

Wir haben uns dann von beiden Seiten mit dem nötigen Sicherheitsabstand angenähert, da jederzeit Balken oder Teile der Gesimse hätten abstürzen können. Die Gesimse waren bereits stark beschädigt. Unser erstes Ziel war es, im unteren Bereich des Hauses zu verhindern, dass sich der Brand nach rechts und links ausbreitet. Da die Drehleiter wegen der nicht nutzbaren Brücke nicht auf die Insel gebracht werden konnte, mussten wir das Dach von außen mit Wasserwerfern löschen. Diese wurden so ausgerichtet, dass der Wasserstrahl bogenförmig auf das Dach wirkte. Eine nachgeforderte Drohne hat uns dabei unterstützt, die genauen Brandherde von oben zu sehen und die Wasserwerfer entsprechend einzustellen.

In einigen Medien war zu lesen, die Feuerwehr habe das Gebäude kontrolliert abbrennen lassen. Wie beurteilen Sie diese Darstellung?

In einem Fall wurde sogar behauptet, wir hätten den Einsatz bereits eine Stunde nach Bekanntwerden des Brandes beendet. Unser Ziel war selbstverständlich die Brandbekämpfung. Technisch war es unter den Bedingungen jedoch nur möglich, über mehrere Stunden hinweg von außen mit Wasserwerfern und Strahlrohren zu arbeiten.

Gibt es inzwischen Erkenntnisse zur Brandursache oder dazu, wo der Brand entstanden ist? Nein. Es gibt bisher keine neuen Erkenntnisse. Die Brandursachenermittler waren am Tag des Brandes sowie am Folgetag vor Ort. Was im weiteren Verlauf ermittelt wurde, ist uns nicht bekannt. Von der Staatsanwaltschaft wissen wir lediglich, dass wegen Brandstiftung ermittelt wird. Das ist der Stand vom Brandtag und dem Folgetag.

Werden die Ermittlungsergebnisse zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht, oder verbleiben sie vollständig bei der Staatsanwaltschaft?

Nach meiner Erfahrung ist es sehr schwer, an solche Ermittlungsergebnisse zu gelangen. Ein berechtigtes Interesse hat in erster Linie die Versicherung. Wir stimmen uns regelmäßig mit ihr ab, aber bislang liegen auch dort keine neuen Informationen vor.

Bereits einige Monate vor dem Brand begann die Rückübertragung des Herrenhauses an die Stadt Dassow. Zuvor befand sich das Gebäude in Privatbesitz. Wie kam es zu diesem Schritt?

Der Prozess der Rückübertragung begann schon deutlich früher. Die Stadt hatte darauf gedrängt, dass die vertraglich vereinbarten Maßnahmen am Herrenhaus umgesetzt werden. Die Denkmalschutzbehörde war eng eingebunden und hatte konkrete Auflagen formuliert, sowohl hinsichtlich der Arbeiten als auch der finanziellen Verpflichtungen.

Es stellte sich heraus, dass diese Maßnahmen weder in Art noch in Umfang erfüllt worden waren. Im ursprünglichen Kaufvertrag vor ungefähr zwanzig Jahren war festgelegt, dass das Objekt bei Nichterfüllung der Pflichten an die Stadt zurückfällt. Dieses Rückübergabe musste nun geltend gemacht werden. Der Eigentümer war zuvor mehrfach angesprochen und angeschrieben worden, hatte sich jedoch nicht bewegt.

Das geschah im Rahmen eines Notartermins Ende Dezember 2024. Der damalige Eigentümer musste dafür nicht anwesend sein. Die Stadt konnte anhand der vorliegenden Unterlagen nachweisen, dass die vertraglichen Verpflichtungen nicht eingehalten worden waren. Mit der Unterschrift waren wir Besitzer, auch wenn die Eigentumsumschreibung noch ausstand. Mit dem Rückübertragungsvertrag gingen alle Rechte und Pflichten bereits auf uns über, weshalb wir ab dem 1. März entsprechend handeln mussten.

Hinweis: Mittlerweile ist die Stadt Dassow auch als Eigentümer im Grundbuchamt eingetragen.

Herr Kuhfuß, Sie waren damit unmittelbar in einer Doppelfunktion tätig. Wie haben Sie diese Rolle erlebt?

Genau. Das war hilfreich, weil ich vor Ort unmittelbar ansprechbar war. Gleichzeitig war ich aber auch operativ in das Einsatzgeschehen eingebunden. Zu diesem Zeitpunkt war mir der genaue rechtliche Stand noch nicht vollständig klar, da ich kein Jurist bin und mir die Details zunächst erläutern lassen musste.

Vor einigen Jahren gab es bereits eine Rückübertragung des Herrenhauses an die Stadt Dassow, verbunden mit Interessenten, die später absprangen. Dennoch wurde das Gebäude anschließend an den Altbesitzer zurückgegeben. Wissen Sie, warum diese Entscheidung damals so getroffen wurde?

Ich kann dazu nur auf Unterlagen und Berichte aus zweiter Hand zurückgreifen. Nach allem, was ich nachgelesen habe, wurde damals letztlich aufgrund eines vorliegenden Konzeptes entschieden. Mehr kann ich dazu nicht beitragen. Ich war damals noch nicht einmal wohnhaft hier.

Die Rückübertragung ist mittlerweile vollständig erfolgt. Welche Überlegungen gab es zu Beginn der Rückübertragung, und welche Ziele waren damit verbunden?

Das Ziel war zunächst, das Herrenhaus wieder in das Eigentum der Stadt Dassow zu überführen und auf dieser Grundlage zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Ende des vergangenen Jahres war jedoch noch nicht absehbar, welche Konsequenzen das haben würde. Es bestand sogar noch die Hoffnung, dass der Eigentümer angesichts der drohenden Rückübertragung aktiv werden würde.

Ein fertiger Plan lag daher zunächst nicht vor. Der aktuelle Ansatz der Stadtvertretung ist, jemanden zu finden, der das gesamte Ensemble übernimmt und verantwortungsvoll entwickelt. Als kleine Kommune können wir das weder finanziell noch organisatorisch allein leisten. Die notwendigen Investitionen erstrecken sich über Jahre oder Jahrzehnte und sind erheblich.

War die Rückübertragung auch mit dem Ziel verbunden, dem Herrenhaus eine neue Entwicklungsperspektive zu eröffnen?

Ja. Das Herrenhaus zählt zu den wertvollsten Denkmalen in Nordwestmecklenburg und nach Aussage der Denkmalschutzbehörde auch in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Es ist ein öffentliches Interesse, dieses Gebäude zu erhalten und eine sinnvolle Nutzung zu ermöglichen.

Wir hoffen, dass sich jemand findet, der ein tragfähiges Konzept mitbringt. Idealerweise beinhaltet dieses eine zumindest teilweise öffentliche Zugänglichkeit. Gleichzeitig muss die wirtschaftliche Tragfähigkeit gewährleistet sein, etwa durch kulturelle oder touristische Nutzungen. Ein solches Konzept müsste mit Stadt, Denkmalschutz und Landesdenkmalpflege abgestimmt werden.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es sehr viele Interessenten für das Herrenhaus, die unterschiedliche Konzepte hatten. Haben sich seit dem Brand frühere oder neue Interessenten für das Herrenhaus gemeldet?

Ehemalige Interessenten haben sich im Grunde nicht erneut gemeldet. Eine Person hat sich nach dem aktuellen Stand erkundigt, jedoch ohne Interesse an einer erneuten Beteiligung.

Unmittelbar nach dem Brand gab es Anfragen von neuen Interessenten. Wir mussten jedoch darauf hinweisen, dass zuerst die denkmalpflegerische Bestandsaufnahme erfolgen muss. Erst wenn klar ist, was erhalten geblieben ist und welche Auflagen gelten, können Gespräche über Nutzungskonzepte geführt werden.

Für die Stadt ist wichtig, dass ein Konzept zum Ort passt. Johannstorf ist ein sehr kleiner Ortsteil, und ein großer Besucherandrang wäre dort kaum zu bewältigen. Wir konzentrieren uns zunächst auf die Notsicherung, parallel erarbeitet die Stadt eine Vorstellung für die Zukunft. Auch die Sichtbarkeit des Objekts über Fachmagazine wie Monumente spielt eine Rolle, um passende Interessenten zu erreichen.

Sie sprachen bereits von der engen Abstimmung mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den Statikern und den beauftragten Firmen. Wie sind diese Prozesse organisiert, und welche Rolle übernehmen Sie dabei?

Formell ist die Stadt Auftraggeberin, da ihr das Gebäude gehört. Ich koordiniere gemeinsam mit dem Amt die Arbeiten und die Abstimmungen. Anfangs standen wir ein bis zwei Mal wöchentlich im Austausch, teilweise sogar häufiger. Inzwischen erfolgt die Abstimmung etwa alle zwei Wochen, ergänzt durch Vor-Ort-Termine.

Die Stadt Dassow ist der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sehr dankbar. Sie unterstützt das Projekt fachlich und finanziell und geht mindestens teilweise auch in Vorleistung. Gleichzeitig müssen wir die kommunalrechtlichen Vorgaben beachten. Auch wenn Gelder bereitstehen, dürfen wir sie nicht ohne Beschlüsse einsetzen. Wo es zeitlich nötig ist, treffe ich Eilentscheidungen und lasse sie nachträglich bestätigen.

Hinzu kommen die komplexen versicherungsrechtlichen Aspekte. Wir müssen vermeiden, Maßnahmen zu veranlassen, die später die Versicherungsleistungen gefährden könnten. Deshalb stimmen wir uns eng mit den jeweiligen Gutachtern ab. Es darf nicht passieren, dass Arbeiten ausgeführt werden, die aus Sicht der Versicherung nicht abgestimmt waren und dadurch mögliche Rückflüsse aus Versicherungsgeldern verloren gehen.

Wie ist aktuell der Stand der Notsicherung und welche Herausforderungen ergeben sich daraus?

Die Notsicherung ist ein laufender, dynamischer Prozess. Mit Beginn der Beräumung wurden Schäden sichtbar, die zuvor nicht erkennbar waren. Der Statiker, Herr Back aus Lübeck, passt das Sicherungskonzept deshalb laufend an und legt fest, welche Maßnahmen zwingend erforderlich sind und welche bereits im Hinblick auf einen späteren Wiederaufbau sinnvoll wären.

Ziel ist es, die Notsicherung so auszuführen, dass ein späterer Neuaufbau darauf aufbauen kann. Das Dach ist vollständig zerstört, im Inneren ist vieles verloren. Dennoch gibt es Bereiche, in denen Substanz erhalten geblieben ist, die gesichert werden kann. Vor dem Brand befand sich die äußere Hülle in gutem Zustand, doch durch Brand und Löschwasser sind Fenster, Gesimse und Teile der Fassade schwer beschädigt.

Befinden sich die laufenden Arbeiten im vorgesehenen Zeitplan? Ursprünglich war geplant, die Notsicherung bis Herbst oder Winter abzuschließen.

Wir sind im Verzug. Die Klärung der organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen hat länger gedauert als erwartet. Erst im August konnten die Sicherungsarbeiten beginnen. Einige Maßnahmen, die später notwendig wurden, überschreiten den ursprünglich geplanten Umfang, weshalb zusätzliche Abstimmungen erforderlich waren.

Trotz der Verzögerungen ist weiterhin das Ziel, vor dem ersten Schnee ein schützendes Dach aufzubringen. Die dafür notwendigen Schritte stehen fest. Beim jüngsten Vor-Ort-Termin wurde festgelegt, welche Maßnahmen zwingend abgeschlossen sein müssen, bevor die Dachkonstruktion beginnen kann. An solchen grundlegenden Entscheidungen bin ich persönlich beteiligt.

Anmerkung der Redaktion: Das Notdach des Herrenhaus war im Dezember fertiggestellt. Weitere Notsicherungsarbeiten laufen weiterhin.

Welche Vorstellungen oder Wünsche haben Sie für die langfristige Zukunft des Herrenhauses?

Ich wünsche mir, dass das Ensemble zumindest teilweise öffentlich zugänglich bleibt und dass jemand die Verantwortung für die kontinuierliche Pflege und Entwicklung übernimmt. Nach den Filmaufnahmen zu Das weiße Band war das Gelände vollständig freigeräumt und sehr eindrucksvoll. In den folgenden Jahren ist es erneut stark zugewachsen.

Es braucht jemanden mit einem langfristigen Konzept, das Entwicklung und Pflege verbindet. Der öffentliche Weg durch das Gelände ist Teil einer Rad- und Wanderroute und muss erhalten bleiben. Ein saniertes Denkmal an dieser Strecke kann die gesamte Region bereichern.

Hinweis: Die Filmaufnahmen für den Kinofilm „Das weiße Band-Eine deutsche Kindergeschichte“ des Regisseurs Michael Haneke fanden im Sommer 2008 unter anderem in Johannstorf statt.

Das Herrenhaus bildet gemeinsam mit den erhaltenen Stallgebäuden und dem Torhaus ein besonders wertvolles Ensemble in Mecklenburg-Vorpommern. Aufgrund dieses Umfangs braucht es ein Nutzungskonzept, das das gesamte Areal berücksichtigt. Wie lässt sich ein solches Konzept aus Ihrer Sicht entwickeln?

Genau. Wenn das Ensemble veräußert wird, dann nur als Ganzes. Das Herrenhaus steht nicht isoliert unter Denkmalschutz, sondern gemeinsam mit den zugehörigen Gebäuden. Die Stadt besitzt außerdem eine große historische Scheune, die in ein Gesamtkonzept einbezogen werden könnte. Wenn es dafür eine stimmige Idee gibt, sind wir bereit, darüber zu sprechen.

Wird sich die Stadt Dassow an der Entwicklung eines Nutzungskonzeptes einbringen, sei es bereits im Vorfeld oder sobald konkrete Kaufabsichten bestehen?

Sobald konkrete Absichten bestehen, wird die Stadt sich aktiv beteiligen. Eine Baugenehmigung setzt die Unterstützung der Gemeinde voraus. Daher wird es immer Abstimmungsprozesse geben. Wer Interesse hat, kann sich jederzeit an die Stadt wenden, um erste Gespräche zu führen.

Sie haben jetzt schon ein paar Mal die Denkmalschutzbehörde erwähnt. Es besteht ja eine sehr gute Zusammenarbeit. Wissen Sie da, wie da die Herausforderungen sind? Haben Sie da etwas mitbekommen?

Die Denkmalpflege kann erst konkrete Anforderungen formulieren, wenn das Gebäude wieder sicher begehbar ist und eine Bestandsaufnahme möglich ist. Zunächst müssen die Erdgeschossdecken beräumt und gesichert werden, da sie durch Feuchtigkeit und Schuttlast einsturzgefährdet sind. Das erste Obergeschoss und das Dach sind weitgehend zerstört. Vor Abschluss der Notsicherung gibt es daher noch keine detaillierten Forderungen der Denkmalpflege.

Also sprich auch von eventuell historischen Details, die es früher mal in diesem Haus gab?

Im Erdgeschoss gibt es noch historische Bauteile, die erhalten geblieben sind. Einige Wände sind noch nahezu vollständig vorhanden, müssen jedoch restauratorisch behandelt werden. In den Schuttbereichen liegen weitere Fragmente, die geborgen und gesichert werden können. Ob sie später wieder eingebaut werden können, müssen Fachleute entscheiden.

Auch in den oberen Bereichen sind noch Reste vorhanden. An einigen Innenwänden haben sich stellenweise noch Stuckpartien erhalten, teilweise über mehrere Meter. Gerade ihre Sicherung dürfte schwierig werden, weil sich durch die nachgebenden Decken inzwischen auch einzelne Wände verschieben. Das zeigt, wie komplex die Sicherung der verbliebenen historischen Substanz inzwischen geworden ist.

Gibt es da Fachmenschen, die sich eventuell jetzt nach dem Brand und in den vergangenen Monaten gemeldet haben, die ihre Unterstützung eventuell mit zusichern und bereit sind, dort zu helfen, ob jetzt in irgendeiner Form des Ehrenamtes oder in Ihrer Position als Fachmensch?

Für die Maurerarbeiten haben wir einen sehr erfahrenen Fachmann gewinnen können, der in der Lübecker Altstadt an zahlreichen Denkmalprojekten mitgearbeitet hat. Darüber hinaus hat sich ein Experte für historische Tapeten gemeldet, der sich später gerne einbringen möchte. Sobald ein sicherer Zugang möglich ist, kann er sich die erhaltenen Wandfassungen ansehen.

Für weitere Arbeiten im Inneren muss jedoch zunächst klar sein, welche Nutzung angestrebt wird und welche Anforderungen die Denkmalpflege stellt. Erst dann können Entscheidungen über Art und Umfang der Restaurierung getroffen werden. Dabei wird auch zu klären sein, in welcher Form erhaltene Fragmente gesichert oder sichtbar gemacht werden sollen, ob etwa konservierend, rekonstruierend oder in anderer Weise.

Was glauben Sie, dieses ganze Ensemble aus Herrenhaus, Torhaus, den Stallungen ist eben schon kurzzeitig angeschnitten. Wie ließe sich das denn wieder beleben? Gibt es irgendwelche Ideen, schon Wünsche, die Sie selber vielleicht auch haben, bis auf, dass eben eine teilöffentliche Nutzung bestenfalls wiederhergestellt ist? Aber es kann natürlich ja auch passieren, dass jemand kommt und sagt, ich übernehme das Gelände als Privatperson, nutze es für mich. Und gut, der Weg ist öffentlich, aber das wäre ja auch durchaus vorstellbar.

Eine private Nutzung wäre denkbar, solange die denkmalpflegerischen Anforderungen erfüllt werden und der öffentliche Weg erhalten bleibt. Entscheidend wäre in jedem Fall eine stichhaltige Begründung und ein tragfähiges Konzept. Das Ensemble bietet zudem Potenzial für vielfältigere Nutzungen. Die ehemaligen Stallgebäude eignen sich beispielsweise für Ausstellungen zur Regionalgeschichte oder Landwirtschaftsgeschichte im Klützer Winkel.

Solche Hallen lassen sich vergleichsweise flexibel nutzen und benötigen keine allzu komplexen klassischen Raumkonzepte. Ich kenne aus Einbeck ein ähnliches Beispiel mit dem PS-Speicher, bei dem ein alter Getreidespeicher und weitere Gebäude zu einem großen Ausstellungszentrum entwickelt wurden. Das hat der gesamten Region neue Impulse gegeben. Zugleich zeigt dieses Beispiel, dass eine solche Nutzung nicht zwangsläufig zu dauerhaftem Massentourismus führen muss, sondern auch mit kurzzeitigen Besucherströmen funktionieren kann.

Für das Herrenhaus selbst könnte ich mir eine Mischung aus privater Nutzung und gewerblichen oder touristischen Bereichen vorstellen, etwa eine Touristinformation. Die Region hat starken Fahrradtourismus, der bislang an Dassow vorbeiführt, aber aktuell schon durch Johannstorf kommt. Eine kluge Vernetzung mit vorhandenen Attraktionen wie Outpost One und dem Tigerpark könnte die gesamte Umgebung beleben und neue Chancen für Gastronomie und Tourismus eröffnen.

Wie nehmen Sie die Reaktionen der Bürgerinnen und Bürger wahr? Viele haben das lange leerstehende Haus gesehen und erleben nun, dass es der Stadt gehört. Wie wird diese Entwicklung in der Bevölkerung aufgenommen?

Die Frage ist komplex. Viele Menschen in Dassow wünschen sich, dass etwas geschieht, aber gleichzeitig leben wir in einem Rechtsstaat, in dem Eigentum geschützt ist. Man kann einen Eigentümer nicht einfach zwingen, bestimmte Maßnahmen vorzunehmen, selbst wenn es sich um ein Denkmal handelt.

Ich verstehe, dass manche angesichts der hohen Kosten nach der wirtschaftlichen Verhältnismäßigkeit fragen. Andere sehen dagegen die besondere Bedeutung des Ensembles und wünschen sich, dass es erhalten bleibt. Diese unterschiedlichen Perspektiven müssen ernst genommen werden. Zugleich darf sich aus Sicht vieler nicht wiederholen, dass über Jahre hinweg verschiedene Hoffnungen entstehen und am Ende doch nichts vorangeht.

Entscheidend wird sein, die Bevölkerung mitzunehmen und frühzeitig einzubinden. Nur wenn ein Konzept überzeugen kann und das Vertrauen der Menschen gewinnt, wird das Projekt langfristig getragen werden

Sie sind jetzt aktuell noch Bürgermeister, aber nicht mehr so lange, wenn man die Wahlplakate sieht. Sie haben, als der Termin beim Herrenhaus Johannstorf mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz war, gesagt, Sie begleiten dieses Projekt noch, solange bis zumindest die Notsicherung abgeschlossen ist. Danach wenden Sie sich davon ab oder begleiten Sie es weiter?

Ich werde das Projekt begleiten, bis die Notsicherung abgeschlossen ist. Danach liegt die Verantwortung bei meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger. Meine Qualifikation liegt weder im Baurecht noch im Denkmalschutz. Ich habe diese Aufgabe als Vertreter der Stadt übernommen, werde aber nach dem Ende meiner Amtszeit nicht weiter in die städtischen Entscheidungsprozesse eingebunden sein und auch nicht mehr der Stadtvertretung angehören.

Die Entscheidung, nicht erneut zu kandidieren, hat vor allem zeitliche Gründe. Sie liegt nicht an der Feuerwehr und auch nicht an meiner Familie, die das alles mitträgt, sondern an der Schwierigkeit, mein Hauptamt und die Anforderungen des Bürgermeisteramtes dauerhaft miteinander zu vereinbaren.

Hinweis: Die Stadt Dassow hat seit dem 1. Januar 2026 eine neue Bürgermeister, Frau Kerstin Weiss (parteilos). Frau Weiss war 2014 bis 2024 Landrätin des Landkreises Nordwestmecklenburg.

Wie versuchen Sie sicherzustellen, dass eben genau das passiert, dass die Bürger jetzt mitgenommen werden, auch wenn es jetzt einen politischen Wechsel hier geben wird, Sie eben nicht mehr im Amt sind, sondern eben ein Nachfolger, eine Nachfolgerin dieses Amt übernimmt?

In den Fachausschüssen besteht parteiübergreifend Einigkeit darüber, dass das Herrenhaus eine Perspektive braucht und dass die Stadt einen neuen Eigentümer finden muss. Es gibt niemanden, der davon ausgeht, dass die Stadt die Sanierung selbst leisten kann oder sollte.

Das Thema wird regelmäßig und auf allen Ebenen besprochen, sowohl öffentlich als auch nicht öffentlich. Die gemeinsame Haltung, das Ensemble zu erhalten und eine tragfähige Lösung zu finden, ist fest verankert.

Gibt es irgendwas, was Ihnen persönlich sehr am Herzen liegt, was Johannstorf anbetrifft? Also gab es vielleicht tatsächlich mal einen Grund, eben dieses Herrenhaus auch zurückzuholen und nicht sein Dasein da zu fristen zu lassen beziehungsweise auch jetzt, was die Zukunft des Herrenhauses anbetrifft?

Viele Menschen in Johannstorf haben eine persönliche Verbindung zum Herrenhaus. Einige haben dort als Kinder gelebt, andere haben dort Familienfeste und Hochzeiten erlebt. Diese Geschichten berühren und zeigen, welche Bedeutung das Gebäude für die Menschen vor Ort hat.

Ich habe auch Kontakt zur Alteigentümerfamilie, insbesondere zu Herrn Eckermann, und bereits mehrfach mit ihm gesprochen. Solche Gespräche haben meinen Blick auf das Herrenhaus verändert. Vor einigen Jahren wäre mir diese Bedeutung vielleicht nicht in dieser Weise bewusst gewesen. Heute sehe ich deutlich, wie wichtig das Gebäude für seine Umgebung ist.

Zum Abschluss noch eine Frage: Wenn die Notsicherung abgeschlossen ist, wird das Herrenhaus voraussichtlich öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben. Ist eine solche Ausschreibung geplant?

Ja, das ist der aktuelle Plan. Es wird ein Gutachten erstellt, zunächst auf Grundlage des Zustandes vor dem Brand. Sobald das Gebäude wieder begehbar ist, wird ein weiteres Gutachten für den Zustand nach dem Brand erstellt. Dieses bildet die Basis für einen späteren Verkauf.

Da die Versicherungsgutachter nur das Herrenhaus betrachten, benötigen wir zusätzlich ein Gutachten für das gesamte Ensemble. Das ist kommunalrechtlich vorgeschrieben, bevor eine Veräußerung erfolgen kann. Wie hoch der Wert ausfallen wird, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Zugleich bietet das Vertragsrecht später die Möglichkeit, bei einem Verkauf konkrete Vereinbarungen und Bedingungen genauer zu formulieren.

Ja, also wird es im Grunde genommen in 2026 losgehen?

Wenn alles normal verläuft, ja. Jede Verzögerung wirkt sich nachteilig aus, da auch das Notdach nicht unbegrenzt Bestand haben wird. Daher ist es sinnvoll, im Jahr 2026 in konkrete Prozesse zu gehen und mögliche Interessenten einzubinden.

Ich danke Herrn Kuhfuß für seine Zeit und die offenen Einblicke in die aktuelle Situation des Herrenhauses Johannstorf.

Viele weitere Information rund um die Geschichte von Johannstorf sowie weitere Bilder finden Sie im Beitrag über das Herrenhaus Johannstorf.

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen oder vielleicht sogar alte Fotos zu diesem Gutshaus? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail an kruse@historische-haeuser.com

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