Zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte der Architekt Paul Johannes Adolf Korff als einer der bedeutendsten Architekten der mecklenburgischen Reformarchitektur die Gutshauslandschaft des Landes wie kaum ein anderer Baumeister seiner Zeit. Während vielerorts noch historistische Herrenhaus- und Schlossbauten entstanden, entwickelte er eine neue Form des ländlichen Bauens, die moderner wirkte und dennoch eng mit der norddeutschen Landschaft verbunden blieb. Seine Häuser verbanden repräsentative Wirkung mit handwerklicher Präzision, klare Formen mit wohnlicher Atmosphäre. Gutshäuser und Herrenhäuser mit ihren hohen Dächern, ruhigen Fassaden und klaren Baukörpern prägen bis heute das Bild vieler mecklenburgischer Güter.
Paul Johannes Adolf Korff (1875–1945) wurde am 25. Oktober 1875 in Laage geboren. Sein Vater Friedrich Korff war Maurermeister, Bauunternehmer und Ratsherr. Schon früh kam Paul Korff dadurch mit dem Bauhandwerk in Berührung. Nach dem Schulbesuch in Güstrow studierte er am Technikum Neustadt-Glewe und arbeitete anschließend im Büro des Oberhofbaurates Gotthilf Ludwig Möckel (1838–1915) in Bad Doberan. Dort lernte er nicht nur die sorgfältige handwerkliche Ausführung von Architektur kennen, sondern auch die Bedeutung regionaler Bautraditionen. Besonders Möckels Umgang mit norddeutschen Backsteinformen und historischen Vorbildern hinterließ Spuren, auch wenn Korff später einen eigenen Weg einschlug. Während Möckel noch stärker historisch orientiert arbeitete, entwickelte Korff allmählich eine sachlichere und ruhigere Architektursprache, die traditionelle Bauformen mit modernen Wohn- und Nutzungsansprüchen verband.
Während einer Bauleitung an der Trinitatiskirche im sächsischen Hainichen begegnete Korff dem Architekten Alfred Krause (1866–1930), mit dem ihn später eine langjährige Zusammenarbeit verband. Gemeinsam gründeten beide 1899 in Rostock die Bürogemeinschaft „Krause & Korff“. Die Verbindung blieb nicht nur beruflich bestehen. Korff heiratete 1901 Marie Aloyse Leonhardt (1880–1928), während Krause ihre Schwester Adele Leonhardt heiratete. Wenige Jahre später verlagerte Korff seinen Lebensmittelpunkt zurück nach Laage. Dort gründete er das „Landbaubüro Laage“, das zeitweise rund zwanzig Mitarbeiter beschäftigte und sich rasch zu einem der produktivsten Architekturbüros Mecklenburgs entwickelte.
Zwar lag ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf Gutshäusern und ländlichen Anlagen, doch entwarf Korff ebenso Villen, Hotels, Geschäftshäuser, Banken, Kirchen, Denkmäler und Möbel. Viele seiner Projekte entstanden als Gesamtkunstwerke, bei denen selbst Türen, Treppen, Wandvertäfelungen, Leuchten oder Einrichtungsgegenstände eigens entworfen wurden. Gerade auf den mecklenburgischen Gütern beschränkte sich Korff häufig nicht allein auf das Herrenhaus. Oft plante er zugleich Wirtschaftsgebäude, Toranlagen, Gartenachsen, Zufahrten, Terrassen oder Arbeiterhäuser und entwickelte dadurch vollständige Gutsensembles mit einheitlicher architektonischer Handschrift.
Zeitgenossen beschrieben Korff als Architekten mit einem außergewöhnlich engen Bezug zum Handwerk. Der Kunstschriftsteller Thuro Balzer berichtete 1913, Korff habe sich in Laage einen Kreis besonders qualifizierter Handwerker aufgebaut, darunter Tischler, Schlosser, Steinmetzen und Maler, die seine Entwürfe mit großer Sorgfalt ausführten. Gerade diese handwerkliche Qualität unterscheidet viele seiner Gebäude bis heute von den oft überladen wirkenden Villen- und Schlossbauten jener Zeit. Korff legte großen Wert auf hochwertige Materialien, ausgewogene Proportionen und eine präzise Ausführung bis ins Detail. Dadurch wirken viele seiner Häuser trotz ihrer Größe ruhig, geschlossen und selbstverständlich in die Landschaft eingebunden.
Besonders prägend wurde Korffs Wirken auf den mecklenburgischen Gütern. In einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderungen entwickelte er eine neue Form des Herrenhauses. Viele ältere Gutshäuser Mecklenburgs stammten aus dem Klassizismus oder aus barocken Umbauphasen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Korff griff diese Bautraditionen auf, interpretierte sie jedoch neu. Seine Architektur verzichtete meist auf übermäßigen Fassadenschmuck und wirkte stattdessen durch Proportionen, Dachformen, Materialien und die Verbindung zur Umgebung. Statt repräsentativer Übersteigerung suchte Korff nach einer Architektur, die selbstverständlich wirkte und eng mit Landschaft, Parkanlagen und Gutshof verbunden blieb. Die Gebäude sollten nicht als fremde Repräsentationsbauten erscheinen, sondern als gewachsene Bestandteile der mecklenburgischen Kulturlandschaft.
Charakteristisch für Korffs Architektur wurden hohe Walm- und Mansarddächer, kräftige Giebel, zurückhaltend gegliederte Fassaden und eine klare Baukörpergestaltung. Zugleich integrierte er moderne technische Lösungen. In mehreren Herrenhäusern kamen bereits Eisenbetondecken, Zentralheizungen oder moderne Belüftungssysteme zum Einsatz. Gerade in seinen größeren Gutshausbauten verband Korff traditionelle Landhausarchitektur mit zeitgemäßer Technik und modernen Wohnvorstellungen.
Zu den frühesten bekannten Gutshausprojekten Korffs gehört das Gutshaus Stubbendorf bei Tessin, das 1903 bis 1904 für Hellmuth von Prollius entstand. Bereits hier zeigt sich jene ruhige und landschaftsverbundene Architektur, die viele seiner späteren Arbeiten prägen sollte. Ein weiterer Meilenstein wurde das zwischen 1905 und 1907 entstandene Gutshaus Wendorf bei Sternberg. Dort entwarf Korff nicht nur das Herrenhaus, sondern ein vollständiges Ensemble aus Wirtschafts- und Wohngebäuden, das zu den geschlossensten Landhausanlagen Mecklenburgs zählt.
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs zog es Korff zeitweise nach Ostpreußen, wo nach den schweren Zerstörungen des Krieges ein umfangreicher Wiederaufbau begann. Seine dortige Tätigkeit ist nur teilweise dokumentiert, doch erhaltene Möbelentwürfe und Innenraumgestaltungen belegen seine Beteiligung an diesem Wiederaufbauprogramm. Nach dem Krieg wandelte sich seine Architektur allmählich weiter. Die Formen wurden sachlicher und ruhiger, ohne die Verbindung zur regionalen Bauweise aufzugeben. Zwischen 1918 und 1920 war Korff an Umbauten auf Schloss Vollrathsruhe beteiligt. Auch Schloss Plathe und Schloss Speck in Pommern gehören zu seinen späteren Schlossprojekten. Die wirtschaftlichen Krisen der 1920er Jahre erschwerten zunehmend die Arbeit vieler Architekten. Dennoch blieb Korff tätig. 1930 übernahm er mit den Arbeiten am Herrenhaus Rothspalk eines seiner letzten bekannten Projekte im Bereich der Gutshausarchitektur.
Neben seinen Gutshäusern entstanden zahlreiche Villen, Hotels und Geschäftshäuser in Rostock, Güstrow und Warnemünde. Dazu gehören unter anderem die Villa Zeeck in Rostock, das Hotel „Am Alten Strom“ in Warnemünde, das Kurhotel in Schwerin-Zippendorf oder die Rostocker Bank in der Kröpeliner Straße. Auch diese Bauten zeigen Korffs Fähigkeit, traditionelle Architekturformen mit modernen Anforderungen zu verbinden. Selbst bei städtischen Gebäuden blieb sein Gespür für Proportionen, handwerkliche Qualität und regionale Bautraditionen erkennbar.
Kurz vor Kriegsende nahmen sich Paul Korff und seine zweite Ehefrau Ilse Kühn (1902–1945) am 2. Mai 1945 in Laage das Leben. Große Teile seines Archivs gingen während der Kriegswirren verloren. Dennoch gehört Paul Korff bis heute zu den wichtigsten Architekten Mecklenburgs. Seine Gutshäuser, Herrenhäuser und Schlösser prägen noch immer vielerorts die Kulturlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns.
Gutshäuser, Herrenhäuser und Schlösser von Paul Korff in Mecklenburg-Vorpommern
Baujahr: 1903 bis 1904
Bauherr: Hellmuth von Prollius
Das Gutshaus entstand als eingeschossiger Putzbau mit hohem Mansarddach über einem Untergeschoss aus Granitfindlingen. Ein zweigeschossiger Mittelrisalit mit dem Wappen der Familie von Prollius prägt die Fassade. Bereits hier zeigt sich Korffs frühe reformorientierte Landhausarchitektur mit ruhigen Proportionen und landschaftlicher Einbindung.
Weitere Informationen über das Gutshaus Stubbendorf

Baujahr: ab 1905
Bauherr: Familie von Döring
Nach dem Brand des älteren klassizistischen Herrenhauses entstand unter Korff ein neobarocker Neubau über den historischen Kellergewölben des 17. Jahrhunderts. Hohe Walmdächer, Mittelrisalite mit Dreiecksgiebeln und seitliche Vorbauten mit Altanen bestimmen das Erscheinungsbild. Gleichzeitig wurden moderne Konstruktionen wie Eisenbetondecken verwendet.
Weitere Informationen über Schloss Badow

Baujahr: Umbau um 1905
Bauherr: vermutlich Familie von Bassewitz beziehungsweise spätere Gutsbesitzer
Korff modernisierte das ältere Herrenhaus behutsam und passte es an zeitgemäße Wohnansprüche an. Der Bau steht heute unter Denkmalschutz.
Baujahr: Umbau um 1910
Bauherr: Familie Wenck
Das ursprünglich 1703 errichtete Herrenhaus wurde durch Paul Korff umfassend umgestaltet. Gleichzeitig erneuerte der Gartenarchitekt Richard Habich die weitläufigen Parkanlagen. Korff verband ältere barocke Strukturen mit reformorientierter Landhausarchitektur und modernen Wohnvorstellungen.
Baujahr: 1905 bis 1907
Bauherr: Ivan Mackensen von Astfeld
Wendorf zählt zu den bedeutendsten Arbeiten Korffs. Er entwarf nicht nur das Herrenhaus, sondern die gesamte Anlage mit Arbeiterhäusern, Inspektorenhaus und Wirtschaftsgebäuden. Die Architektur verbindet reformorientierte Landhausformen mit Elementen des Biedermeier.
Besonders markant sind die hohen Dächer, die kräftigen Giebel und die großzügigen Hallenräume. Das Schloss wurde später ausführlich in „Vom Schloss bis zum Katen“ veröffentlicht.

Baujahr: Umbau ab 1906
Bauherr: Walter Duve
Korff gestaltete das ältere Herrenhaus von 1788 grundlegend um. Der eingeschossige Bau mit Souterrain erhielt eine große Freitreppe, einen Wintergarten sowie eine Sonnenuhr über dem Eingang. Die Architektur verbindet ältere Herrenhausformen mit Elementen der Reformarchitektur.

Baujahr: Umbau und Erweiterung ab 1904
Bauherr: zunächst Alfred Winzer, später Hermann G. Schmid
Das ursprünglich um 1750 errichtete Herrenhaus wurde von Paul Korff im Sinne der Heimatschutzarchitektur umgebaut und erweitert. Hohe Dächer, ruhige Fassaden und die landschaftliche Einbindung prägen den Bau.

Baujahr: 1908
Bauherr: nicht eindeutig überliefert
Der landschaftsbezogene Bau wirkt im Vergleich zu Korffs repräsentativen Schlossanlagen bewusst zurückhaltend. Klare Proportionen und eine ruhige Fassadengliederung bestimmen die Architektur.
Baujahr: 1909 bis 1911
Bauherrin: Sophie von Oertzen, geborene Schröder
Das Herrenhaus entstand als Witwensitz inmitten eines weitläufigen Parks. Hohe Walmdächer, klare Fassaden und die ruhige Gesamtwirkung verleihen dem Bau eine beinahe norddeutsche Strenge.

Baujahr: um 1910 bis 1912
Bauherr: Ernst Johann Ballin aus Oldenburg
Büttelkow gehört zu den technisch und architektonisch anspruchsvollsten Landhäusern Korffs. Der Bau verbindet Neobarock, Klassizismus und Jugendstil. Zugleich verfügte das Herrenhaus über modernste Haustechnik mit Zentralheizung, elektrischen Anlagen und Stahlbetondecken.
Baujahr: vermutlich um 1912
Bauherr: Ulrich von Maltzan, Freiherr zu Wartenberg und Penzlin
Das Herrenhaus entstand vermutlich nach Plänen Korffs als Teil einer größeren Gutsanlage. Der Bau zeigt deutliche Einflüsse der Heimatschutzarchitektur mit ruhigen Fassaden, hohen Dachflächen und einer engen landschaftlichen Einbindung.
Baujahr: Umbau 1910
Bauherr: Arthur Türcke
Korff übernahm Umbau und Erweiterung des Herrenhauses. Der Bau ist heute nicht mehr erhalten.
Baujahr: Umbau ab 1911
Bauherr: Familie von Brocken
Korff ergänzte das ältere neugotische Herrenhaus um eine große Seeterrasse und einen Turm. Dadurch erhielt das Gebäude ein deutlich repräsentativeres Erscheinungsbild.

Baujahr: 1910 bis 1912
Bauherr: Henry Brarens Sloman
Das ehemals klassizistische Herrenhaus wurde durch Korff tiefgreifend im neobarocken Stil umgestaltet. Säulenportikus, Balkon, Wintergarten und große Freitreppen verleihen Bellin seine repräsentative Wirkung. Auch Park und Terrassenanlagen wurden neu gestaltet. Bellin veröffentlichte Korff ebenfalls in „Vom Schloss bis zum Katen“.
Baujahr: 1908 bis 1912
Bauherr: Wladimir Schmitz
Das neobarocke Herrenhaus entstand an Stelle eines älteren Wohnhauses. Hohe Walmdächer, großzügige Freitreppen und die enge Verbindung von Haus und Landschaftspark prägen die Anlage. Hasenwinkel gehört zu den geschlossensten Entwürfen Korffs.
Baujahr: Umbau 1911
Bauherr: Kurt Viering
Korff erhöhte das ältere Herrenhaus um ein Stockwerk und verlieh ihm eine neobarocke Fassade mit Mansarddach. Der Umbau verband repräsentative Architektur mit modernen Wohnansprüchen.
Weitere Informationen über das Schloss Lübzin.

Baujahr: um 1912
Bauherr: Familie Zarneckow
Das neobarocke Herrenhaus besitzt eine repräsentative Freitreppe, einen kleinen Säulenbalkon zur Parkseite und ein Wappenrelief im Dreiecksgiebel. Im Inneren blieben zahlreiche bauzeitliche Details erhalten.
Baujahr: 1912
Bauherr: Friedrich Klotz
Das klassizistisch geprägte Herrenhaus besitzt einen Mittelrisalit mit Freitreppe, Säulenaltan und steinerner Balustrade. Die Architektur wirkt repräsentativ, zugleich aber zurückhaltend.
Baujahr: 1912 bis 1913
Bauherr: Artur von Poensgen
Das monumentale Herrenhaus entstand im Stil des Neobarock mit Jugendstilelementen. Großzügige Terrassenanlagen, Freitreppen und die sorgfältige handwerkliche Ausführung machen Mentin zu einer der reifsten Arbeiten Korffs vor dem Ersten Weltkrieg.
Weitere Informationen über Schloss Mentin.

Baujahr: 1912 bis 1913
Bauherr: nicht eindeutig überliefert
Der landschaftsbezogene Bau verband moderne Wohnideen mit traditionellen mecklenburgischen Landhausformen.

Baujahr: vor 1912
Bauherr: nicht eindeutig überliefert
Korff arbeitete hier an der Umgestaltung beziehungsweise Erweiterung eines älteren Herrenhauses.
Baujahr: um 1900
Bauherr: Carl von Heiligenstedt
Das heute nicht mehr erhaltene Herrenhaus entstand nach Plänen Paul Korffs für den Pächter des Rostocker Kämmereigutes.
Baujahr: Anfang des 20. Jahrhunderts
Bauherr: Familie Schröder
Das Herrenhaus entstand nach Entwürfen Paul Korffs, brannte jedoch 1945 ab.
Baujahr: Wiederaufbau nach 1917
Bauherr: Hans Werner Graf von Tiele-Winckler
Nach dem Brand des Vorgängerbaus entstand ein neobarockes Herrenhaus mit markanten Giebeln und großzügigen Fassaden. Die Anlage war eng mit dem umgebenden Landschaftspark verbunden.
Weitere Informationen über Schloss Vollrathsruhe.


Baujahr: um 1919
Bauherr: Hermann von Rußdorf
Das neobarocke Herrenhaus entstand nach Plänen Korffs und besaß eine repräsentative, symmetrische Fassadengestaltung. Das Gebäude wurde später abgerissen.
Baujahr: Umbau in den 1920er Jahren
Bauherr: Karl Rehm
Korff gestaltete das ältere Herrenhaus mit neuen Eingangssituationen und Veränderungen an Park- und Hofseite um.
Baujahr: Umbau 1930
Bauherr: Siegfried Schulz
Paul Korff übernahm Arbeiten am älteren klassizistischen Herrenhaus, dessen ursprünglicher Entwurf von Joseph Ramée stammte. Die Eingriffe zählen zu den späten Arbeiten des Architekten im Bereich der Herrenhausarchitektur.

