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Landratsamt Altenburger Land © Historische Häuser

Landratsamt Altenburger Land in Thüringen

Das Landratsamt Altenburger Land in der Lindenaustraße 9 erhebt sich als geschlossene Vierflügelanlage unmittelbar vor der historischen Stadtmauer der Residenzstadt Altenburg. Die Natursteinfassade aus Granit und Sandstein und der weit vorspringende Mittelrisalit mit den vier Säulen verleihen dem Gebäude eine ausgeprägte Monumentalität. Obwohl der Bau in seiner Erscheinung an einen herrschaftlichen Sitz erinnert, entstand er als Herzogliches Ministerial- und Landschaftsgebäude des Herzogtums Sachsen-Altenburg.

Seit 1826 ist Altenburg infolge der thüringischen Erbteilung wieder Haupt- und Residenzstadt. In dieser Zeit entstanden repräsentative Landesbauten wie das Landgericht, das Landesbankgebäude, das Landestheater, das Lindenau-Museum und der Bahnhof. Das Grundstück an der späteren Lindenaustraße befand sich im 19. Jahrhundert im Eigentum der Altenburger Zigarrenfabrikantenfamilie Hülsemann. Als Grundstückseigentümer ist Georg Friedrich Hülsemann (1838–1904) nachweisbar. Die Familie war seit der Mitte des Jahrhunderts in Altenburg wirtschaftlich tätig und betrieb eine Zigarrenfabrik. Im Jahr 1889 veräußerte der Fabrikant und Kommerzienrat August Clamor Hülsemann für ca. 100.000 Mark das rund 4000 Quadratmeter große, unbebaute Grundstück in der Nordvorstadt an das Herzogtum Sachsen-Altenburg.

Zwischen 1892 und 1895 entstand auf diesem Grundstück das Herzogliche Ministerial- und Landschaftsgebäude. Die Planung lag in den Händen von Alfred Hermann Wanckel (1855-1925) der seit 1891 als Baudirektor im Staatsdienst stand. Der Spatenstich erfolgte im Juli 1892. Bereits im September 1893 war der Dachstuhl errichtet. Von 1894 bis 1895 schloss sich der Innenausbau an. Am Bau waren 190 Personen beteiligt, darunter zahlreiche Firmen aus Altenburg und aus umliegenden Orten. Belege aus der Bauzeit dokumentieren die sparsame Bauweise Wanckels. Die Gesamtkosten betrugen 898.046,71 Mark und blieben damit unter der veranschlagten Summe von 938.000 Mark. Der Bau des Gebäudes wurde aus Steuereinnahmen finanziert.

Seit seiner Fertigstellung wurde das Gebäude als Ministerialgebäude genutzt. Nach der Thronentsagung von Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg (1871-1955) am 13. November 1918 ging es in den Freistaat Sachsen-Altenburg über. Anschließend diente das Gebäude dem Staatsministerium. 1922 wurde der Landkreis Altenburg gebildet und das neue Kreisamt bezog die Räume in der Lindenaustraße 9. Neben dem Kreisamt nutzten auch das Thüringische Bauamt, das Thüringische Bergamt, die Generalkommission, das Katasteramt, die Landesversicherungsanstalt in ihrer Altenburger Außenstelle sowie das Renten- und Schulamt das Gebäude. Vom 14. April bis zum 30. Juni 1945 war das Haus Sitz des amerikanischen Militärgouverneurs. Am 1. Juli 1945 übernahm die sowjetische Militäradministration das Gebäude durch Beschlagnahme. Im April 1950 kehrte der Kreisrat ein. Mit der Verwaltungsreform von 1952 wurde der bisher thüringische Kreis Altenburg dem Bezirk Leipzig zugeordnet. Das Gebäude wurde Sitz des Rates des Kreises Altenburg. Nach den Neuwahlen von 1990 wurde es wieder Landratsamt Altenburg. Seit der Kreisreform von 1994 ist es Hauptsitz des Landkreises Altenburger Land. 1995 waren die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen.

Die Architektur des Gebäudes ist von Formen der italienischen Hochrenaissance geprägt und folgt dem Ideal wilhelminischer Staatsbauten. Die Straßenfassade besteht aus großformatigen Quadern aus bayrischem Granit aus Selb und Postelwitzer Sandstein aus der Sächsischen Schweiz. Über dem rustizierten Sockelgeschoss gliedern Gesimse die beiden Obergeschosse. Die Rundbogenfenster sind regelmäßig angeordnet und durch profilierte Rahmungen und Verdachungen gefasst. Das Gebäude ist streng symmetrisch aufgebaut. Im Zentrum erhebt sich ein breiter Mittelrisalit, der eine deutliche Tiefenstaffelung zeigt. Vier freistehende Steinsäulen mit ausgeprägten Basen und Kapitellen tragen den Dreicksgiebel mit dem sächsischen Wappen, das von zwei Löwen gehalten wird. Zwischen den Säulen öffnen sich hohe Rundbogenfenster. Die Seiten- und Hinterflügel bestehen aus gelben schlesischen Verblendziegeln und sind gegenüber dem Natursteinvorderbau zurückgesetzt. Zwischen den Bogenöffnungen der oberen Fassadenzonen befinden sich sechzehn Fürstenbilder, gestaltet von einem unbekannten Theatermaler aus Leipzig.

Im Inneren beeindruckt das Gebäude durch einen großen Lichthof, der das Zentrum der Vierflügelanlage bildet. Er steigt mit durchbrochenen und reich gegliederten Wandflächen bis zur flachen, doppelt verglasten Glaskuppel auf. Unterhalb der Kuppel sind sechzehn Bildnisse der Landesfürsten in grünem Bronzeton angebracht. In diese Reihe ist eine Uhr mit Schlagwerk integriert, die Stunde und Viertelstunde schlägt. Die zur Straße gerichtete Seite des Lichthofs wird durch eine offene, zweiseitige Treppenanlage geprägt, deren Läufe aus der Vorhalle bis zu den Wandelgängen der Obergeschosse führen. Das Geländer besteht aus Marmor. Der Fußboden des Lichthofs ist in gut erhaltenem Zustand überliefert.

Der Landschaftssaal liegt quer zum Gesamtbau und erstreckt sich über zwei Geschosse. Das Licht fällt über die Fenster in der oberen Zone in den Saal. Die Ausstattung umfasst neben prächtigen Stuckarbeiten auch Marmorverkleidungen, Eichenholz, Leinenplüsch, farbiges Bleiglas und eine mit Ölwachsfarbe gefasste Decke. In diesem Saal tagte die Landschaft, die Landesvertretung mit dreißig Abgeordneten. Er wurde für das Jubiläum im Jahr 1995 restauriert und blieb frei von baulichen Eingriffen.

Der Ministerial- und Ratssaal befindet sich über dem Hauptportal. Wände und Decke bestehen aus astfreiem, lasiertem Kiefernholz. In die Wandverkleidung sind fünf halbrunde Gemälde eingelassen, die den Altenburger Markt, den Schlosshof, eine Ansicht des Altenburger Schlosses sowie das alte und das neue Schloss Hummelshain zeigen. Der Saal verfügt über einen Balkon zur Straßenfront und wird für Sitzungen und verschiedene Veranstaltungen genutzt. Das Gebäude kann nach Anmeldung sowie am Tag des offenen Denkmals im September besichtigt werden.

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