Das neobarocke Gutshaus Puchow gehört zu den wenigen Gutshäusern Mecklenburgs, deren Geschichte sich über viele Jahrhunderte hinweg in ungewöhnlicher Dichte nachvollziehen lässt. Die archivalischen, genealogischen, volkskundlichen und landesgeschichtlichen Quellen zeichnen das Bild eines alten mecklenburgischen Lehngutes, das tief mit der Herrschaft Penzlin, der Familie von Maltzan sowie zahlreichen weiteren Adelsfamilien der Region verbunden war. Am westlichen Rand des Gutes erhebt sich das Herrenhaus über Park und Wirtschaftsgebäuden. Noch heute ist die Geschlossenheit der Anlage bemerkenswert, denn Dorf, Gutshof und Schloss wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts als zusammenhängendes Ensemble neu gestaltet.
Die Landschaft um Puchow gehört zu jenen Gegenden, deren Geländeformen noch deutlich auf die Eiszeit zurückgehen. Wallberge und Åsare gestalten bis heute die Umgebung. Auch bei Puchow befanden sich solche Wallberge. Sie wurden in früher Zeit bevorzugt als Befestigungsplätze genutzt. In der Nähe des Dorfes lag zudem der sogenannte Räuberberg zwischen Rahnenfelde und Puchow unweit der alten Landstraße zwischen Penzlin und Stavenhagen. Dort hielt sich nach alter Überlieferung eine Räuberbande verborgen. Die Räuber hatten Schnüre über die Straße gezogen, die mit Glocken im Inneren des Berges verbunden waren. Sobald sich Reisende näherten, wurden sie durch das Läuten der Glocken gewarnt. Die Entdeckung der Räuber erfolgte schließlich durch ein gefangen gehaltenes Mädchen, das Erbsen auf den Weg streute. Ein Schwein folgte der Spur, bewaffnete Männer wiederum dem Tier, bis die Räuber schließlich überwältigt wurden.
Puchow war lange vor der Entstehung des späteren Gutes besiedelt. Archäologische und siedlungsgeschichtliche Quellen weisen auf eine sehr frühe Nutzung der Landschaft hin. In der „Vorgeschichte von Mecklenburg“ wird der Heuweg bei Puchow erwähnt, wo Scherben aus der letzten Heidenzeit gefunden wurden. Man nimmt an, dass sich dort einst eine militärische Station zwischen den befestigten Burgwällen der Penzliner Gegend befunden habe. Damit reicht die Geschichte des Ortes weit in vorchristliche Zeit zurück. 1326 wurde Puchow erstmals urkundlich erwähnt. Bereits damals bestand im Dorf eine Kirche und bestand aus mehreren Einzelhöfen, aus denen sich innerhalb der folgenden Jahrhunderte zu einem Bauerndorf mit enger Bindung an die Herrschaft Penzlin entwickelte. In der Vogtei Stavenhagen und der benachbarten Vogtei Penzlin hielten sich lange slawische Ortsnamen und slawische Familiennamen. Noch 1494 begegnen in Puchow Einwohner mit den Namen Ghoreke, Tzarte und Dalyc. Im benachbarten „Puchow-Wokuhl“ erscheinen später die Namen Gorcke, Tuleke, Dalige und Tzarte. Diese slawischen Namensformen blieben über Generationen hinweg Bestandteil der örtlichen Bevölkerung.
Am Ende des 15. Jahrhunderts gehörte Puchow zu jenen Gütern, die mit der Vogtei Penzlin verbunden waren. Nachdem die Herzögen Magnus und Balthasar von Mecklenburg umfangreiche Pfandbesitzungen an die Familie von Maltzan überlassen hatten, wurde Ritter Bernd Maltzan am 18. Juli 1501 erblich unter anderem mit Puchow belehnt. Diese Verbindungen reichen jedoch noch weiter zurück. Bereits 1479 hatten die von Maltzan Besitzrechte an die Herzöge abgetreten, erhielten Teile davon jedoch erneut zu Lehen zurück. Die Belehnung umfasste Stadt, Schloss und Haus Penzlin sowie zahlreiche Dörfer und Güter der Vogtei. Unter ihnen befanden sich Mallin, Puchow, Groß Lutow und Liepen. Genauer genannt werden zehn Höfe in Mallin, vier Höfe und drei Katen in Puchow, acht Hufen in Groß Lutow sowie ein Hof in Liepen. Der Besitz war mit hohen finanziellen Verpflichtungen verbunden. Bernd von Maltzan musste erhebliche Summen an die Herzöge entrichten, um die Herrschaft dauerhaft zu sichern. Puchow war damit bereits früh Teil eines größeren wirtschaftlichen Verbandes, der die Grundlage der Penzliner Herrschaft bildete. Die Familie von Maltzan prägte die Geschichte der Gegend über Jahrhunderte hinweg. Ihre Besitzungen erstreckten sich über große Teile des östlichen Mecklenburgs. Immer wieder wurden Güter innerhalb der Familie geteilt, verpfändet oder neu vergeben. Bereits im Verlauf des 16. Jahrhunderts führten Erbteilungen und wirtschaftliche Belastungen zu komplizierten Besitzverhältnissen. Als Georg I. von Maltzan 1562 starb, hinterließ er umfangreiche Besitzungen. Bei der Teilung der väterlichen Erbgüter von 1569 erhielt Georg II. von Maltzan Werder mit Anteilen in Lapitz, Wodrow, Puchow, Rahnenfelde, Hohenziethen, Liepen, Langhagen, Groß Lutow und weiteren Orten. Dieser Besitz entsprach ungefähr einem Viertel der Herrschaft Penzlin. Die übrigen Teile der Herrschaft fielen an Bernhard Lütke, Joachim und Runo von Maltzan. Bereits wenige Jahre später entstanden daraus neue Streitigkeiten um Lehnsgüter, Erbteile und Nutzungsrechte. Puchow blieb dabei fortwährend Teil jener komplizierten Besitzverhältnisse.
Im frühen 17. Jahrhundert trat besonders Runo Georg von Maltzan (ca. 1566-1625) hervor, der früh in erhebliche Schulden geriet. 1604 verpfändete er seinen Hof Puchow mit Gädebehn und Rahnenfelde für 1500 Gulden an den Neubrandenburger Bürger Hans Ungermünde. 1617 wurden dieselben Güter erneut verpfändet, diesmal für 2000 Gulden an Lütke Schröder. Die Verpfändung hing mit größeren Geldforderungen zusammen, die gegen Runo Georg bestanden. 1622 verschrieb Runo Georg seinen Hof Puchow schließlich für 11500 Gulden an „Jacob Vieregg zu Puchow“, der auch im Hufenverzeichnis der Fürstentümer Schwerin und Güstrow von 1628 steht. Die wirtschaftliche Lage hatte sich inzwischen derart verschlechtert, dass die Familie ihre Besitzungen nur noch mit Mühe halten konnte. Immer wieder dienten Höfe, Wiesen, Schäfereien oder Nutzungsrechte als Sicherheiten für Kredite. Nach dem Tod Runo Georgs am 18. Januar 1625 erhielten seine unmündigen Söhne Georg Werner und Joachim II. die väterlichen Lehnsrechte. Bereits 1634 mussten die Vormünder jedoch Werder und Puchow für fünfzehn Jahre und gegen 20000 Gulden an den schwedischen Oberstleutnant Joachim Engel verpfänden. Die Schulden beliefen sich damals auf mehr als 51000 Gulden. Zugleich lag das Patronatsrecht der Kirche seit 1702 ununterbrochen bei den Inhabern der Burg Penzlin, also der Familie von Maltzan.
Auch Georg Heinrich von Maltzan war ein Teil der Puchower Geschichte. Noch 1622 billigte er in Werder die von seinem Vetter Runo Georg veranlasste Verpfändung des Gutes. Nach seinem Tod im Februar 1626 wurde Konkurs über seine Besitzungen eröffnet. Die folgenden Jahrzehnte waren von neuen Erbauseinandersetzungen, Verpfändungen und langwierigen Prozessen geprägt. Besondere Bedeutung gewann später seine Tochter Frein Maria Luise von Maltzan (1654-1703). Sie heiratete 1682 zunächst den holländischen Kapitän Johann Wilhelm von Blau. Nach dessen Tod vermählte sie sich um 1689 mit Heinrich Daniel von der Lancken (-1712) auf Päsentin und Puchow. Bereits zuvor hatte ihr Vater Puchow und drei Kossatenhöfe in Rahnenfelde auf sie übertragen. Mit Vertrag vom 6. Juni 1689 gingen diese Besitzungen als Allodialgut an die Familie von der Lancken über, wobei sich die Familie von Maltzan ein Vorkaufsrecht vorbehielt. Mit dieser Verbindung begann die lange Besitzzeit der Familie von der Lancken auf Puchow. Die Familie gehörte zu den bedeutenden mecklenburgischen und pommerschen Adelsgeschlechtern und verfügte über zahlreiche Güter in der Region und auf der Insel Rügen.
Eine wichtige Rolle spielte auch Adelheid von Bülow, die zweite Gemahlin Georg Heinrichs von Maltzan. Nach dem Tod ihres Mannes erhielt sie umfangreiche Wittumsrechte. Dazu gehörten das sogenannte Weiße Haus in Penzlin, mehrere Häuser auf der Burgfreiheit, Fischerei, Jagd und Holzung, die Schäferei Neuhof, ein halbes Puchow sowie Bauernhöfe in Mallin, Rahnenfelde und Alt Rehse. Adelheid verpachtete ihren Anteil später an ihren Stiefsohn Georg Julius von Maltzan (1656–nach 1708), der zu den unruhigsten Gestalten der Penzliner Geschichte gehört. Sein Leben war von Schulden, Prozessen und familiären Konflikten bestimmt. Am 28. März 1702 wurde in Puchow der Vertrag über die Abtretung der Herrschaft Penzlin geschlossen. Hans Heinrich von Maltzan sollte die Herrschaft mit allen Zubehörungen übernehmen. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass Georg Julius Gut und Dorf Puchow, das er von seiner Stiefmutter für 200 Taler in Pacht hatte, bis zu deren Tod weiter behalten solle. Der folgende Streit zwischen den Vettern entwickelte sich zu einem langjährigen Konflikt. Es kam zu Arrestbefehlen, gegenseitigen Klagen und militärischen Aktionen. Friedrich Wilhelm Schulz drang mit Dragonern nachts in die maltzansche Wohnung in Puchow ein, worauf Georg Julius und seine Frau sich teilweise durch die Fenster retten mussten. In einer weiteren nächtlichen Aktion wurden Möbel, Hausrat und andere Gegenstände gepfändet. Die wirtschaftliche Lage Georg Julius’ verschlechterte sich weiter. Im Oktober 1702 ließ er seine Möbel und Wertgegenstände heimlich aus Puchow nach Anklam bringen, wo Verwandte seiner Frau wohnten. Adelheid von Bülow unterstützte ihn weiterhin mit Geld und Lebensmitteln. Noch 1708 schrieb sie, dass sie mit Heinrich Leopold von Maltzan in gutem Einvernehmen lebe. Sie starb am 9. März 1711 im Weißen Haus in Penzlin.
Die Familie von der Lancken blieb bis in das 18. Jahrhundert im Besitz von Puchow. Als letzter Besitzer dieser Linie erscheint Lieutenant Franz Carl Wedige von der Lancken. 1805 ging das Gut an Lieutenant Anton von Berg. Die Familie von Berg stammte ursprünglich aus der Region um Magdeburg. Bereits 1791 war sie rezipiert worden, geriet jedoch offenbar teilweise wieder in Vergessenheit. Erst 1829 wurden Ernst von Berg auf Neuenkirchen und Anton von Berg auf Puchow erneut als indigene Adlige anerkannt. Eine Ortsbeschreibung des Jahres 1812 schildert Puchow als landwirtschaftliches geprägtes Gut nordwestlich von Penzlin „an einem See“ gelegen. Genannt werden Hof, Mühle, 107 Einwohner im Dorf und weitere 18 Bewohner auf dem Puchower Krug. Das Gut besaß über 1600 Scheffel Steuermaß und umfasste beträchtliche Flächen an Acker-, Wiesen- und Waldland. Besonders interessant ist die Erwähnung des Puchower Kruges. Gasthäuser dieser Art waren wichtige soziale und wirtschaftliche Zentren der ländlichen Regionen Mecklenburgs. Sie dienten Reisenden, Fuhrleuten und Händlern als Rastorte entlang der Verkehrswege zwischen Penzlin und Stavenhagen. Zugleich war der Puchower Krug offenbar tief in der regionalen Sagenwelt verankert. Volkskundliche Quellen berichten, dass der Krug früher „in der Nöte des Weberkruges“ geheißen habe, weil dort allerlei Schauergeschichten erzählt wurden.
1823 wurde das Gut öffentlich zur Verpachtung ausgeschrieben. Die Anzeige bestimmte, dass Puchow von Johannis an für sechs Jahre meistbietend verpachtet werden solle. Interessenten konnten das Gut nach vorheriger Anmeldung auf dem Hof besichtigen. Er war der Taufpate von Adolf Friedrich Ferdinand Anton Georg Freiherr von Maltzans (1805–1834). Ebenso erscheint Heinrich von Berg auf Puchow als Pate Agnes Karoline Henriette von Maltzans. 1839 erschien eine weitere öffentliche Bekanntmachung. Anton von Berg, inzwischen in Neubrandenburg lebend, hatte das Lehngut Puchow mit Zubehör verkauft. Alle Gläubiger und Anspruchsteller wurden aufgefordert, ihre Forderungen beim zuständigen Gericht anzumelden. Anton von Berg war auch mit der Familie von Maltzan verbunden.1839 verkaufte Anton von Berg das Lehngut Puchow an Hermann von Voß (1816–1862), Herr auf Puchow und Kieslingswalde. Er war ein Sohn des mecklenburgischen Kammerherrn Karl Friedrich Christian von Voß (1780–1838) und Louise Johanna Hedwig von Wolffradt (1783–1851). 1840 heiratete er Auguste Franz (1822–1902). Mehrere Kinder wurden in Puchow geboren. Später wurde Friedrich August Wilhelm Mecklenburg (1829–1911) Pächter des Lehngutes Puchow.
Ulrich von Maltzan (1846–1931) erwarb 1878 das alte Familiengut Puchow. Zuvor hatte er bereits Klein Barchow bewirtschaftet. In Puchow begründete Ulrich von Maltzan eine bekannte und vielfach ausgezeichnete Vollblutzucht. Bekannt war er allerdings auch für seine Schafzucht. Er legte hier den Stamm seiner Jeveländer Herde und erzielte besonders mit Kreuzungen von Southdown- und Hampshire-Schafen brachten ausgezeichnete Merino-Fleischschafe hervor. 1893 übernahm Ulrich von Maltzan aus der großväterlichen Erbschaft Groß Luckow. Die wirtschaftlichen Belastungen wurden jedoch zunehmend größer, sodass er 1905 zum Verkauf Puchows gezwungen war.
Nach dem Verkauf durch Ulrich von Maltzan begann für Puchow eine vollkommen neue Phase seiner Geschichte. 1905 erwarb Dr. phil. Adolf von Buenger (1855–1917) aus Riga das knapp 400 Hektar große Rittergut. Mit diesem Besitzerwechsel veränderte sich nicht nur das Gutshaus selbst, sondern die gesamte Struktur des Dorfes. Adolf von Buenger ließ große Teile der alten Anlage abbrechen und Puchow als geschlossenes Gutsdorf des frühen 20. Jahrhunderts durch den Architekten und Baumeister Paul Korff neu gestalten. Zwischen 1905 und 1914 entstanden das Herrenhaus, die Torhäuser, Stallungen, Scheunen, Wirtschaftsgebäude, das Verwalterhaus sowie zahlreiche Wohnhäuser des Dorfes als ein neues Ensemble in ihrer heutigen Form. Viele Gebäude tragen bis heute die Jahreszahlen ihrer Entstehungszeit zwischen 1906 und 1914. Familie von Buenger stammte aus dem Baltikum. Adolf von Buenger war Vorsitzender des Aufsichtsrates der Rigaer Commerzbank und Mitglied verschiedener Fachverbände, darunter der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Unter seiner Leitung entstand in Puchow eine moderne Gutsanlage, deren klare Gliederung und architektonische Geschlossenheit bis heute bemerkenswert geblieben ist.
Zwischen 1905 und 1914 ließ Adolf von Buenger fast das gesamte Dorf abbrechen und neu errichten. Unmittelbar nach dem Erwerb des rund 400 Hektar großen Rittergutes im Jahr 1905 begann eine umfassende Neuplanung von Gutshof und Dorf. Zwischen 1906 und 1914 wurden zahlreiche Wohnhäuser des Dorfes neu errichtet. Auch die Wirtschaftsgebäude entstanden in dieser Zeit weitgehend neu. Die östlich des Herrenhauses gelegenen Stallungen und Scheunen wurden zwischen 1908 und 1912 erbaut. Gemeinsam mit den Torhäusern, dem Verwalterhaus, den Wirtschaftsgebäuden, dem Hühnerstall, der Gärtnerei, dem Eiskeller und den Einfriedungsmauern bildeten sie eine moderne und funktional durchdachte Gutsanlage des frühen 20. Jahrhunderts. Mehrere der langgestreckten Wirtschaftsgebäude wurden als stattliche Putzbauten ausgeführt und zeigen teilweise Fachwerkabschnitte. Die einheitliche Gestaltung verlieh dem Wirtschaftshof einen repräsentativen Charakter, der über die reine Zweckbestimmung hinausging. Bis heute sind große Teile dieser historischen Hofstruktur erhalten.
Den Mittelpunkt der Anlage bildet das um 1910 errichtete Gutshaus, dessen Entwurf aus dem Landbaubüro Laage vom Architekten Paul Korff stammt. Das Gebäude entstand vermutlich an der Stelle eines älteren Herrenhauses, das bereits vor der Mitte des 19. Jahrhunderts umgebaut worden war. Der Neubau präsentiert sich als zweigeschossiger, dreizehnachsiger Putzbau von etwa 38,5 Metern Länge und 12,5 Metern Breite. Er ruht auf einem massiven Kellergeschoss aus quadratisch behauenen Feldsteinen und wird von einem hohen Mansarddach mit zahlreichen Gauben und charakteristischen Fledermausgauben überfangen. Die streng symmetrisch gegliederte Hoffassade wird von einem fünfachsigen Mittelrisalit beherrscht, der weit aus der Front hervortritt. Vor diesem Risalit erhebt sich ein mächtiger Portikus mit acht Säulen, der einen Altan beziehungsweise Balkon trägt. Eine breite Freitreppe führt über die gesamte Breite des Vorbaus zum Haupteingang hinauf. Das schmiedeeiserne Geländer des Altans zeigt im Mittelfeld den verschlungenen Monogrammzug „AB“ für Adolf von Buenger. Den oberen Abschluss bildet ein großer Schweifgiebel mit der Jahreszahl 1910. Die Fassaden sind reich mit Formen des Neobarock geschmückt. Besonders auffällig sind die Segmentbogenverdachungen der Erdgeschossfenster, die als plastisch ausgearbeitete Köpfe gestaltet wurden. Hinzu kommen ornamentierte Lünetten und figürlicher Fassadenschmuck. Die Parkseite ist ebenso repräsentativ gestaltet. Hier springt ein mächtiger Mittelrisalit weit aus dem Baukörper hervor und wurde als wintergartenartiger Raum mit einem großen Panoramafenster ausgebildet. Ein Balkon und ein geschwungener Giebelaufsatz betonen die Mittelachse zusätzlich. Seitlich schließen sich eingeschossige, laubenartige Arkaden an, die auf eine vorgelagerte Terrasse führen und den Übergang zwischen Haus und Park vermitteln. Über seitliche Treppen gelangt man von hier unmittelbar in die Gartenanlage. Am Südgiebel ergänzt ein Erker die lebhafte Gliederung des Baukörpers.
Im Inneren öffnet sich hinter dem Eingang eine großzügige Halle über beide Geschosse. Holzvertäfelungen, hohe Paneele und eine breite repräsentative Holztreppe bestimmen den Raumeindruck. Die Treppe führt zu einer Galerie im Obergeschoss, die den Hallenraum umläuft. Zu den erhaltenen Ausstattungsdetails gehören ein Kamin sowie ein verglaster hölzerner Erker innerhalb der Halle. Die Architektur verbindet die repräsentative Formensprache des Neubarock mit den Anforderungen eines modernen Gutshauses des frühen 20. Jahrhunderts und steht zugleich in enger Beziehung zu anderen Bauten Paul Korffs. Gemeinsam mit den zeitgleich entstandenen Wirtschaftsgebäuden, Torhäusern und dem Verwalterhaus bildet das Herrenhaus ein außergewöhnlich geschlossenes Ensemble, das die umfassende Neugestaltung Puchows zwischen 1905 und 1914 bis heute eindrucksvoll dokumentiert.
Westlich des Herrenhauses wurde ein Landschaftspark angelegt, dessen Mittelpunkt eine große Wiesenfläche bildete. Ringsum wuchsen Birken, Bergahorn, Eschenahorn, Rotbuchen, Stieleichen, Roteichen und Walnussbäume. Besonders markant waren eine mächtige Blutbuche und eine Pyramideneiche in Schlossnähe. Rhododendron und Taxus bildeten dichte Gehölzgruppen, während am südlichen Rand des Parks ein Weiher lag, dessen Ufer von Weiden und Pappeln gesäumt wurden. Vor dem Herrenhaus erstreckte sich eine von Wacholdergruppen geprägte Rasenfläche, eingerahmt von Rosskastanien und alten Stieleichen.
Adolf von Buenger blieb bis zu seinem Tod Eigentümer des Lehngutes. Nach seinem Tod ging der Besitz an seinen Sohn Carl Robert Erich von Buenger (1886–1963) und dessen Ehefrau Clara Louise von Schröder aus Klein Lukow. Die Verwaltung lag damals in den Händen des Administrators H. Suhrke. Zum Besitz gehörten neben den 399 Hektar aus dem Puchower Besitz auch die Flächen von Rahnenfelde weitere 164 Hektar hinzu. Beide Güter bildeten eine wirtschaftliche Einheit. Der Schwerpunkt der Bewirtschaftung lag auf der Milchviehhaltung, der Pferdezucht und dem Ackerbau. Die modernen Wirtschaftsgebäude, Stallungen und Scheunen, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entstanden waren, bildeten die Grundlage dieses Betriebes. Das Herrenhaus blieb Wohnsitz der Familie und zugleich Verwaltungszentrum des Gutes. Die Familie von Buenger hielt Puchow bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Damit endete die letzte Phase privater Gutsherrschaft in Puchow. Die rund vier Jahrzehnte währende Besitzzeit prägte das Erscheinungsbild des Dorfes nachhaltig. Nahezu alle heute erhaltenen Hauptgebäude der Gutsanlage, die Wirtschaftsgebäude, Torhäuser, Wohnhäuser und das Herrenhaus selbst gehen auf diese Zeit zurück.
Nach 1945 verlor die Familie von Buenger ihren Besitz. Wie viele Herrenhäuser Mecklenburgs wurde auch Puchow zunächst zur Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen genutzt. Die ehemaligen Wohnräume der Gutsherren dienten nun mehreren Familien als Unterkunft. Damit endete die ursprüngliche Funktion des Hauses als privater Wohnsitz.
In den folgenden Jahren wandelte sich die Bedeutung des Gebäudes grundlegend. Aus dem Mittelpunkt eines Rittergutes wurde ein Ort des öffentlichen und kulturellen Lebens. Besondere Bekanntheit erlangte Puchow Anfang der 1960er Jahre durch die Aufführungen von Fritz Reuters „Kein Hüsung“. Mit Unterstützung des Theaters Neustrelitz beteiligten sich zahlreiche Einwohner des Dorfes an den Inszenierungen. Das Herrenhaus bildete die Kulisse der Aufführungen, während im Park dahinter Tribünen für rund eintausend Zuschauer errichtet wurden. Besucher kamen aus vielen Teilen Mecklenburgs nach Puchow. Die Laienspielgruppe wurde mit dem Fritz-Reuter-Preis erster Klasse sowie einer Auszeichnung für künstlerisches Volksschaffen geehrt. Aus diesen kulturellen Aktivitäten entwickelte sich eine dauerhafte Nutzung des Hauses. Im November 1970 wurde im ehemaligen Herrenhaus die Kulturakademie des Bezirkes Neubrandenburg eingerichtet. Über nahezu zwei Jahrzehnte war Puchow damit ein bedeutender Ort kultureller Bildungsarbeit. Lehrgänge, Seminare und Weiterbildungen brachten Teilnehmer aus dem gesamten Bezirk in das ehemalige Gutshaus. Hier trafen sich Menschen, die sich der Musik, dem Theater, der bildenden Kunst und anderen kulturellen Ausdrucksformen widmeten. Namhafte Künstler wirkten als Dozenten und prägten die Arbeit der Akademie. Bis 1990 bestand die Kulturakademie fort. Mit den politischen Veränderungen jener Zeit endete auch diese Nutzung. Nach der Schließung stand das Herrenhaus über längere Zeit leer. Eine dauerhafte Nachnutzung ließ sich zunächst nicht verwirklichen.
1999 veräußerte das Land Mecklenburg-Vorpommern das Gebäude an einen privaten Eigentümer. Der Verkauf erfolgte getrennt vom Wirtschaftshof. Zeitweise bestanden Pläne, hier ein Beratungs- und Bemusterungszentrum für Bauherren einzurichten. Zu einer dauerhaften Nutzung kam es jedoch nicht. Das Herrenhaus blieb über längere Zeit ohne feste Bestimmung, während sich zugleich erste Folgen des Leerstandes bemerkbar machten. Dennoch hat sich die Anlage in bemerkenswertem Umfang erhalten. Herrenhaus, Torhäuser, Verwalterhaus, Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Gärtnerei, Eiskeller und die verbliebenen Teile des Parks vermitteln bis heute ein außergewöhnlich geschlossenes Bild einer mecklenburgischen Gutsanlage des frühen 20. Jahrhunderts.

