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Schloss Agathenburg © Historische Häuser

Herrenhaus | Schloss Agathenburg in Niedersachsen

Das Schloss Agathenburg bei Stade liegt im Norden von Niedersachsen, in einer Landschaft deren Weite und Offenheit dem ehrwürdigen Bau bis heute eine besondere Wirkung verleihen. Der Schlossbau erhebt sich über dem Hang, während sich unterhalb des Herrenhauses die Garten- und Parkflächen ausbreiten. Von hier öffnet sich der Blick in die Elbmarsch. Eine Allee führt durch die Gutsanlage aus Herrenhaus, Park und die erhaltenen Wirtschaftsgebäude, zu der auch eine Scheune aus dem 18. Jahrhundert, ein Pferdestall aus dem 19. Jahrhundert, eine Gruft und Teile der historischen Einfriedung gehören. Die Lage des Herrenhauses war bewusst gewählt. Für Hans Christoph Graf von Königsmarck lag Lieth, wie der Ort damals hieß, in unmittelbarer Nähe zu Stade, das als Residenz und Verwaltungszentrum der Herzogtümer Bremen und Verden von besonderer Bedeutung war.

Die Besitzgeschichte des Schlosses beginnt mit Hans Christoph von Königsmarck (1605–1663). Er stammte aus einem alten märkischen Geschlecht, war der Sohn des kaiserlichen Rittmeisters Konrad von Königsmarck und dessen Ehefrau Beatrix von Blumenthal. Seine Erziehung erhielt er als Page am Hof des Herzogs Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg. Während des Dreißigjährigen Krieges trat Königsmarck zunächst in kaiserliche Dienste. 1631 wechselte er nach der ersten Schlacht bei Breitenfeld in schwedische Dienste. In den folgenden Jahren stieg er zum Obersten und später zum schwedischen Feldmarschall auf. 1645 eroberte er mit der Kapitulation Stades das Stift Bremen. Nach weiteren militärischen Erfolgen wurde er unter dem Titel Graf von Westerwik und Stegholm zum Generalgouverneur der Herzogtümer Bremen und Verden ernannt. Stade wurde zum Verwaltungszentrum des Gebietes. In unmittelbarer Nähe zu dieser Stadt ließ Königsmarck in dem damaligen Lieth einen Landsitz für sich und seine Familie errichten.

Das Herrenhaus entstand unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg und orientierte sich in seiner Gestaltung an Vorbildern des schwedischen Adels. Mit der Fertigstellung des Herrenhauses 1655 änderte sich auch der Ortsname von Lieth. Hans Christoph von Königsmarck benannte das Dorf nach seiner Ehefrau Agathe von Leesten in Agathenburg. Der Bauherr konnte das Haus jedoch nur selten selbst bewohnen, da er sich von 1656 bis 1660 in brandenburgisch-preußischer Gefangenschaft befand. Am 8. März 1663 starb er in Stockholm an einer Blutvergiftung und wurde in Stade bestattet. Nach dem Tod Hans Christophs blieb Agathe von Königsmarck bis zu ihrem Tod 1671 in Agathenburg. Sie nutzte das Schloss als Witwensitz. Damit setzte sich früh jene Nutzung durch, die das Schloss über mehrere Jahrzehnte prägte, denn bewohnt wurde es vor allem von den Frauen der Familie.

Hans Christoph Graf von Königsmarck war mit Agathe von Leesten verheiratet. Das Paar hatte drei Kinder die für die Geschichte des Schlosses besonders wichtig sind. Kurt Christoph von Königsmarck (1634-1673) wurde niederländischer Generalleutnant. Beate Elisabeth von Königsmarck (1637-1724) heiratete Pontius Friedrich de la Gardie (1630-1692), einen Sohn des schwedischen Heerführers Graf Jakob Pontusson De La Gardie von Läckö. Otto Wilhelm von Königsmarck (1639-1688) wurde Oberkommandierender der venezianischen Streitkräfte. Erbe von Agathenburg wurde Otto Wilhelm von Königsmarck (1639-1688). Er war der jüngste Sohn des Erbauers, venezianischen Generalissimus und Kriegsheld. Nach seinem Tod im Jahr 1688 nahm seine Ehefrau Gräfin Catharina Charlotte von Königsmarck, geborene de la Gardie (1654–1697) das Schloss als Witwensitz, wie zuvor bereits ihre Schwiegermutter Agathe von Königsmarck. Catharinas Mutter Maria Eufrosine von Zweibrücken Kleeburg war die Schwester vom Schwedischen König Karl X und Cousine von Karl XI, dem späteren schwedischen König.

Die Enkelin des Schlosserbauers, Maria Aurora von Königsmarck (1662-1728), wurde am 28. April 1662 in Stade geboren und verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit in der Region. Sie gehörte später zu den bekannten Frauen der europäischen Barockzeit. Sie war künstlerisch begabt und hochgebildet, verfasste lyrische Verse und Erzählungen und wirkte an der Vertonung und Aufführung ihrer Libretti mit. Als Mätresse des Kurfürsten von Sachsen und später als Pröpstin des Stiftes Quedlinburg nutzte sie ihre europäischen Beziehungen auch für die Sicherung von Besitz und Rang ihrer Familie. Zahlreiche Reisen führten sie immer wieder nach Agathenburg zurück.

Als Otto Wilhelm von Königsmarck (1639–1688) starb, fiel das Erbe an Maria Auroras Bruder Philipp Christoph von Königsmarck (1665–1694). Der hannoversche Offizier und Hofkavalier war der eigentliche Erbe des Schlosses und mit ihm endete die Erbfolge der Grafen von Königsmarck auf Schloss Agathenburg. Philipp Christoph wurde vermutlich im Jahr 1694 im Leineschloss ermordet. Damit erlosch der erbberechtigte männliche Stamm der Grafenfamilie. Nach seinem Tod blieb die Besitzfrage nicht sofort geklärt. Die Auseinandersetzungen um Agathenburg zogen sich bis 1704 hin. Das Schloss blieb zunächst im Familienbesitz, doch die Unsicherheit über die Erbfolge bestimmte die folgenden Jahre. 1740 erwarb das Kurfürstentum Hannover das Herrenhaus mit seinen Gebäuden und Ländereien. Damit endete die Zeit Agathenburgs als Landsitz der Grafen von Königsmarck.

Mit dem Übergang an das Kurfürstentum Hannover im Jahr 1740 veränderte sich die Funktion des Schlosses grundlegend. Seit 1753 diente das Schloss dem jeweiligen ersten Beamten des Amtes Stade-Agathenburg als Wohn- und Amtssitz. Zu den Aufgaben des Amtmanns gehörten das Eintreiben von Abgaben und Steuern, die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten und die untere Gerichtsbarkeit. Während der hannoverschen Verwaltungszeit wurde die Anlage weiter verändert. Besonders mit dem Amtmann Melchior Siegfried Hofmeister sind mehrere Veränderungen verbunden. Aus seiner Verwaltungszeit stammen zwei Kachelöfen, die im Schloss erhalten sind. Der Schlossgarten wurde umgestaltet und eine Familiengruft angelegt.

Mit dem Ende des Königreichs Hannover im Jahr 1866 endete auch die staatliche Nutzung des Schlosses in ihrer bisherigen Form. Das Schloss blieb zunächst verpachtet. 1877 wurde es an mehrere Agathenburger Bürger versteigert. 1881 erwarb der Landwirt Heinz Wilkens das Anwesen. Sein eigener Hof hatte dem Bau der Eisenbahnlinie Hamburg-Cuxhaven weichen müssen. Unter Heinz Wilkens wurde Agathenburg zum Mittelpunkt einer Gutsanlage. In diesem Zusammenhang wurde auch der Pferdestall aus der Marsch an seinen heutigen Standort unmittelbar beim Herrenhaus versetzt. Der Stall gehört heute zu den erhaltenen Nebengebäuden der Anlage. Haus und Park blieben danach beinahe ein Jahrhundert in Privatbesitz. Eine Tochter von Heinz Wilkens heiratete den Hofbesitzer Heinrich zum Felde. Ihr Sohn Hans Jacob Johann zum Felde (1883-1969) erbte 1916 die Gutsanlage.

Am 26. April 1921 brach im Herrenhaus ein schwerer Brand aus und die Innenräume brannten größtenteils aus. Erhalten blieben nur noch die schweren Außenmauern und das Kellergewölbe. Hans zum Felde und seine frisch vermählte Ehefrau Sophie zum Felde, geb. Rathge (1895-1983), ließen das Herrenhaus in den folgenden Jahren wiederaufbauen. Beide gingen beim Wiederaufbau mit großer Umsicht vor und die Wiederherstellung bewahrte den Charakter des Hauses, führte aber auch zu Veränderungen, die bis heute sichtbar sind. Der Treppenturm erhielt in diesem Zusammenhang seine heutige Gestalt. Vor dem Brand reichte er nur bis zum dritten Geschoss und besaß dort eine balkonartige Aussichtsplattform. Erst nach dem Wiederaufbau wurde er in der heutigen Form aufgestockt. Andere Teile des älteren Zustands, darunter ein Turmanbau an der Nordseite, der als Aborterker diente, wurden nicht wiederhergestellt. Später kam hier ihre Tochter Ria Johanne Christine Agathe zum Felde zur Welt.

Nach dem Tod von Sophie zum Felde (1895-1983) fiel das Erbe des Schlosses und der Anlage an den Stader Geschichts- und Heimatverein. 1985 übernahm der Landkreis Stade das Anwesen. Sophie zum Felde hatte in ihrem Testament die Errichtung einer Stiftung verfügt. Der Landkreis Stade gründete deshalb 1992 die Kulturstiftung Schloss Agathenburg. Bereits nach der Restaurierung wurde das Schloss im September1991 als Kulturzentrum der Öffentlichkeit übergeben. Die Restaurierung erfolgte in den Jahren 1990 bis 1993 und wurde maßgeblich durch die Stiftung Niedersachsen gefördert. Von 1991 bis 2004 wurde das Schloss durch den Landkreis Stade betreut. Die Kulturstiftung war für das kulturelle Programm zuständig. Im Juni 2004 beschloss der Kreistag des Landkreises Stade, das Schloss in die Selbstständigkeit zu überführen. 2010 begann ein weiterer Umbau des Schlosses. Das erhaltene Kellergewölbe aus dem 17. Jahrhundert wurde umfangreich saniert und zugänglich gemacht. Mit dem Anbau eines Fahrstuhls wurde das gesamte Schloss barrierefrei. Insgesamt wurde viel in den Erhalt der Anlage investiert. Sowohl in das Herrenhaus als auch in die Parkanlagen und z. B. dem Pferdestall, der ein neues Reetdach mit Heidefirst erhielt.

Im Mai 2011 wurde im Herrenhaus ein Museum eröffnet, die Königsmarck Ausstellung behandelt die Geschichte der Familie und ihrer Bewohner im 17. und 18. Jahrhundert. 2015 wurde Schloss Agathenburg als frauenORT anerkannt, in dessen Mittelpunkt das Leben von Maria Aurora von Königsmarck (1662-1728) steht. Zum Schloss gehören außerdem ein Café und ein Museumsshop.

Baugeschichte des Herrenhauses
Die Baugeschichte des Herrenhaus beginnt mit einem Neubau, der unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand und sich deutlich an Vorbildern des schwedischen Adels orientierte. Es handelt sich um einen dreigeschossigen, steil proportionierten Backsteinbau, dessen Gestaltung noch klar in der Renaissance wurzelt. Das Haus ist quaderförmig angelegt und von schlichter, zurückhaltender Monumentalität. Die Fassaden werden durch Blendarkaden gegliedert. Auf der Hofseite tritt mittig der polygonale, in anderer Beschreibung achteckig gefasste Treppenturm hervor, der dem Bau seine unverwechselbare Silhouette verleiht. Die Fenster sind asymmetrisch angeordnet und folgen damit nicht einer idealen Fassadensymmetrie, sondern der inneren Raumaufteilung. Dieser Umstand gehört zu den auffälligsten Merkmalen des Schlosses. Auch darin zeigt sich die Bindung an die Renaissance und die Distanz zu jener streng axialen Ordnung, die wenig später für den Barock prägend wurde. Der architektonische Schmuck ist sparsam. Besonders betont wird das Herrenhaus durch das Sandsteinportal. Gerade in dieser Beschränkung gewinnt der Bau seine Wirkung. Im Inneren hat sich trotz der schweren Zerstörung von 1921 ein Teil der älteren Substanz erhalten. Von besonderer Bedeutung ist das Kellergewölbe aus dem 17. Jahrhundert, das auf schweren Säulen ruht. Hinzu kommen zwei Kachelöfen aus dem 18. Jahrhundert sowie der Herrschaftssaal im ersten Geschoss.

Zur ursprünglichen Schlossanlage gehörten neben dem Hauptgebäude ein Torhaus, ein Marstall, eine Brauerei und Wohnungen für die Dienerschaft. Diese Gebäude standen so, dass sich auf der Hofseite ein Ehrenhof bildete. Heute sind sie nicht mehr erhalten, doch ihre Lage bleibt in der Gestaltung des Hofbereichs noch nachvollziehbar. Der große Pferdestall, der heute links des Schlosses steht, gehört nicht zu diesem ersten Bauzusammenhang an genau dieser Stelle, sondern wurde 1881 aus der Marsch an seinen heutigen Platz versetzt. Hinzu kommen weitere Nebengebäude des Ensembles, darunter eine Scheune des 18. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Park, Alleen, Einfriedung und Gruft bilden sie die überlieferte Schlossanlage.

Garten- und Parkanlagen von Schloss Agathenburg

Die Garten- und Parkanlagen waren bereits zur Zeit der Familie von Königsmarck ein wesentlicher Bestandteil des Landsitzes. Ursprünglich besaß das Schloss einen großen Barockgarten, der unterhalb des Hauses in der Marsch lag. Dieser Garten war quadratisch angelegt und durch Wasserläufe gegliedert. Nutz- und Zierpflanzungen standen nebeneinander. Der Garten war damit nicht nur Zierfläche, sondern ein geordnetes, kunstvoll gegliedertes Gegenstück zur offenen Landschaft. Hinzu kam ein Terrassengarten am Hang unterhalb der Ostfassade, der in mehreren Stufen angelegt war. Im 19. Jahrhundert veränderte sich der große Garten. Der sogenannte Große Garten wurde zu Weideland. Spätere Veränderungen führten zu einem Landschaftspark. Dabei wurde auf die sonst üblichen weiten Rasenflächen und geraden Sichtachsen weitgehend verzichtet. Vor dem Schloss entstand ein von Hecken umgebener Bauerngarten, der an das frühere Barockparterre erinnert. Im weiteren Parkgelände blieben Relikte des Schlossfriedhofs erhalten. Auch die beiden Brücken im Schlosspark, die 2017 erneuert wurden, gehören zu dieser Gesamtanlage.  Sichtachsen im Park wurden wiederhergestellt und der Blumengarten der Landschaftsarchitekten Rose und Gustav Wörner aus den Jahren 1986 und 1987 neu angelegt.

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