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Gutshaus Poggelow © Historische Häuser

Gutshaus | Schloss Poggelow in Mecklenburg-Vorpommern

Das Gutshaus | Schloss Poggelow steht inmitten der Mecklenburgischen Schweiz zwischen Teterow und Gnoien. An das Gutshaus schließt sich ein Landschaftspark mit altem Baumbestand, weiten Rasenflächen und einem kleinen See an. Von der früheren Gutsanlage sind neben dem Gutshaus eine große Scheune, der Marstall und die Schmiede erhalten geblieben. Von der früheren Parkmauer haben sich längere Abschnitte und Torpfeiler im Bereich des kleinen Wäldchens erhalten.

Poggelow wurde 1314 als Poghelow erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname hat sich im Laufe der Zeit verändert, zeitweise findet man ihn auch als „Poglove“. Seit dem 14. Jahrhundert besaß die Familie von Bassewitz die benachbarten Güter Prebberede und Dalwitz. Später gelangte auch Poggelow in den Besitz der Familie und verblieb dort über mehrere Generationen. Ab dem 17. Jahrhundert wird die Geschichte von Poggelow greifbarer. 1687 war Augustin Friedrich von Bassewitz (vor 1653-1689) Besitzer von Poggelow. Am 13. März 1687 verkaufte er gemeinsam mit Dalwitz und Stierow auch Poggelow an seinen Bruder, den fürstlich-mecklenburgischen Landrat sowie Provisor des Klosters Dobbertin Philipp Cuno von Bassewitz (1659-1714), und ging anschließend nach Dänemark. Augustin Friedrich von Bassewitz starb am 19. April 1689 beim Brand des Opernhauses in Kopenhagen.

Ein holpriges 18./19. Jahrhundert für das Gut Poggelow

Mit dem Ende des 17. Jahrhunderts und dem Ende des Besitzes der Familie von Bassewitz begann für das Gut Poggelow eine turbulente Zeit, und zahlreiche Besitzwechsel folgten. Ab ca. 1704 gelangte Poggelow an Reinhold Ulrich von Wackerbarth († 1710) auf Lunow. 1752 kaufte der Domänenrat Carl Balthasar von Gentzkow Poggelow für 25.500 Reichstaler. Seine Erben besaßen das Gut von 1782 bis 1787. 1767 und 1780 musste das Gut verpfändet werden. 1787 übernahm der Kammerrat Christian Ludwig von Warnstedt (1736-1810) Poggelow. Er blieb bis 1793 Besitzer des Gutes und kaufte anschließend Wilhelmshof bei Woltow, wo er 1810 starb. Auf ihn folgte Christian Friedrich Tönne Graf von Lüttichau (1744-1805), der Poggelow von 1793 bis 1794 besaß. Der königlich-dänische Landrat und Gutsherr in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, Friedrich August von Qualen (1747-1805), folgte von 1794 und blieb bis 1797. Anschließend gelangte das Gut an Paul von Geerz, der von 1797 bis 1802 als Besitzer geführt wird. 1802 übernahm Johann Heinrich Reppin Poggelow. Seine Besitzzeit endete 1807. In diesem Jahr befand sich das Gut im Besitz seiner Gläubiger. Aus diesem Konkurs erwarb 1808 der Hofjägermeister Karl von Hertell Poggelow. In der Besitzfolge wird Hertell für die Jahre 1807 bis 1819 geführt. 1819 wechselte Poggelow an den Rittmeister Carl Wilhelm von Blücher und seine Ehefrau Karoline, geborene von Hertell. Er erwarb das Gut von seinem Schwiegervater, dem Hofjägermeister Karl von Hertell, und blieb bis 1828 Besitzer. Am 19. Juli 1819 leistete Carl Wilhelm von Blücher den Lehnseid auf Poggelow. 1828 verlor der Rittmeister das Gut seiner Frau durch einen Konkurs an seine Gläubiger, die das Gut an die Familie von Bassewitz verkauften.

1828 erwarb der Lübecker Domherr und Mecklenburg-Schwerinsche sowie Württembergische Kammerherr Adolph Christian Ulrich Graf von Bassewitz (1787-1841) Poggelow. In der Erbteilung unter seinen Söhnen ging das Gut nach seinem Tod 1841 zunächst an Carl August von Bassewitz (1821-1873). Für 175.000 Reichstaler verkaufte er das Gut an seinen jüngeren Bruder Alexander Barthold Graf von Bassewitz (1833-1907) und zog in das 1845 erworbene Gut Bristow. Die Mutter von Alexander, Luise, geborene von Levetzow (1794-1862), führte das Gut bis in das Jahr 1852. Den Lehnseid auf Poggelow leistete Alexander Barthold von Bassewitz 1847.

Das Herrenhaus Poggelow

Unter Alexander Barthold Graf von Bassewitz wurde Poggelow zu dem Gut, dessen Herrenhaus noch heute das Bild des Ortes bestimmt. 1848 wurde der vorhandene zweigeschossige Baukörper umfassend umgestaltet. Der Umbau wird Georg Friedrich Heinrich Hitzig (1811-1881) zugeschrieben. Friedrich Hitzig entwarf im selben Jahr auch Herrenhäuser beziehungsweise Schlösser in Neetzow und Kittendorf und war ein Schüler des bekannten Architekten Schinkels.

Der ältere Baukörper blieb bei der Umgestaltung erhalten und wurde an beiden Giebelseiten unterschiedlich erweitert. Auch in der Höhe wurden diese Bauteile gegeneinander abgestuft. An beiden Fronten entstanden herrschaftliche Portale, die den vorhandenen Baukörper deutlich aufwerteten und ihm seine neue repräsentative Gestalt gaben. An der Hofseite wurden die drei linken Achsen des Vorgängerbaus hervorgehoben. Sie erhielten über die Traufe hinausgeführte Säulen und einen gotischen Giebel. Vor dem Eingang lag ein Altan, der als Eingangsvorbau ausgebildet war. Die Hofseite erhielt damit eine stärker gegliederte und repräsentative Fassade, deren einzelne Bauteile über die eigentliche Traufhöhe hinausreichen. Der Parkseite wurde ein höherer und dadurch schmalerer Risalit gegenübergestellt. Hier liegt der zweiflügelige Eingang unter einem kielbogigen Abschluss. Die Rahmung des Eingangs erinnert an ein Tor. Darüber befindet sich das Wappen. Die Gestaltung des Portals verbindet die repräsentative Funktion des Hauses mit Formen, die bewusst auf eine ältere architektonische Tradition verweisen. Auch im Inneren des Gutshauses haben sich historische Ausstattungsbereiche erhalten. Im Erdgeschoss befinden sich mehrere Interieurs aus unterschiedlichen Bauphasen. Die Loggia mit den Vierpassornamenten an der linken Wandfläche entstand im frühen 20. Jahrhundert. Für diese Zeit sind außerdem Bauarbeiten für Dr. Schröder verzeichnet. Das Innere des Hauses bewahrt damit neben den Spuren des Umbaus von 1848 auch Veränderungen aus einer späteren Nutzungsphase.

Der Umbau des Gutshauses stand nicht isoliert, sondern war Teil einer größeren Gutsanlage. Noch 1830 bestand der Wirtschaftshof aus zahlreichen Gebäuden. Neben dem Wohnhaus mit einem Anbau gehörten drei Scheunen, ein Viehhaus, ein Schafstall, ein Pferdestall, ein Federviehhaus, ein Schweinestall und ein weiteres Viehhaus zur Anlage. Hinzu kamen Katen, ein Holländerhaus und die Schmiede. Einige Gebäude waren bereits als abgängig bezeichnet. Die damalige Aufstellung vermittelt die Größe des landwirtschaftlichen Gutes und die Vielzahl der Funktionen, die auf dem Gutshof zusammengeführt waren.

Am 23. März 1885 stellte Alexander Barthold Graf von Bassewitz gemeinsam mit seinen vier Brüdern und den Söhnen seines bereits verstorbenen Bruders Carl August beim Justizministerium den Antrag, Poggelow zum Allodialgut zu erklären. Am 31. März 1885 wurde der Allodialbrief für Alexander Barthold ausgestellt. Damit wurde aus dem Lehn- ein Allodialgut.

Alexander Barthold Graf von Bassewitz verkaufte 1891 das Gut an die Gattin eines Tierarztes, Clara Schröder. Clara Henriette Wilhelmine Schröder, geborene Peters, blieb bis zur Aufsiedlung des Gutes Eigentümerin. Die Größe des Gutes betrug 669,7 Hektar; hinzu kam Schlackendorf mit 210,6 Hektar. Im Besitz der Familie Schröder wurde das Gutshaus noch einmal verändert. Die Größe des Besitzes prägte auch in der Zwischenkriegszeit die Bedeutung Poggelows als Gutsanlage. 1925 lebten 226 Menschen im Ort. Eine Schule und eine Schmiede bestanden weiterhin, außerdem verfügte Poggelow über einen Bahnanschluss. Anfang der 1930er Jahre sind für das Gut wirtschaftliche Belastungen und Gläubigerforderungen dokumentiert. Für 1932 wurde ein neuer Zwangsversteigerungstermin angesetzt.

Ab 1933 wurde das rund 670 Hektar umfassende Gut aufgesiedelt. Bis 1934 war die Aufsiedlung abgeschlossen. 1938 bestanden in Poggelow 35 Neubauernhöfe und vier Erbgrundstücke. Mit dieser Entwicklung löste sich die historische Gutswirtschaft als zusammenhängender Besitz auf. Das Herrenhaus ging an die Gemeinde. Die spätere Parzellierung der Flächen veränderte auch die räumliche Beziehung zwischen Gutshaus und Wirtschaftshof nachhaltig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen zunächst Flüchtlinge in das Herrenhaus ein. Danach folgten verschiedene kommunale und gemeinschaftliche Nutzungen. Das Gebäude wurde als Kindergarten und Kinderkrippe genutzt, später als Gaststätte. Es diente als Sitz der Gemeinde und des Bürgermeisters. Auch die LPG hatte Räume im Haus, ebenso die Zivilverteidigung. Im Obergeschoss entstanden Wohnungen für Familien. Das ehemalige Gutshaus wurde damit über Jahrzehnte zu einem Gebäude mit unterschiedlichen öffentlichen und privaten Funktionen.

Bis 1990 wurde das Gutshaus Poggelow genutzt. Nach der politischen Wende stand die Gemeinde vor der Aufgabe, das Gebäude weiter zu unterhalten und zu sanieren. 1994 verkaufte sie das Anwesen, da die Kosten für Sanierung und Unterhalt für die kleine Gemeinde nicht zu stemmen waren. Die neuen Eigentümer begannen zunächst mit der Instandsetzung des Inneren. Später wurde die Fassade saniert. Seit 1997 wird das Gutshaus als Ferienhaus genutzt. Die Wohnungen verteilen sich über drei Etagen. Die Fassade wurde 2017 restauriert und neu gestrichen. Damit ist die äußere Erscheinung des 1848 umgestalteten Gutshauses wieder instand gesetzt. Der zweigeschossige Baukörper mit seinen unterschiedlich ausgebildeten An- und Vorbauten, den hervorgehobenen Portalen, dem gotischen Giebel der Hofseite und dem höheren Risalit zur Parkseite bestimmt weiterhin das Erscheinungsbild des Hauses.

Die räumliche Verbindung von Gutshaus, Wirtschaftshof und Park ist heute nur noch teilweise ablesbar. Der Landschaftspark mit seinem See und dem alten Baumbestand schließt unmittelbar an das Gutshaus an. Weite Rasenflächen bestimmen den offenen Bereich vor und neben dem Gebäude. Die Parkseite des Hauses mit dem höheren Risalit und dem hervorgehobenen Portal steht dabei in unmittelbarer Beziehung zu diesem Landschaftsraum. Die erhaltene Parkmauer und die Torpfeiler im Bereich des Wäldchens geben noch einen Eindruck von der früheren Einfassung des Grundstücks.

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