...
Burg Posterstein © Historische Häuser

Burg Posterstein in Thüringen

Weit ragt Burg Posterstein auf einem Felsvorsprung über dem Altenburger Land in Thüringen empor. Zu ihren Füßen fließt die Sprotte, ein Nebenfluss der Pleiße. Besonders ist auch die Lage der Burg im Dreiländereck von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die über 800 Jahre alte Anlage erhebt sich auf einem Bergsporn über dem Tal und gehört zu den Höhenburgen. Burg Posterstein ging aus einer kleinen Ministerialenburg hervor, die in der Renaissancezeit überbaut wurde. Der runde Bergfried überragt bis heute die umgebenden Bauteile. In den ältesten Nachrichten wurde die Burg zunächst nur als „Stein“ bezeichnet. Der heutige Name geht auf die spätere Besitzerfamilie Puster zurück. Heute befindet sich in der Burganlage ein Museum für das Altenburger Land.

Die Landschaft um Posterstein war seit dem frühen Mittelalter slawisch besiedelt. Sorbische Gruppen betrieben hier Ackerbau und Viehzucht. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde der Landesausbau östlich der Saale-Elbe-Linie durch König Konrad III. (1093/1094–1152) und Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1122–1190) vorangetrieben. In dieser Zeit entstanden im Pleißenland zahlreiche kleinere Herrschaften, die durch Ministeriale besetzt wurden. Gleichzeitig entstanden Burgen zur Sicherung des Besitzes. Burg Posterstein geht auf diese Phase zurück und wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Ministerialenburg angelegt. Als Erbauer gelten die Herren von Stein.

Die frühesten schriftlichen Nachrichten betreffen noch nicht ausdrücklich die Burg, sondern die Familie, die mit ihr verbunden war. Im Jahr 1143 erscheint in einer Urkunde König Konrads III. für das Benediktinerkloster Chemnitz ein Gerhardus de Nubudiz (Nöbdenitz) als Zeuge. In den folgenden Jahren wird er mehrfach in Urkunden genannt. Nur zwei Kilometer von der Burg entfernt befindet sich das Dorf Nöbdenitz. In älteren Forschungen wurde deshalb zumeist angenommen, der befestigte Herrschaftssitz des Ministerialen Gerhard habe zunächst in der Niederung bei Nöbdenitz gelegen und sei später zugunsten einer neu errichteten Höhenburg aufgegeben worden. Neuere archäologische und historische Forschungen halten auch die Burg Posterstein selbst für den ältesten Sitz der Familie.

1191 wird Gerhard in einer Urkunde zusammen mit seiner Mutter Mechthildis de Steinne (von Stein) genannt. In der Bestätigung dieser Urkunde durch den Bischof von Naumburg erscheinen beide als „Mechthilde de Steinne et filio Gerhardo“. Diese Nennung gilt als erste urkundliche Erwähnung Postersteins in Verbindung mit „vom Steinne“ und zugleich als letzte derartige Nennung der Nöbdenitzer Ministerialen. Als frühe Besitzer werden für das Jahr 1191 Gerhard von Nöbdenitz, seine Mutter Mechthild von Stein und deren Nachfahren genannt. Bis um 1306 sind die Ritter Gerhard der Mittlere, Gerhard genannt von Löwenberg, Gerhard der Jüngere, Conrad Heidenreich und Eberherd von Stein überliefert.

„De lapide“ nennen sich die Ministerialen ab 1222, und aus dieser Zeit stammen die erhaltenen Ringmauern sowie der runde Bergfried von Posterstein. Der Bergfried besitzt bis zu drei Meter starke Mauern und einen hochgelegenen Eingang in etwa zwölf Metern Höhe. Im unteren Teil befand sich das mittelalterliche Verlies, das etwa 6,50 Meter tief aus dem Fels gehauen wurde. Die Anlage war durch eine starke Ringmauer umschlossen. Am flachen Zugang schützten Halsgraben und Zugbrücke die Burg. Später wurde der Ringmauer an der Ostseite ein Zwinger vorgelagert. Von der mittelalterlichen Anlage haben sich der Bergfried, Teile der überbauten Ringmauer, Flankierungstürme im Westen und Reste des Halsgrabens erhalten.

Seit dem späten 13. Jahrhundert lag die Lehnsherrschaft über Posterstein bei den Vögten von Weida, Gera und Plauen. Als sich das Haus Plauen 1305 in eine ältere und eine jüngere Linie teilte, kam Posterstein an die jüngere Linie mit Sitz in Greiz und blieb damit mit den Reußen verbunden. Damit stand die Herrschaft in einem Raum, in dem zugleich die wettinischen Markgrafen von Meißen ihren Einfluss auszudehnen suchten. Um dieser Entwicklung zu begegnen, wurde Posterstein dem böhmischen König als Lehen aufgetragen. Der damit verbundene Anspruch blieb nicht unwidersprochen und führte zu einer Beschwerde Markgraf Friedrichs des Ernsthaften beim Kaiser. Die Lehnsverhältnisse blieben noch lange umkämpft und waren erst im 17. Jahrhundert nicht mehr in derselben Schärfe strittig. Nach dem Vogtländischen Krieg der Jahre 1354 bis 1359 kamen große Teile der postersteinischen Güter unter meißnische Herrschaft, während Posterstein selbst vogtländisches, später reußisches Lehen blieb.

Vor dem Jahr 1442 gehörte die Herrschaft Posterstein der Familie Stöntztcz, auch Stöncz genannt. In jenem Jahr veräußerten die Brüder Heinrich, Nickel und Ulrich von Stöncz gemeinsam mit ihrer Mutter Ilze den Besitz mit allen Zugehörungen an Johann Hans, Burgold, Dietrich und Nickel Puster. Als Kaufpreis werden 800 Schock Freiberger Münze genannt. Daneben existiert eine weitere Überlieferung, nach der Angehörige der Familie „Puster zum Stein“ bereits im Jahr 1329 im Zusammenhang mit Posterstein erscheinen. In diesem Zusammenhang soll Heinrich der Ältere, Vogt von Plauen, die Herrschaft vom böhmischen König als Lehen erhalten haben.

Während der Zeit der Familie Puster wurde die Herrschaft erweitert. Rodungen vergrößerten den nutzbaren Besitz, und auch die Burganlage wurde allmählich umgestaltet. Der östlich vorgelagerte Zwinger erhielt ein Wohngebäude, und im Laufe des 15. Jahrhunderts begann man damit, Teile der Ringmauer mit Gebäuden zu überbauen. Ein Treppenturm wurde angelegt. Außerdem entstand im Gerichtsraum, hinter einem Schrank verborgen, eine Treppe, die die oberen Geschosse der Flügelbauten erreichbar machte, solange die Innenhöfe noch nicht überbaut waren. Zu dieser Zeit festigte sich der Begriff Posterstein für die Burg. Eine frühe Erwähnung dieser Namensform findet sich im Zusammenhang mit einer militärischen Aufforderung aus dem Jahr 1474. Herzog Ernst (1441–1486), Kurfürst von Sachsen und Landgraf in Thüringen, berief damals Fürsten und Adelige nach Würzburg, um Vorbereitungen gegen Burgund zu treffen. Auch Jan Puster wurde zum Dienst aufgerufen und sollte sich am Freitag nach Martini, dem 12. November, in Leipzig einfinden. Neben einem Reitpferd hatte er einen halb verdeckten Rüstwagen mit vier kräftigen Pferden sowie Brot, Pelze und weitere zum Kriegszug gehörende Ausrüstung bereitzustellen. In diesem Zusammenhang wurde er als „Pustern czum steyne“ bezeichnet. Diese Form wird später mit der Entstehung des Ortsnamens in Verbindung gebracht. In den Jahren von 1505 bis 1528 befand sich Posterstein im Besitz von Nickel von Ende. 1507 branntes es auf der Anlage. 1528 ging die Herrschaft an Angehörige des meißnischen Adelsgeschlechts derer von Pflugk über.

Nickel von Ende verkaufte Posterstein mit seinen Zugehörungen für 17.500 Gulden an seine Vettern Julius Pflugk (1499–1564), Haubold Pflugk (1502–1563), Tham Pflugk (†1596), Andreas Pflugk und Christoph Pflugk auf Eythra. Julius Pflugk war zunächst Dompropst in Zeitz und wurde später Bischof von Naumburg. Haubold Pflugk trat in den Dienst Kurfürst Johann Friedrichs von Sachsen und übernahm die militärischen Verpflichtungen für die Mitbelehnten. Während des Schmalkaldischen Krieges stellte die Herrschaft Posterstein ein Aufgebot, das aus vier Pferden, einem Heerwagen, zwei Bogenschützen, einem Hellebardier und einem Langspießer bestand. Unter der Familie von Pflugk wurde die mittelalterliche Burg grundlegend umgestaltet. Die Ringmauer wurde bis zur Höhe des heutigen Erdgeschosses abgetragen, die Fläche in der Kernburg verfüllt und die neuen Gebäude auf dieser Ebene errichtet. Damit erfolgte der Umbau der Burg in ein Wohnschloss der Renaissance. Im 16. Jahrhundert veränderte sich das äußere Bild der Anlage durch weißen Putz und rote Eckquaderungen. In dieser Zeit entstand auch der Erker an der Westseite mit seinen vierfach übereinander gewölbten Konsolen. Sichtbares Zeichen dieser Bauphase ist der Wendelstein von 1575. Haubold Pflugk erweiterte nicht nur den baulichen Bestand, sondern auch die Rechte des Gutes. Im Jahr 1554 erwarb er von Heinrich von Wildenfels auf Ronneburg für 1150 Gulden über die bereits vorhandenen Obergerichte über Posterstein, Nöbdenitz und Raudenitz hinaus die Gerichtsbarkeit über vierzehn weitere Orte. Ausdruck dieser Gerichtsbarkeit waren der Pranger unweit des Hospitals und das Verlies im Turm. Zunächst saß Haubold Pflugk selbst zu Gericht. Spätestens seit 1543 nahm ein Schosser als Verwalter diese Aufgabe wahr. Das Erbbuch der Familie Pflugk aus dem Jahr 1550 gibt Auskunft über die Zins- und Fronverhältnisse des Rittergutes Posterstein im 16. Jahrhundert.

Im Jahr 1575 verkaufte Cäsar Pflugk die Grundherrschaft Posterstein für 26.000 Gulden an seinen Vetter Tham Pflugk aus der Strehlaer Familienlinie. Mit diesem Besitzwechsel kam es zur Abspaltung des Nöbdenitzer Besitzes. Zugleich verlor die Familie den Logensitz in der Kirche von Nöbdenitz. Tham Pflugk (†1596) ließ daraufhin in Posterstein eine eigene Kirche mit eigener Loge errichten. Dafür stellte er ein Grundstück zur Verfügung, das zuvor zur Befestigungsanlage der Burg gehört hatte. Im selben Jahr ließ er auf Bauerngrund die Neue, spätere Rote Mühle bauen und als Rittergutsmühle nutzen. Für das Jahr 1580 ist eine Einwohnerzählung überliefert. Posterstein hatte damals 192 Bewohner in 29 Häusern. Auf der Burg lebten 20 Personen, darunter Tham Pflugk, seine Frau und die beiden Kinder.

Unmittelbar nach dem Tod Tham Pflugks im Jahr 1596 gipfelte der Lehnstreit zwischen Reußen und Wettinern in der Besetzung Postersteins durch die Reußen und der anschließenden Vertreibung der reußischen Besatzung durch fünfzig herzogliche Trabanten. Thams Erbe wurde der kursächsische Kammerrat zu Dresden und Berghauptmann Georg Pflugk der Ältere (1569–1621). Ihm gelang es zwischen 1600 und 1621, das Gut weiter auszubauen. Im Jahr 1603 erhielt Georg Pflugk das Privileg, in den Gruben St. Johannis bei Vollmershain sowie St. Magdalena und Dorothea bei Posterstein Eisenerz abbauen und schmelzen zu dürfen. Der Ertrag blieb gering. 1618 forderten die Reußen Pflugk auf, seine Untertanen mit Waffen zu versehen und jederzeit in Bereitschaft zu halten. 1633 und 1637 brachen in Posterstein Pestseuchen aus. Allein im Jahr 1633 starben neununddreißig Einwohner. Von 1647 auf 1648 stieg die Steuerlast des Dorfes von 90 auf 183 Gulden. Bereits 1632 hatte das Haus Posterstein über 566 Gulden Schulden. Der Geheime Rat und Kanzler in Gotha-Altenburg sowie Vizehofrichter Georg Dietrich von Pflugk (1640–1705) übernahm den Besitz 1666 von seinem Vater Alexander von Pflugk. Die Verwaltung des Gutes war zu dieser Zeit geschwächt, die Gebäude waren sanierungsbedürftig und die Schulden hoch. Georg Dietrich ließ deshalb sämtliche Zins- und Fronregister neu aufstellen, neue Dorf- und Gerichtsordnungen erstellen und das gesamte Obergeschoss des Schlosses erneuern. Durch seine Stellungen gelang es ihm, zahlreiche Marktrechte zu erwerben. In seine Zeit fällt die große barocke Umgestaltung der Burg. Zwischen 1684 und 1701 wurde das alte Obergeschoss abgetragen und als verputzter Fachwerkbau neu errichtet. Die Innenhöfe wurden überwölbt. Es entstand das barocke Treppenhaus. Zugleich wurden neue Fenster eingesetzt, die steinerne Brücke erbaut und das neue Portal geschaffen. Die Fassadengestaltung mit Kreuzstockfenstern prägte fortan das äußere Erscheinungsbild. Die Türme erhielten achteckige Hauben. 1689 wurde auch die benachbarte Burgkirche mit einem barocken Schnitzwerk ausgestattet. Diese Arbeit wird Johannis Hopf zugeschrieben. Im Jahr 1676 war bereits das erste Schulhaus in Posterstein gebaut worden. Bis dahin hatten die Kinder seit 1577 einmal wöchentlich den Unterricht im benachbarten Nöbdenitz besucht. 1764 wurde dieses Schulhaus durch Feuer zerstört und anschließend neu errichtet.

Georg Carl von Pflugk (1678–1748) war der letzte Pflugk auf Posterstein. Unter seiner Familie blieb der Besitz insgesamt fast zweihundert Jahre in dieser Hand. 1717 bis 1724 wurde an der Nordseite der Anlage ein weiterer Flügelbau errichtet. Ein Schlussstein mit der Jahreszahl „ANNO 1717“ soll sich am Nordflügel befunden haben. Der Bau nahm einen großen Festsaal auf. Noch vorhandene Scherben zeugen von Fußböden und Kaminen aus Marmor. Nach 1833 blieb dieser Nordflügel ohne Nutzung, weil die Besitzer das neue Herrenhaus bewohnten. 1718 verkaufte Georg Carl von Pflugk Posterstein an Heinrich Gottlieb von dem Werder und Gebhard Paris von dem Werder. Ab 1719 war außerdem Thilo Lebrecht von Throtha mitbelehnt. Die Brüder von dem Werder hielten den Besitz bis 1721.

1724 erwarb Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming (1667–1728), kursächsischer Generalfeldmarschall und leitender Minister Augusts des Starken, die Herrschaft. Während seiner Gesandtschaft in Warschau hatte er 1697 wesentlich zur Wahl Augusts des Starken zum polnischen König beigetragen. Posterstein blieb bis 1833 im Besitz der Reichsgrafen von Flemming. Die von Flemmings lebten auf Schloss Crossen und hielten sich nur selten in Posterstein auf, tätigten dort aber erhebliche Investitionen. Im 18. Jahrhundert wurden die Wohnräume letztmalig renoviert und mit textiler Wandbespannung versehen. Im Jahr 1772 ist ein Brand auf dem Wirtschaftshof überliefert, in dessen Folge der Halsgraben zugeschüttet wurde. 1776 wurde an der Steilseite ein einsturzgefährdetes Gebäude abgebrochen.

1833 erwarb Salomon Friedrich Herrmann (1797–1858) das Rittergut Posterstein. Die Familie Herrmann blieb bis 1945, in der letzten Phase bis 1946, im Besitz der Burganlage. Die Familie Herrmann gab die Nutzung der Burg zu Wohnzwecken auf, entwickelte das Rittergut im 19. Jahrhundert jedoch weiter. 1850 wurden nach Verhandlungen zwischen Bauern und Rittergutsbesitzern die Frondienste durch Geldleistungen abgelöst. Walter Herrmann (1871–1927), Landschaftsrat und Taxator von Landwirtschaftsbetrieben, baute den Besitz zu einem in Thüringen einzigartigen Saatzucht- und Mustergut aus. In diesem Zusammenhang fanden um 1880 erneut größere Umbauten statt. 1913 nahm Rudolf Ditzen, später unter dem Namen Hans Fallada bekannt, hier nach seiner achtzehnmonatigen Behandlung im benachbarten damaligen Kurhaus Tannenfeld eine landwirtschaftliche Lehre auf und wurde Spezialist für Kartoffelzüchtung. 1937 wurden erneut Renovierungs- und Sicherungsarbeiten an der Burganlage durchgeführt. Zu dieser Zeit existierte an der Ostseite der Burgkirche weiterhin das Familienbegräbnis der Herrmanns.

Während der beiden Weltkriege wurde Posterstein nicht zerstört. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges endete jedoch auch in Posterstein die Grundherrschaft. Im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone wurde 1946 das 192 Hektar große Rittergut enteignet, und es kam der Befehl zur Aufteilung innerhalb von vierundzwanzig Stunden. Der letzte Rittergutsbesitzer Kurt Herrmann (1905–1986) wurde nach Westdeutschland umgesiedelt. Zwanzig Neubauernstellen wurden geschaffen. Burg und Herrenhaus nahmen ab Kriegsende bis zu dreihundert Flüchtlinge aus den Ostgebieten auf. Ende der 1940er Jahre wurden die große Rittergutscheune und der moderne Kuhstall abgebrochen. Aus dem gewonnenen Baumaterial entstanden zwanzig Neubauerngehöfte, davon dreizehn auf dem Burgberg.

Das Herrenhaus erhielt nach 1945 neue Nutzungen und diente als Konsum, Schule und von 1956 bis 1992 als Kinderheim. Der Pferdestall wurde zum Wohnhaus umgebaut. Für die Burg selbst bedeutete die Nachkriegszeit erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz. 1951 kam es zum Abriss des intakten Nordflügels, auch unter dem Gesichtspunkt der Gewinnung von Baumaterial. Dach und Erdgeschoss wurden abgetragen, das Kellergeschoss mit seinem Kreuzgewölbe verfüllt. Nach 1980 stürzte das Kreuzgewölbe infolge jahrelanger Verwitterung ein. Seitdem ist auch das Kellergeschoss eine Ruine. In einer anderen Datierung wird der Abbruch des Nordflügels als Vorgang der Jahre 1951 bis 1953 bezeichnet. In der Folgezeit wurde die Bausubstanz mühsam gesichert, ohne die Bauschäden konstruktiv zu beseitigen. Unzureichende Baupflege und Wassereinbrüche durch undichte Dächer führten zu fortschreitendem Verfall. 1977 musste die Burg für die Öffentlichkeit gesperrt werden.

Bereits 1981 wurde im Obergeschoss eine Stahlkonstruktion eingebaut, um den freitragenden und einsturzgefährdeten Dachstuhl der oberen Halle abzufangen. Von 1984 bis 1991 erfolgte die umfassende Restaurierung der denkmalgeschützten Anlage. 1984 wurde der Bergfried vollständig restauriert. Zudem rekonstruierte man den Treppenturm am Westflügel und die angrenzenden Gebäudeteile der Nordfassade. 1985 wurde der Ostflügel im nördlichen Bereich bis zum östlichen Flügelbau rekonstruiert. 1986 und 1987 folgte die Rekonstruktion des Ostflügels im südlichen Bereich sowie der Südfassade bis zum südlichen Flügelbau des Westflügels mit Uhrturm. Gleichzeitig begann die Rekonstruktion des Westflügels bis zum Anschluss an den Treppenturm. Von 1988 bis 1990 wurde die Rekonstruktion des Westflügels beendet. Es folgten Dachdecker- und Malerarbeiten sowie der Beginn des Innenausbaus und der Ausbau des Burgkellers. 1991 wurde der Innenausbau abgeschlossen. Das Museum konnte im selben Jahr mit neuem Konzept und neu gestalteten Ausstellungen wieder eröffnet werden. 1999 wurde der Bauschutt aus den früheren Kellerräumen entfernt und das verbliebene Mauerwerk gesichert.

Seit 1952 befindet sich in der Burg ein kulturhistorisches Museum. In den barocken Räumen werden Ausstellungen zur Geschichte der Burg und der Region gezeigt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Geschichte des Musenhofes der Herzogin Anna Dorothea von Kurland im nahegelegenen Schloss Löbichau. 2011 wurde zum 250. Geburtstag der Herzogin die Ausstellung eröffnet. Im Museum gehören auch das Burgverlies und die Besteigung des etwa 25 Meter hohen Bergfriedes zum Rundgang.

Die Burgkirche mit dem barocken Schnitzwerk von 1689 gehört ebenfalls zu den überlieferten Bestandteilen des Ensembles. Die ehemalige Burgkapelle am Nordhang des Burgberges ist in ihren Grundelementen ein spätgotischer Bau des 15. Jahrhunderts und wurde mehrfach umgebaut, zuletzt 1901. Seit November 2023 läuft der Wiederaufbau des einstigen Nordflügels. Die Grundsteinlegung erfolgte im November 2023. Der historische Nordflügel stand an der Nordseite des Bergfriedes, sodass der Burghof ursprünglich von drei Seiten umschlossen wurde. Ein erster Nordflügelbau bestand bereits zwischen 1528 und 1718. Ein vermuteter Vorgängerbau wurde im Stil des 17. Jahrhunderts umgestaltet. Der barocke Nordflügel von 1717 bis 1724 nahm den großen Festsaal auf. Nach dem Abbruch in den 1950er Jahren blieb der Bereich ruinös. Seit 2023 wird der Flügel wieder aufgebaut. Das Herrenhaus, der Pferdestall, die ehemaligen Wirtschaftsgebäude und die Neubauerngehöfte auf dem Burgberg gehören zur späteren Entwicklung des Gutsbereichs.

Die Aufnahmen entstanden im August 2024.

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen oder vielleicht sogar alte Fotos zu diesem Gutshaus? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail an kruse@historische-haeuser.com

Bleib in Kontakt

Newsletter

Erhalten Sie regelmäßig meinen Newsletter mit Neuigkeiten zu Gutshäusern, weiteren historischen Häusern, Veranstaltungen und Angeboten – direkt in Ihr Postfach. Melden Sie sich jetzt an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Teile den Artikel

Familienwappen Kruse © Historische Häuser | Alte Häuser

Barrierefreiheit

error: Ich freue mich über Ihr Interesse an meinen Texten und Bildern. Wenn Sie diese verwenden möchten, bitte ich um eine kurze Anfrage. Sie erreichen mich jederzeit unter kruse@historische-haeuser.com

NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig meinen Newsletter mit Neuigkeiten zu Gutshäusern, weiteren historischen Häusern, Veranstaltungen und Angeboten – direkt in Ihr Postfach. Melden Sie sich jetzt an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig meinen Newsletter mit Neuigkeiten zu Gutshäusern, weiteren historischen Häusern, Veranstaltungen und Angeboten, direkt in Ihr Postfach. Melden Sie sich jetzt an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.