sanft gewellten Endmoränenlandschaft Westmecklenburgs. Felder, Wiesen und kleinere Waldgebiete bestimmen bis heute das Bild der Umgebung. Der weithin sichtbare Turm des Gutshauses erhebt sich über dem ehemaligen Wirtschaftshof und macht die Anlage bereits aus der Ferne zu einem markanten Orientierungspunkt. Gemeinsam mit den erhaltenen Wirtschaftsgebäuden erinnert sie an die Zeit, als Poischendorf über Jahrhunderte Mittelpunkt eines bedeutenden landwirtschaftlichen Betriebes war.
Der Name Poischendorf geht auf einen altslawischen Personennamen zurück und bedeutet „Dorf des Poiša beziehungsweise Pyša“. Die überlieferte Schreibweise „Poischendorff“ ist für das Jahr 1576 belegt. Die Entwicklung des Dorfes vollzog sich in enger Verbindung mit den umliegenden klösterlichen und ritterschaftlichen Besitzungen. Im Juni 1290 verlieh Heinrich, Fürst von Werle, dem Kloster Rühn das benachbarte Dorf Warnkenhagen. Vorher hatte der Propst Dietrich den Ort von den Brüdern Matthias, Nicolaus und Gerhard Ketelhot die Ländereien erworben. Mit der Verleihung gingen die niedere Gerichtsbarkeit sowie Teile der hohen Gerichtsbarkeit an das Kloster über, während weitere Rechte bei der Burg Bukow verblieben. Warnkenhagen lag zwischen den ritterschaftlichen Gütern Goldberg und Gnemern, den klösterlichen Besitzungen bei Moltenow sowie den Poischendorfer Mühlenländereien, die hier schon erwähnt wurden. Bereits damals bildete das Gebiet ein eng miteinander verflochtenes Wirtschafts- und Herrschaftsgefüge, in dem Poischendorf eine feste Stellung einnahm. Im ausgehenden Mittelalter gewann das Kloster Rühn seinen Einfluss weiter aus. Im Jahr 1465 erwarb es die Heide sowie die hohe Gerichtsbarkeit in Warnkenhagen, Goldberg, Radegast und Poischendorf. Damit entstand ein zusammenhängender Herrschaftsraum, in dem das Kloster zahlreiche Rechte ausübte. Das Landbuch des Klosteramtes von 1579 und die umfassende Beschreibung des Amtes aus dem Jahr 1654 zeigen, wie sorgfältig diese Besitzungen verwaltet wurden. Bauern und Kossaten entrichteten ihre Abgaben in Korn, Geld, Flachs und Rauchhühnern. Hinzu kamen Fuhrdienste sowie Arbeitsleistungen für die klösterlichen Wirtschaftshöfe.
Die Wirtschaftsweise des Dorfes weist zugleich auf sein hohes Alter hin. Im Landregister von 1556 bestanden in Poischendorf fünf Hakenhufen. Diese ältere Form der bäuerlichen Flureinteilung hatte sich in Mecklenburg bereits vielerorts verändert, blieb in Poischendorf jedoch erhalte. Gleichzeitig wurden für Poischendorf fünf Katenstellen genannt, während Goldberg über sechs und Steinhagen ebenfalls über sechs Katenstellen verfügte. Später wurde hervorgehoben, dass die Bewohner ihre Abgaben nicht nach gewöhnlichen Landhufen, sondern nach diesen Hakenhufen leisteten. Gemeinsam mit Goldberg und Steinhagen gehörte Poischendorf damit zu einer kleinen Gruppe von Dörfern, deren mittelalterliche Wirtschaftsstruktur besonders lange fortbestand.
Die Geschichte des Gutes lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Jahr 1576 hatte der landesherrliche Kommissar Hubertus Sieben seinen Sitz auf Poischendorf. In dieser Zeit wirkte er im Auftrag des Landesherrn unter anderem bei einer Untersuchung der Besitzverhältnisse in Ilow mit. 1628 erscheint Gottfried Sieben zu Poischendorf im Hufenverzeichnis der Fürstentümer Schwerin und Güstrow. Damit gehört die Familie Sieben zu den frühesten sicher belegten Besitzerfamilien des Gutes.
Erst mehr als ein Jahrhundert später lässt sich die Besitzgeschichte wieder genauer verfolgen. 1755 erscheint Jacob Alcan Hönisch auf Poischendorf im Landständischen Erbvergleich unter den ritterschaftlichen Grundbesitzern Mecklenburgs. Das Gut blieb anschließend in seiner Familie. Wilhelm Hans Gotthard von Hönisch († 1797) hatte den Besitz vor 1775 übernommen. Am 16. März 1775 wurde auf Poischendorf seine Tochter Dorothea Sophie Elisabeth von Hönisch geboren. Sie heiratete später Arnandus Nicolaus Friedrich Crull (1752–1830), Advokat, Bürgermeister und Stadtrichter in Warin. Nach dem Tod Wilhelm Hans Gotthard von Hönischs verliert sich die Besitzgeschichte des Gutes zunächst. Erst die Mecklenburgischen Hof und Staatskalender des frühen 19. Jahrhunderts ermöglichen wieder einen geschlossenen Blick auf die Eigentumsverhältnisse. Zwischen 1807 und 1817 erscheint Johann Friedrich Denker als Besitzer von Poischendorf.
In den folgenden Jahren ging Poischendorf an Peter Heinrich Stender über, der bis 1836 als Besitzer nachweisbar ist. Bereits am 3. März 1820 wurde hier seine Tochter Bertha Johanna Margaretha Stender geboren. Spätestens 1839 hatte Heinrich Prösch (1798–1857) den Besitz übernommen. Er führte das Gut bis mindestens 1843 weiter. Am 17. Februar 1843 kam auf Poischendorf seine Tochter Elisabeth Henriette Louise Prösch zur Welt. Ein anschauliches Bild der damaligen Gutswirtschaft vermittelt eine Zeitungsanzeige vom 4. Juli 1845. Zur Versteigerung stand die Holländerei mit 50 Kühen, die als jung, groß und besonders milchergiebig beschrieben wurden. Die Anzeige unterstreicht die Bedeutung der Milchwirtschaft für den Betrieb in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach Heinrich Prösch übernahm Joachim Friedrich Ludwig Schröder von 1848 bis 1850 kurzzeitig das Gut. Ihm folgte Carl August Heinrich Berlin, dessen Name einen bis 1858 begegnet. Mit dem Erwerb des Gutes durch Baron Carl Friedrich Röttger von Biel begann 1858 ein weiterer Abschnitt der Besitzgeschichte Poischendorfs. Das Gothaische Genealogische Taschenbuch hält den Kauf des Gutes von Carl August Heinrich Berlin ausdrücklich fest. Die Zeit der Familie von Biel blieb jedoch nur von kurzer Dauer.
Mit Gustav Seeler begann ab 1862 für Poischendorf eine außergewöhnlich lange Phase wirtschaftlicher Kontinuität. Während viele mecklenburgische Güter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrfach den Besitzer wechselten oder durch Erbteilungen zersplittert wurden, entwickelte sich Poischendorf unter seiner Leitung zu einem leistungsfähigen und modernen Gutsbetrieb. Das Gut umfasste zuletzt 298,6 Hektar. Zu den umfangreichen Ackerflächen kamen Wiesen, Weiden und Wirtschaftsflächen hinzu. Die Hoffläche selbst war durch zahlreiche Funktionsgebäude gegliedert, die den hohen Stand der damaligen Landwirtschaft widerspiegelten. Bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verfügte Poischendorf über eine Schmiede und eine Windmühle. Hinzu kam eine Dampfmolkerei, die für Mecklenburg keineswegs selbstverständlich war. Sie zeigt, dass die Milchwirtschaft inzwischen einen der wichtigsten Betriebszweige des Gutes bildete. Während früher die Milch überwiegend unmittelbar auf dem Gut verarbeitet wurde, erlaubte die neue Technik eine deutlich leistungsfähigere Butter- und Käseproduktion. Damit gehörte Poischendorf zu jenen Gütern, die früh auf technische Neuerungen reagierten. Die Entwicklung knüpfte unmittelbar an die ältere Tradition der Holländerei an. Auch die übrigen Wirtschaftsgebäude erfüllten genau aufeinander abgestimmte Aufgaben. Die Schmiede war für die Unterhaltung der Wagen, Pflüge und landwirtschaftlichen Geräte unentbehrlich. Die Windmühle diente der Verarbeitung des Getreides. Zusammen bildeten sie den Kern eines leistungsfähigen Gutsbetriebes, der weit über die reine Ackerwirtschaft hinausging.
Nach Gustav Seeler führten zunächst seine Erben den Besitz fort. Ab 1903 erscheint Ernst Seeler als Gutsherr. Unter seiner Leitung blieb die gesamte Wirtschaftsstruktur erhalten. Schmiede, Windmühle und Dampfmolkerei gehören weiterhin zu der Gutsanlage. Auch die Größe des Gutes blieb mit 298,6 Hektar unverändert.
Nur wenige Jahre später begann erneut ein Besitzerwechsel. Spätestens 1910 ging Poischendorf an den aus Mecklenburg stammenden Kaufmann, Reeder und späteren Konsul Franz Rahtkens über. Er hatte sich bereits im späten 19. Jahrhundert im englischen Middlesbrough niedergelassen und von dort eine erfolgreiche Reederei aufgebaut, die vor allem gebrauchte Segel und Dampfschiffe erwarb und unter deutscher Flagge in Rostock registrieren ließ. Da Rahtkens trotz seines Wohnsitzes in England zunächst das mecklenburgische Indigenat besaß, war dies rechtlich möglich. Sein Bruder Carl Rahtkens vertrat seine Interessen in Rostock. Die Biographie Franz Rahtkens unterschied sich deutlich von jener der vorherigen Gutsherren. Während diese überwiegend selbst auf ihren Gut lebten, blieb sein Lebensmittelpunkt in Middlesbrough. Die tägliche Bewirtschaftung von Poischendorf übernahmen deshalb Gutsinspektoren und Verwalter, wodurch der landwirtschaftliche Betrieb kontinuierlich fortgeführt werden konnte. Die vorhandenen technischen Einrichtungen blieben genauso erhalten, wie die Schmiede, Windmühle und Dampfmolkerei. Das Allodialgut umfasste unverändert 298,6 Hektar. Nach Franz Rahtkens ging das Gut innerhalb der Familie über. Im Jahr 1930 werden Frau Dr. Agnes Gerlach, geborene Rahtkens, sowie der Fabrikbesitzer Eduard Rahtkens aus Rostock gemeinsam als Eigentümer genannt. Die Verwaltung vor Ort lag weiterhin in den Händen eines Inspektors.
Das heutige Gutshaus entstand vermutlich im 19. Jahrhundert und erhielt später seine charakteristische Ausgestaltung. Es handelt sich um einen eingeschossigen, zehnachsigen Putzbau, dessen Erscheinungsbild von einem viergeschossigen Turm bestimmt wird. An seiner Seite schließt sich ein zweigeschossiger Querbau an, der die Anlage erweitert und den Baukörper auflockert. Besonders auffällig ist der viergeschossige Turm, der rückwärtig leicht versetzt angeordnet wurde und bis heute das Ortsbild bestimmt. Die Fassaden sind sorgfältig gegliedert. Auf der Eingangsseite wird der Besucher von einer massiven Veranda empfangen, deren hohe Freitreppe zu einer rundbogigen Eingangstür führt. Vier ionische Säulen tragen den Vorbau und verleihen ihm eine repräsentative Wirkung. Daneben öffnen sich rundbogige Seitenfenster, die den Eingangsbereich zusätzlich betonen. Der rechte Gebäudeflügel wird durch einen polygonalen Erker gegliedert. Dreiflügelige Fenster sorgen für eine lebendige Fassadengestaltung. Im linken Gebäudeteil erhebt sich ein zweigeschossiger Seitenflügel mit Kreuzstockfenstern und auf Konsolen ruhenden Verdachungen. An seiner Ecke springt ein Standerker hervor, über dem ein Balkon angeordnet ist. Den oberen Abschluss bildet ein hoher Dreiecksgiebel mit einem runden Okulus. Krüppelwalm- und Satteldächer decken die einzelnen Gebäudeteile und verleihen dem Haus trotz seiner unterschiedlichen Baukörper ein geschlossenes Erscheinungsbild. Unterhalb der Dachtraufe ziehen sich Gurtgesimse über die Fassaden und gliedern die Ansichten zusätzlich. Der Turm selbst besitzt mehrere Okuli und einen oberen Rundblick mit jeweils drei schmalen Rundbogenfenstern. Seine ursprüngliche Dachdeckung ist heute nicht mehr vorhanden
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten sich die Verhältnisse grundlegend, die Gutsherrschaft wurde enteignet. Gerne würde ich hier mehr erfahren, wie die Nutzung des Gutshauses zwischen 1945 und 1990 war. Ab 1994 stand das Gutshaus zunächst leer. Im Jahr 2025 scheint es saniert zu werden.

