...
Gutshaus Berendshagen © Historische Häuser

Gutshaus Berendshagen in Mecklenburg-Vorpommern

Das Gutshaus Berendshagen liegt wenige Kilometer südwestlich von Satow in der leicht bewegten Landschaft des westlichen Mecklenburgs. Der kleine Ort wird bis heute von Park und Wassergräben geprägt. Das verputzte Herrenhaus steht an der Stelle einer bereits im Mittelalter befestigten Anlage. Geländeformen und Gräben erinnern noch immer an die frühere Wasserburg, deren Reste unter dem späteren Gutshaus vermutet werden. Das Gutshaus wurde um 1825 in klassizistischen Formen errichtet und zeigt sich seit 1937 in vereinfachter Gestalt.

Im Altar der Kirche von Berendshagen wurden zwei Reliquiengefäße mit Knochenreliquien und beschrifteten Pergamentstreifen entdeckt. Einer dieser Streifen nennt Gregor I., ein anderer dürfte sich auf Jakobus den Älteren beziehen. Da die Schrift in das 13. Jahrhundert datiert wird, spricht vieles dafür, dass es sich bei der Kirche von Berendshagen ursprünglich um eine Jakobikirche des 13. Jahrhunderts handelte. Die Pfarre des Ortes wird um 1320 fassbar. Kirchlich gehörte Berendshagen später nicht zum 1233 gegründeten Archidiakonat des Klosters Rühn, sondern zum Rostocker Archidiakonat, in dessen Zehntregister der Ort 1473 erscheint. Zugleich ist für das 14. Jahrhundert eine alte mecklenburgische Adelsfamilie von Berendshagen belegt.

Im 15. Jahrhundert wird Berendshagen bereits ausdrücklich als altes Gut der Familie von Bibow bezeichnet. Zu den frühen nachweisbaren Angehörigen gehören Heinrich von Bibow, der zwischen 1432 und 1439 in Berendshagen genannt wird, sowie Arnold von Bibow, der zwischen 1439 und 1462 belegt ist. Die Familie von Bibow blieb über lange Zeit mit dem Ort verbunden und besaß in der Nachbarschaft weitere Güter, darunter Passee und Westenbrügge. Im Jahr 1470 erhielt Sivert von Oertzen aus Roggow vom Herzog von Mecklenburg ein Pfandrecht auf die Einnahmen aus mehreren ländlichen Besitzungen. Zu den betroffenen Dörfern gehörten Berendshagen, Pustohl und Passee, daneben auch Höfe, die zu den sogenannten Bibow-Gütern innerhalb Berendshagens zählten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren zeitweilig auch Jaspar von Oertzen und Lippold von Oertzen auf Roggow im Besitz von Berendshagen.

Im 16. Jahrhundert blieb Berendshagen ein Sitz der Familie von Bibow. In einem Kirchenstuhl neben dem Altar befand sich eine tief eingeritzte Inschrift in hölzernen Renaissance-Majuskeln mit der Lesung „Jürgen Bibow min egen hant 1586“. In die spätere Familiengeschichte des Gutes gehören Martin von Bibow auf Berendshagen und Westenbrügge sowie seine Ehe mit Ursula von Oertzen aus dem Hause Roggow. Ihre Tochter Anna von Bibow heiratete Gottschalk Barner und brachte 2000 Gulden Brautschatz in die Ehe ein. Am 9. April 1608 erscheint außerdem Sievert von Bibow zu Berendshagen. Er kaufte damals das Gut Neperstorf für 15.000 Gulden im Interesse seiner Schwester Anna von Bibow und ihres Sohnes Adam Barner.

1618 endete die lange Besitzzeit der von Bibow. Am 18. Februar 1618 kaufte Barthold von der Lühe auf Panzow das Gut Berendshagen. Der Verkauf umfasste das Gut selbst, den zugehörigen Mühlenhof sowie die Dörfer Pustohl und Dolglas. Der Kaufpreis betrug 30.000 Gulden. Die Familie von der Lühe behielt Berendshagen bis 1697. In jenem Jahr ging der Besitz für 16.500 Taler an Kord von Bülow über. Bereits 1720 folgte der nächste Verkauf. Für 21.000 Taler erwarb der Landrat Kord von Hobe (1695–1765) auf Klein Gischow das Gut. Für die Familie von Hobe ist der Besitz von Berendshagen mit Pustohl und Klein Gischow in den Jahren 1720 bis 1770 genannt. Kord von Hobe war 1712 Fähnrich im Leibregiment der Dragoner, wurde 1716 Leutnant und nahm 1720 den Abschied. Danach amtierte er als Provisor des Klosters Malchow. Seit 1721 war er mit Anna Margarethe von Ahlefeldt verheiratet. Zu ihren Kindern gehörten Margarete von Hobe (1724–1796) und Johan Heinrich von Hobe (1733–1757). 1765 ging Berendshagen zusammen mit Klein Gischow an den Rostocker Senator Prehn, der das Gut 1770 der herzoglichen Kammer anbot, ohne dass es zu einem Ankauf kam. Der Mühlenhof war damals bereits eingegangen, während Dolglas mit zuletzt vier Bauernhöfen rechtlich noch bis in das 20. Jahrhundert zum Gut Berendshagen gehörte.

Auf diese Zeit folgte ein rascher Besitzwechsel. Für die Jahre 1785 bis 1795 ist Generalin E. A. de Cheusses, geborene von Monroy, als Eigentümerin von Berendshagen und Dolglas belegt. Kurzzeitig folgte Lieutenant Friedrich Wilhelm von Hartwig. Der Trechower Gutsherr und Reise-Oberstallmeister Johann Christoph von Plüskow wird als Besitzer von Berendshagen in den Jahren 1795 bis 1802 genannt. In dieser Zeit wird außerdem ein um 1800 behobener Brandschaden genannt. Ab 1804 werden die Gebrüder Pluns als Besitzer aufgeführt, die zehn Jahre lang in Berendshagen blieben. Danach erscheint der Rittmeister Johann Joachim Brackenwagen in der Besitzgeschichte des Guts, der das Gut an die Familie von Stenglin veräußerte.

Die Familie von Stenglin entstammt einem ursprünglich süddeutschen Patriziergeschlecht, das im 16. Jahrhundert in den Reichsadel erhoben wurde. Im 17. Jahrhundert gelangte sie durch Marx Philipp Stenglin (1653–1737) nach Hamburg, wo er als Kaufmann und Reeder zu großem Wohlstand kam. Sein Sohn Philipp Heinrich Stenglin mehrte das Vermögen durch Bankgeschäfte, bevor die Familie im 18. Jahrhundert auch in Mecklenburg begütert wurde. Philipp Heinrich von Stenglin erwarb 1758 die Vogtei Plüschow, wurde dänischer Kammerherr, 1759 in den Reichsfreiherrenstand erhoben und erhielt 1765 die dänische Adelsnaturalisation. 1802 verkaufte Conrad Philipp Baron von Stenglin (1749–1835) die Vogtei Plüschow an den Erbprinzen Friedrich Ludwig zu Mecklenburg. In den folgenden Jahrzehnten erwarb die Familie mehrere mecklenburgische Güter, darunter Groß und Klein Renzow (1802–1830), Hohen Luckow (1810–1829) und Beckendorf (ab 1815). 1814 gelangte auch Berendshagen mit Dolglas in den Besitz von Conrad Baron von Stenglin. Ab 1817 werden die Geschicke des Guts von seinem Sohn Friedrich Christian Conrad Baron von Stenglin geleitet. Daneben befanden sich zeitweise auch weitere mecklenburgische Güter im Besitz der Familie. In Berendshagen blieb ihre Präsenz jedoch besonders sichtbar: 1836 versuchte Baron von Stenglin, das Kirchenpatronat an den Landesherrn zu übertragen, was nicht zustande kam. Auf dem Kirchhof erinnert bis heute die 1842 errichtete Grabkapelle des Conrad von Stenglin an diese Stengliner Zeit in Berendshagen.

1844 ging Berendshagen an Heinrich Johann Ludwig Martin Hillmann über. 1881 übernahm Karl Ludwig Heinrich Hillmann das 562,1 Hektar große Lehngut. Für die Zeit von 1892 bis 1923 wird Konrad Hillmann überliefert, ab 1927 Karl Theodor Hillmann. Die Familie Hillmann blieb bis zur Enteignung durch die Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg im Herbst 1945 Besitzerin des Guts.

Die Baugeschichte des Gutshauses Berendshagen lässt sich in ihren Grundzügen klar beschreiben. Das klassizistische Gutshaus entstand um 1825 und stammt damit aus der Zeit der Familie von Stenglin. Das Herrenhaus steht an der Stelle einer älteren befestigten Anlage, woran die bis heute erhaltenen Wassergräben im Park erinnern.

Zur Zeit seiner Entstehung zeigte sich das Gutshaus Berendshagen als klar gegliederter klassizistischer Putzbau von stattlicher Wirkung. Der Bau war neunachsig angelegt und wurde von einem Krüppelwalmdach abgeschlossen. Seine Hoffront erhielt durch einen dreiachsigen Mittelrisalit eine deutliche Betonung. Dieser Mittelteil war dreigeschossig ausgebildet und schloss mit einem flachen, profilierten Dreiecksgiebel, in dessen Feld sich ein Lünettenfenster befand. Im Erdgeschoss war der Eingang durch eine offene, von vier vermutlich dorischen Säulen getragene Vorhalle hervorgehoben, über der ein Balkon lag. Damit besaß die Mitte der Hoffassade eine ausgeprägt repräsentative Gestaltung, die eventuell von Carl Theodor Severin stammt oder von seinen Arbeiten in der Umgebung inspiriert wurde. Auch die seitlichen Fassaden waren sorgfältig proportioniert. Auffällig war die Gliederung der Geschosse mit kleineren Fenstern im Erdgeschoss und höheren, vornehmer wirkenden Räumen im Hauptgeschoss. Im Inneren lagen die repräsentativen Räume im hohen Obergeschoss. Dort befand sich auch ein Saal, der später durch Zwischenwände unterteilt wurde.

Zur Gutsanlage gehörten neben dem Herrenhaus mehrere Wirtschaftsgebäude. In den Jahren 1934 bis 1935 wurden eine Autogarage angebaut und in ein Wirtschaftshaus eine Inspektorenwohnung eingebaut. Zwischen 1937 und 1940 entstanden auf Ansiedlungsflächen zwei Siedlungsgehöfte unter Mitwirkung der Mecklenburgischen Landgesellschaft GmbH Schwerin. 1938/39 folgte der Bau eines Landarbeiterwohnhauses mit Stall. Im Jahr 1939 kamen zwei Dungstätten mit Jauchegrube hinzu. Zwischen 1939 und 1941 wurde außerdem ein Hühnerstall nach Plänen des Architekten K. Vick errichtet. Für die Jahre 1940 bis 1945 ist der Wiederaufbau eines abgebrannten Viehhauses belegt.

Für die Zeit nach 1945 sind zur Nutzung des Gutshauses nur wenige Angaben bekannt. Mit dem Ende der alten Gutswirtschaft veränderten sich auch in Berendshagen die Verhältnisse grundlegend. Während der spätere Verfall der Kirche ausdrücklich genannt wird, zeigen die Bauakten für Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude, dass die Anlage bis in die Kriegsjahre genutzt und baulich ergänzt wurde. Danach blieb das Gutshaus bewohnt, das sich seit einer Renovierung 1973 in stark vereinfachter Form zeigt. Zahlreiche architektonische Einzelheiten der klassizistischen Fassadengestaltung gingen verloren. Besonders betroffen war die differenzierte Ausbildung der Hoffront, deren ehemals hervorgehobener Mittelteil heute nur noch in seiner Grundform zu erkennen ist. Die offene Vorhalle mit den Säulen, der Balkon sowie die feinere Ausarbeitung des Mittelrisalits prägten einst die Wirkung des Hauses wesentlich stärker. Erhalten blieben vor allem der langgestreckte Baukörper, der neunachsige Aufbau, das Krüppelwalmdach und der mittig vorspringende Risalit. Auch die unterschiedliche Gewichtung der Geschosse lässt sich weiterhin ablesen. Das Gutshaus wirkt heute schlichter und geglätteter, während die historische Aufnahme noch die einstige repräsentative Ausformung des klassizistischen Hauses zeigt.

Heute ist das Gutshaus gepflegt und in mehrere Wohnungen unterteilt. Vor dem Gutshaus liegt ein Rondell mit zweiseitiger Zufahrt. Teile des Parks sind ebenfalls noch vorhanden. Zum historischen Umfeld gehören neben ehemaligen Wirtschaftsgebäuden außerdem die Feldsteinkirche und die 1842 errichtete Grabkapelle der Familie von Stenglin.

Sie haben Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen oder vielleicht sogar alte Fotos zu diesem Gutshaus? Dann freue ich mich über eine E-Mail von Ihnen. Schicken Sie mir gerne eine E-Mail an kruse@historische-haeuser.com

Bleib in Kontakt

Newsletter

Erhalten Sie regelmäßig meinen Newsletter mit Neuigkeiten zu Gutshäusern, weiteren historischen Häusern, Veranstaltungen und Angeboten – direkt in Ihr Postfach. Melden Sie sich jetzt an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Teile den Artikel

Familienwappen Kruse © Historische Häuser | Alte Häuser

Barrierefreiheit

error: Ich freue mich über Ihr Interesse an meinen Texten und Bildern. Wenn Sie diese verwenden möchten, bitte ich um eine kurze Anfrage. Sie erreichen mich jederzeit unter kruse@historische-haeuser.com

NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig meinen Newsletter mit Neuigkeiten zu Gutshäusern, weiteren historischen Häusern, Veranstaltungen und Angeboten – direkt in Ihr Postfach. Melden Sie sich jetzt an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig meinen Newsletter mit Neuigkeiten zu Gutshäusern, weiteren historischen Häusern, Veranstaltungen und Angeboten, direkt in Ihr Postfach. Melden Sie sich jetzt an und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.