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Kurhaus | Sanatorium Bad Sülze © Historische Häuser

Kurhaus | Sanatorium Bad Sülze in Mecklenburg-Vorpommern

Das klassizistische Kurhaus bzw. Sanatorium von Bad Sülze steht am Rand eines weitläufigen, denkmalgeschützten Kurparks, dem heutigen Dahlienpark. Der alte Baumbestand, die offenen Wiesen und stillen Wasserflächen prägen seit Generationen das Bild der Parkanlage. Das alte Sanatorium von 1824 liegt nur wenige Schritte von den Solequellen entfernt, die Sülze schon im 13. Jahrhundert prägten und den Ort früh zum Mittelpunkt des Landes Marlow machten. Während der Kontinentalsperre versorgte die Saline ganz Mecklenburg mit Salz, ehe sich ab 1822 eines der ältesten Sole- und Moorbäder Norddeutschlands entwickelte.

Die Geschichte Sülzes beginnt mit der Saline, die bereits vor 1229 bezeugt ist. 1243 erscheint sie erstmals als „in Sulta“, und wird im Verlauf des 13. Jahrhunderts weiterhin als Saline im Lande Marlow bezeichnet. Die Saline war größtenteils im Besitz des Klosters Doberan. Die Stadt selbst wird 1262 als eigenständige Siedlung genannt, als ein Rat in Sülze erwähnt wird. Die Bezeichnung „Sulta iuxta Marlow“ blieb noch lange erhalten und verweist auf ältere Verwaltungsstrukturen, in denen Marlow Mittelpunkt des Landes war. Hinweise auf ein Dorf bei der Saline, von dem 1257 Zehnten entrichtet wurden, zeigen, dass vor der Stadtanlage eine ländliche Siedlung bestanden haben muss. Der Grundriss der Stadt verdeutlicht diese Entwicklung. Der Markt bildet eine Erweiterung der alten Straßenachse, die sich entlang der Rostocker Landstraße durch den Ort zieht. 1276 wird die Kirche erbaut.

1277 erhielt die Stadt „Sulta iuxta Marlow“ Lübsches Stadtrecht und wird 1287 erstmalig Sulte genannt. 1298 wird ein Stadtsiegel erstmals unter einer Stralsunder Urkunde belegt. 1298 verlegte Fürst Nikolaus von Rostock das Vogteigericht von Marlow nach Sülze und machte den Ort zum Zentrum des Landes Marlow. Eine Befestigung wurde verlangt, und die Verbindung zwischen Recknitz und Trebel durch den Moorgraben sollte hergestellt werden. Im gleichen Jahr verwüsteten die Truppen der Brandenburger Markgrafen im Krieg gegen Nikolaus Stadt und Umgebung. Im Rostocker Friedensvertrag im Jahr 1301 wird festgelegt, dass die Befestigungen von Sülze, Tessin, Deperstorf und Laage zu schleifen sind. Der Ortsname erscheint als „Sulten“. 1324 kam es in der Umgebung zu einem Gefecht zwischen Fürst Heinrich dem Löwen von Mecklenburg und dem Fürsten Witzlav von Rügen. Ab dem 14. Jahrhundert verpachtete das Kloster Doberan die Saline an Bürger der Stadt.

Die Saline blieb auch in den folgenden Jahrhunderten bestimmend. Im Dreißigjährigen Krieg wird die Stadt mehrfach zerstört; die Saline übersteht die Zeit, aber Anteile der Saline werden an die Familie von der Lühe verpfändet. Die Familie von der Lühe ist ein altes mecklenburgisches Adelsgeschlecht und hält rund um Sülze große Güter wie Kölzow, aber auch ab 1450 Anteile an Sulten, dem späteren Bad Sülze. Außerdem besaß die Familie in Sülze und Marlow die hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Die Anteile an der Saline konnten 1664 wieder eingelöst werden. Im Jahr 1744 vermehrten sich die landesherrlichen Besitzanteile durch den Erwerb der Anteile der Sülzer Bürger beträchtlich. Die gesamte Saline wurde fortan verpachtet, seit 1744 durchgehend an die Familien Koch und ab 1750 an Baron Jacob Sigismund Waitz von Eschen (1698–1776), der seit 1765 auf dem benachbarten Gut Dudendorf weilte. 1885 verkaufte der hessische Salzbaron das Gut an seinen Pächter Paul Andreae. 1754 umfasste das Salinenterrain sechseinhalb Hektar und erhielt 1759 das Salzamt als Fachwerkbau, das bis 1879 als Amtshaus der Großherzoglichen Saline diente. 1770 zerstörte ein großer Brand über zwei Drittel der Stadt, darunter das Rathaus mit sämtlichen Urkunden, und vernichtete die 33 Meter hohe Kirchturmspitze.

Eine weitere Zäsur brachte 1807 Napoleons Kontinentalsperre. Der Salzimport nach Mecklenburg kam zum Erliegen, und die Sülzer Saline versorgte das gesamte Land, und die Salzproduktion erhielt eine zweite Blütezeit. Ihre wirtschaftliche Bedeutung wuchs erneut. 1816 kam die Saline unter unmittelbare Verwaltung der Großherzoglichen Kammer unter dem Großherzog Friedrich Franz I. durch Errichtung des Domanialamtes, und die Pachtzeit der Familien Koch und Waitz von Eschen endet.

1822 wurde unter Leitung des Geheimen Medizinalrats Prof. Dr. Samuel Gottlieb Vogel (1750–1837) das Soolbad gegründet, und erstmalig erfolgte die therapeutische Nutzung der Sole. Vogel gilt auch als „Vater“ des ersten deutschen Seebads in Heiligendamm, wurde 1784 zum großbritannischen Hofmedikus durch den König von England ernannt und wurde 1832 durch den bayerischen König in den Adelsstand erhoben. Zwei Jahre später entstand in Sülze 1824 das Kurhaus als Großherzogliche Soolbadeanstalt, das den medizinischen Anwendungen einen baulichen Mittelpunkt gab. Die Konzeption des Hauses verband Badebetrieb und Logierwesen in einem einzigen Gebäude, das von Beginn an funktional wie räumlich eng an die benachbarte Saline gebunden war.

Der Bau des Kurhauses erfolgte als zweigeschossiger, elfachsiger verputzter Fachwerkbau nach den Entwürfen des Großherzoglichen Oberlandbaumeisters Carl Theodor Severin (1763–1836). Auf der Rückseite des Gebäudes sieht man das Fachwerk. Das Kurhaus präsentiert sich mit einer klassizistischen Fassade, die durch den fünfachsigen, flach übergiebelten Mittelrisalit betont wird. Der Eingangsbereich wird von einer von zwei Säulen getragenen, eingezogenen Portikus dominiert. Während die Ostfassade verputzt wurde, sieht man an den anderen Seiten das Fachwerk. Im Inneren befanden sich etwa dreißig Logierzimmer, die den Aufenthalt der Kurgäste ermöglichten. Zeitgleich mit dem Kurhaus entstand ein erster Kurgarten, dessen Anlage durch einen Stadtplan von 1825 belegt ist. Für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts liefert das Preußische Messtischblatt von 1884 weitere Hinweise auf seine Gestalt. Der Garten war geometrisch aufgebaut, mit rechtwinklig geführten Wegen, Rasenflächen, Blumenrabatten, Hecken und hohen Bäumen. Diese frühe Gartenarchitektur bildete den unmittelbaren landschaftlichen Rahmen für das Kurhaus und festigte seine Stellung als bauliches Zentrum der Kuranlagen.

Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt weiter. 1830 führten zwei Brände zum Verlust von über 70 Scheunen. Am 18. Mai 1849 wurde eine Ersparnisanstalt gegründet. 1878 kam es zur Zusammenlegung des Stadt- mit dem Salinenterritorium. 1879 entstand die Großherzogliche Salinenverwaltung. Im Mai 1881 wurde die Kinderheilanstalt Bethesda eröffnet, um an Tuberkulosen erkrankten Kindern zu helfen, und erweiterte den medizinischen Bereich. Die Kinderheilanstalt wurde durch das Ludwigsluster Stift Bethlehem betrieben und wurde nach den Entwürfen von Baumeister Luckow aus Rostock erbaut. 1913 kam ein zweites Haus „Siloah“ dazu, dessen Pläne vom Ludwigsluster Architekten Drenckahn stammten. 1895 erhielt Sülze einen Bahnanschluss an die Friedrich-Franz-Bahn, der es Gästen ermöglichte, einfacher anzureisen. Ab 1901 wurden neben den Solebädern auch Moorbäder verabreicht. Um 1900 wurde an der Südfassade des Kurhauses eine geschlossene Veranda ergänzt.

Nach der Schließung der Saline wegen Unwirtschaftlichkeit im Jahr 1906 veränderte sich die Umgebung des Kurhauses grundlegend. Zahlreiche Gebäude der Salzförderung wurden abgetragen, wodurch freie Flächen entstanden, die in den folgenden Jahren gärtnerisch neu gestaltet wurden. Ein Gradierwerk, der „Friedrichsbau“, blieb erhalten. Im August 1907 legte der für Sülze zuständige Regierungsbaumeister Karl Friedrich Schlie einen umfangreichen Plan zur Erweiterung der Kuranlagen vor. Dieser Entwurf sah eine deutliche Ausdehnung des Kurparks nach Osten und Norden vor und band das langgestreckte Gradierwerk Friedrichsbau als zentrales Element der neuen Landschaft ein. Vor diesem Gradierwerk entstand ein Promenadenweg, der fast über die gesamte Länge des Baues führte und den Kurgästen die Nutzung der salzhaltigen Luft ermöglichte. Auch wenn der Schlie-Plan nur in Teilen verwirklicht wurde, prägte er die räumliche Ausrichtung des Kurhauses im frühen 20. Jahrhundert.

In den 1920er Jahren erfuhr das Kurhaus erneute Aufmerksamkeit, als 1922 das Kurgelände vom Land übernommen wurde und ab 1927 die Kuranstalt an die Heilstätten e. G. m. b. H. der Mecklenburgischen Landkrankenkassen überging. Bauliche Erneuerungen wurden in diesem Zuge vorgenommen. Das Kurhaus präsentierte sich nun neu restauriert, hatte 50 Zimmer I. und 30 Zimmer II. Klasse. Zur selben Zeit entstand die Torflorenbahn, die den Badetorf aus den angrenzenden Torfkuhlen zur Moorküche des Kurhauses brachte und damit unmittelbar in die Funktionsabläufe des Hauses eingebunden war. 1927 erhielt die Stadt das Recht, sich Kurort Bad Sülze zu nennen. Eine kolorierte Vogelperspektive des Rostocker Gartenarchitekten Arno Lehmann aus dem Jahr 1928 dokumentiert die Anlage.

Der Zweite Weltkrieg führte auch in Bad Sülze zu Verlusten. 1944 brannte durch Blitzschlag der Mittelbau des Gradierwerks Friedrichsbau nieder. Die beschädigte Konstruktion wurde nicht wieder aufgebaut. 1945 übernahm nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die neugegründete Sozialversicherungsanstalt Mecklenburg den Kurbetrieb und die Kinderheilstätte, und der Kurbetrieb wurde erneut aufgenommen. Im Oktober 1953 gründete der Chefarzt des früheren Rheuma-Sanatoriums Dr. Kurt Fuchs das Salzmuseum, zunächst in Räumen der Kinderheilanstalt Bethesda. 1971 zog es in das 1759 errichtete alte Salzamt ein, dem Amtshaus der Großherzoglichen Saline, einem Fachwerkbau aus dem Jahre 1759, das zwischen 1993 und 1998 umfassend restauriert wurde.

Nach 1945 veränderte sich die Nutzung der Anlagen mehrfach. 1980 wurde der Kurpark durch den Gärtner Joachim Clasen kultiviert. Seine Dahlienpflanzungen begründeten die seit 1980 jährlich stattfindende Dahlienschau. Das Kurhaus blieb über viele Jahrzehnte Zentrum des Kurbetriebs. 1970 wurde nun auch das letzte Gradierwerk abgerissen, und für die Solebäder wurde das oberflächennahe salzhaltige Wasser genutzt. Während der DDR-Zeit wurde das Kurhaus um einen Anbau erweitert. Erst 1981 führten erhebliche Bauschäden am Sanatorium dazu, dass keine Solebäder mehr verabreicht werden konnten, was seine Nutzung erheblich einschränkte. Die endgültige Schließung erfolgte 1993, nachdem das Sanatorium in das neue Klinikgelände umzog. Zugleich endete der Betrieb der Torflorenbahn, deren Schienen 1994 im nördlichen Teil des Kurparks als touristischer Rundkurs neu verlegt wurden. Ein schweres Hochwasser führte 2011 zu Überstauungen und Baumverlusten im nördlichen Parkteil. Zwischen 2021 und 2022 erfolgte eine umfassende Restaurierung des Kurparks mit neuen Wegen, Pflanzungen und einem Solebrunnen, der die Salzgeschichte sichtbar hält.

Seit der Schließung steht das alte Kurhaus/Sanatorium ungenutzt und bewahrt als stilles Gebäude die Erinnerung an seine lange Geschichte. 2021 wurde es an einen hiesigen Investor verkauft, der das Gelände umfassend freigeräumt hat. Die angebaute Veranda, der DDR-Anbau sowie die Kinderheilstätte wurden abgerissen, und aus der alten Kuranlage soll/sollte eine Wellnessanlage entstehen. Der 13 Hektar große Kurpark wurde 2021 erneuert, und jährlich findet hier die traditionelle Dahlienschau am zweiten Septemberwochenende im Kurpark und rund um das Salzmuseum statt. Über 1.000 Dahliensorten gilt es im Kurpark zu besichtigen. Vor Jahrhunderten gab es in Sülze eine Burg, von der allerdings nichts mehr zu finden ist.

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